Matta Wagnest

Labyrinth, 2005

Es handelt sich um einen offenen gläsernen Riesenkasten, der den Ausblick auf die Landschaft nicht verstellt, sondern ihn ohne Abstriche gestattet. Hier kondensiert der Blick auf dem Glas, während er zugleich das Bild einer Landschaft hat. Das Glas wirkt wie ein Schirm, der das Sehen einfängt, ein Bildschirm, der die Welt präsentiert wie ein Fernseh- oder Computerbildschirm, allerdings zum Preis der Trennung und der Distanz von ihr. Die Bezeichnung des gläsernen Schirms als Labyrinth macht deutlich, dass das weit offen stehende Sichtbare nicht weniger geheimnisvoll ist als das verdeckte oder versteckte. 

 

Das Labyrinth ist eine Vorrichtung, die eine Suchbewegung anstößt. Im Falle des minoischen Labyrinths handelte es sich um ein Bauwerk, das durch eine Anzahl von Kehren zu einer zentralen Kehre hin führte und von dieser aus wieder durch alle Windungen zurück zum Ausgangspunkt. Das Barock interpretierte das Labyrinth als Irrgarten, in welchem man sich als Suchender verlieren bzw. die Erfahrung des Orientierungsverlustes machen sollte, also als Symbol der Welt.

 

Bei Matta Wagnests Labyrinth handelt es sich um einen offenen gläsernen Riesenkasten, der den Ausblick auf die Landschaft nicht verstellt, sondern ihn, im Gegenteil, ohne Abstriche gestattet. Damit wird auf eine Umkehrung des Regimes der Orientierung und des Sehens hingewiesen, die für die Moderne paradigmatisch geworden ist: das Spiel mit dem Unsichtbaren, mit dem Entzug, das verschlossene und verdeckte Räume notwendig gemacht hat (die Krypta, das Verhohlene), wird zum Drama des offenen, unverhohlenen Sichtbaren selbst.

 

In Matta Wagnests Skulptur kondensiert der Blick auf dem Glas, auf dieser reinen Durchsichtigkeit, während er zugleich das Bild einer Landschaft hat. Das Glas wirkt wie ein Schirm, der das Sehen einfängt, ein Bildschirm, der die „Welt“ präsentiert wie ein Fernseh- oder Computerbildschirm, allerdings zum Preis der Trennung und der Distanz von ihr.

 

Die Bezeichnung des gläsernen Schirms als Labyrinth macht deutlich, dass das weit offen stehende Sichtbare nicht weniger geheimnisvoll ist als das verdeckte oder versteckte, da es das System des Sehens und des Gesehenen selbst als Problem einführt. Größe und Situation kennzeichnen es wiederum als Bauwerk oder räumliche Installation, die dem Aspekt des Sehens eine leibhaftige Erfahrung der Begrenzung im Kinoformat hinzufügt, die sich vor einer wirklich anwesende Landschaft ereignet.

Autor: Elisabeth von Samsonow
Planübersicht: Position 59
Besitzer: [Stiftungsbesitz]
Künstlerbiographie: Matta Wagnest

Österreichischer Skulpturenpark

Thalerhofstraße 85
8141 Premstätten, Österreich
T +43-316/8017-9704
skulpturenpark@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
24. März bis 31. Oktober Mo-So, Feiertag 10 - 20 Uhr
01. April 2019 bis 31. Oktober 2019 Mo-So, Feiertag 10 - 20 Uhr


Büroadresse:

Marienplatz 1/1, 8020 Graz
Mo-Fr 9-17 Uhr

Termine auf Anfrage: 
Führungen: T +43-699/1334 6831