Große Figur für Luzern

Fritz Wotruba, 1966/67

Wotruba, einer der wichtigsten österreichischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts, setzte sich in seinem Schaffen vor allem mit der menschlichen Figur auseinander. Dabei geht es ihm nicht um ästhetische Schönheit, sondern um die Suche nach einem Ursprung. Daraus entstehen seine statischen, schweren, tektonischen Skulpturen. Er sieht den Menschen als Architekten und in seinen Arbeiten wird der Körper als Behausung und Schutz, aber auch als Gefängnis, Verlies und Schwere lesbar. Auch bei der Großen Figur für Luzern sind menschliche Formen erkennbar, während gleichzeitig die Perspektive auf etwas Größeres, Allgemeingültigeres geöffnet wird. 

Bildinformationen

Autor*in

Elisabeth Fiedler, Kurztext adaptiert von Lisa Schantl und Lukas Sperlich

Planübersicht

Position 6

Besitzer*in

Fritz Wotruba Stiftung, Belvedere Wien

Künstler*innenbiografie

Fritz Wotruba

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Zum Werk

Als einer der wichtigsten österreichischen Bildhauer Österreichs des 20. Jahrhunderts schuf Fritz Wotruba nicht nur sein markantes Oevre, sondern beeinflusste auch seine Nachfolgegeneration vor allem im Hinblick auf die Schwerpunkt- und Auseinandersetzung mit seinem großen Thema, der menschlichen Figur. Dabei geht es ihm, beginnend bei seinem ersten Torso aus dem Jahr 1928, nicht um ästhetische Schönheit, sondern um die Suche nach einem Ursprung, aus dem heraus seine statischen, schweren, stillen, in sich ruhenden Skulpturen erstehen, die in Ausdruckskraft durch Reduktion und Archaik Raum nicht nur einnehmen, sondern diesen auch beeinflussen.

Nach seiner Auseinandersetzung mit der klassischen Moderne, der Erkenntnis von Strukturbestimmung plastischen Gestaltens durch Licht und Schatten mündet Wotrubas Reduktion und Konzentration in blockartige, strukturell und tektonisch ausgerichtete Werkgestaltung in elementarer Neubestimmung der Figürlichkeit: Anstatt anatomische Formen nachzubilden, sucht Wotruba nach Grundstrukturen durch Zerlegung in einzelne Elemente, um daraus ein neues Ganzes aufzubauen, wobei er den Menschen auch als Architekten sieht, versteht und gestaltet. So wird in seinen Arbeiten der Körper als Behausung und Geborgenheit, aber auch als Gefängnis, Verlies und Schwere lesbar.

Sein tiefes Verständnis dieser Verbindung in Zusammenhang mit der Natur bzw. dem Außenraum ist auch in seiner Arbeit „Große Figur für Luzern“ klar lesbar: Der Titel gibt zwar noch einen Hinweis auf die menschliche Gestalt, öffne aber gleichzeitig die Perspektive auf etwas Größeres, allgemein Gültigeres. Nicht Individualität, Expressivität, Gerichtetheit oder die Offenbarung eines persönlichen Schicksals sind Themen, die Wotruba interessieren, sondern Richtungslosigkeit, Gleichwertigkeit von allen Ansichtsseiten, immer weiterführende Reduktion und Präzision auf archetypisch verstandene Urformen.

Bevorzugtes Material für seine Werkausführung ist Stein als erdgeschichtlich ursprüngliche Materie, Ausführungen in Bronze erfolgen aus Wotrubas Demokratieverständnis der Multiplizität und damit der Entgegnung dem einen Kunstwerk gegenüber. Auch innerhalb dieser Arbeit steht „Figur“ für menschliche, hier auch gut ablesbare Formen, gleichzeitig erscheint diese Skulptur aber auch als architektonische Form oder Figur im landschaftlichen Konnex.

In sich ruhend, jedem Ansatz dynamischer Hektik widersprechend, stattdessen auf die einfachsten, elementarsten Strukturen reduziert, erscheint sie als zeitlos und präsent zugleich.