Jetzt

Oskar Höfinger, 1986

Jetzt ist zunächst eine zweifach abgewinkelte Stahlschiene. Darüber hinaus aber ist sie als Diagramm einer (persönlichen) Entwicklung zu lesen – eine Zeitachse gewissermaßen, welche zum aufstrebenden Teil hin der Gegenwart, dem Augenblick zusteuert. An ihren Seiten sind Punkte eingetragen, die einzelne Zeit- oder vielleicht auch Lebensabschnitte markieren. Der Weg verläuft hier nicht geradlinig, sondern in plötzlichen, heftigen Richtungsänderungen – eine Metapher für das Unerwartete, Unvorhersehbare, die Um- und Irrwege im Leben.

Bildinformationen

Autor*in

Peter Peer, Kurztext adaptiert von Lisa Schantl und Lukas Sperlich

Planübersicht

Besitzer*in

Gemeinde Wien

Künstler*innenbiografie

Oskar Höfinger

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Zum Werk

Obgleich man zunächst eine Verwandtschaft mit Werken der Minimal Art zu erkennen glaubt, ist diese Plastik doch weit von diesen entfernt. Höfingers Formen sind stets mit Inhalten, Bedeutungen, mit Gedanken belegt. Es sind Kürzel, Symbole, welche dem an sich Nichtdarstellbaren Gestalt verleihen. Als Schüler Fritz Wotrubas bildet für Höfinger die Auseinandersetzung mit dem Menschen zunächst die wesentliche Ausgangsposition. Er studiert signifikante Bewegungsabläufe und Positionen des menschlichen Körpers und überträgt diese in Figuren mit starkem gestischen Ausdruck, die aufgrund ihrer entschiedenen formalen Reduktion oftmals wie Zeichen ihrer selbst wirken.

Daneben beginnt er Phänomene jenseits des Greifbaren und Dinglichen, Empfindungen, Emotionen und Sinneseindrücke unterschiedlicher Art zu verarbeiten – es entstehen Arbeiten mit Titeln wie „Poesie“, „Musik“ oder „Faszination“ –, auch beschäftigt Höfinger sich mit religiösen Themen. Zum Teil geht er dabei den Weg einer völlig freien, von gegenständlichen Bezügen jeglicher Art gelösten Formensprache, die das Inhaltliche auf rein symbolischer Ebene vermittelt. „Jetzt“ ist zunächst eine zweifach abgewinkelte Stahlschiene. Darüber hinaus aber ist sie als Diagramm einer (persönlichen) Entwicklung zu lesen – eine Zeitachse gewissermaßen, welche zum aufstrebenden Teil hin der Gegenwart, dem Augenblick zusteuert. An ihren Seiten sind Punkte eingetragen, die einzelne Zeit-, vielleicht auch „Lebensabschnitte“ markieren.

Unter diesem Aspekt erfährt die genügsame Form jedoch ein dramatisches Gewicht: Der Weg verläuft hier nicht geradlinig, sondern in plötzlichen, heftigen Richtungsänderungen, was einen Kritiker zu der Äußerung veranlasste, es handle sich um das „glänzende Mahnmal einer schiefgelaufenen Zeit“. Eher jedoch lässt sich diese Raumzeichnung als Metapher auf das Unerwartete, Unvorhersehbare, auf die Um- und Irrwege im dynamischen Lebensprozess begreifen.