Wand

Erwin Bohatsch, 1992

Die Wand ist die einzige realisierte Skulptur des Malers und Grafikers Bohatsch, in der er die malerische Erfahrung in eine skulpturale überführt. Die quellende Form über der Betonwand simuliert das langsame Rinnen der Farbe über eine Leinwand. So wie der Maler die Farbpaste aus der Tube auf die Leinwand quetscht, so wälzt sich zähflüssig die Betonmasse über die Wand, bis die weiche, flüssige Form zu einer harten, festen Gestalt erstarrt. Werden und Vergehen wird her ebenso thematisiert wie das Ineinander-Übergehen von Idee, Malerei und Skulptur.

Die Skulptur des Malers Bohatsch ist eine senkrechte, glatte Betonplatte mit herabhängenden "Tropfen" aus Beton. Diese ähneln Fingern und sollen das langsam über die Leinwand kriechende Rinnen der Farbe simulieren. Die Skulptur des Malers Bohatsch ist eine senkrechte, glatte Betonplatte mit herabhängenden "Tropfen" aus Beton. Diese ähneln Fingern und sollen das langsam über die Leinwand kriechende Rinnen der Farbe simulieren.

Bildinformationen

Autor*in

Christa Steinle, Kurztext adaptiert von Lisa Schantl und Lukas Sperlich  

Planübersicht

Besitzer*in

Universalmuseum Joanneum

Künstler*innenbiografie

Erwin Bohatsch

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Zum Werk

Erwin Bohatsch arbeitet seit Beginn der 1980er-Jahre als Maler und Grafiker. Zunächst zählte er zu den maßgeblichen Vertretern der Neuen Wilden in Österreich und entwickelte sich seit den 1990er-Jahren zu einem Maler der zweiten Moderne, der nicht, wie üblicherweise in Österreich, in der Auseinandersetzung mit der Abstraktion in der Naturabstraktion gefesselt blieb, sondern aus der Reflexion des Color Field Paintings eine aktuell diskursive Malmethodik vorantreibt. Er ist also Maler und nicht Bildhauer und dennoch steht im Grazer Skulpturenpark eine Skulptur von Erwin Bohatsch, seine einzige, die er je realisiert hat, ein Auftragswerk.

Man sieht eine massive graue Betonwand, über die eine voluminöse quellende Betonform gelagert ist, die zu Boden drängt. Diese Betonwand bildet das eine skulpturale Element und soll eine Leinwand simulieren. Sie ersetzt das Podest, den Sockel einer Skulptur.

Das zweite skulpturale Element, das hängende Betonvolumen, soll das langsam über die Leinwand kriechende Rinnen der Farbe simulieren. So wie der Maler während des Malprozesses die Farbpaste aus der Tube auf die Leinwand quetscht, so wälzt sich zähflüssig die Betonmasse in fünf Bahnen über die Wand, bis das Tropfen zum Stillstand kommt und die weiche flüssige Form zur harten festen Form erstarrt.

Es handelt sich dabei aber nicht nur um eine Materialverfremdung, d. h. die Übertragung eines Materialzustandes auf ein anderes Material, sondern man kann diese fünf Bahnen auch als die Hand des Künstlers sehen, die sowohl den Pinsel führt bzw. ein Bild umklammert wie auch die Hand, die den Lehm zu einer Skulptur knetet.

So überführt Bohatsch die malerische in eine skulpturale Erfahrung. Der aktive Gestus des Auftrags von Farbe auf Leinwand des Malers Bohatsch erfährt eine Umsetzung in eine überzeitliche Dimension, in die eines steinernen Denkmals durch den Bildhauer Bohatsch.