The Silent Cell

Manfred Erjautz, 1992/94

Logos, Strichcodes, Werbetexte oder Gegenstände mit festgeschriebener Bedeutung sind Erjautz’ hauptsächliches Material. Damit führt er uns eindringlich vor Augen, dass wir in Textstrukturen eingebunden sind – in der Kunst sowie im Alltag. Die konstruierenden Elemente dieser Skulptur sind Metall gewordene Linien, abgeleitet von Computerstrichcodes. Das abstrakte Konstrukt auf einer Kunstrasenfläche erinnert an eine Zelle. Betritt man diese, ist man vom Strichcode umgeben und damit auch vom Text, für den dieser Code steht. Strichcodes beinhalten auch die Preise von Waren, sodass diese Skulptur aus einem angenommenen, aber unausgesprochenem Wertsystem geschaffen zu sein scheint.

Erjautz baut seine Skulptur als Gebäude bzw. Zelt. aus weißen, Metall gewordenen Linien, abgeleitet von Computerstrichcodes. Erjautz baut seine Skulptur als Gebäude bzw. Zelt. aus weißen, Metall gewordenen Linien, abgeleitet von Computerstrichcodes.

Bildinformationen

Autor*in

Günther Holler-Schuster, Kurztext adaptiert von Lisa Schantl und Lukas Sperlich  

Planübersicht

Besitzer*in

Universalmuseum Joanneum

Künstler*innenbiografie

Manfred Erjautz

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Zum Werk

Dass ein Kunstwerk, neben seiner primären äußeren Erscheinung, noch andere Inhalte liefert, ist hinlänglich bekannt. Die Pyramiden in Ägypten sind nicht nur Grabmäler, die Stillleben des 17. Jahrhunderts sind delikat gemalte Dekorationsgegenstände, auf den Fassaden der barocken Paläste sind ganze ikonografische Programme zu lesen, die über die herrschaftlichen Bewohner Auskunft geben.

Vergessen wir nicht die Zahlenmystik, die sich auch durch die Musik hindurchzieht und die orientalischen Ornamente, die voller inhaltlicher Anspielungen sind. Wenn plötzlich ein überdimensionaler Hot Dog vor einem steht, aus dem ein freundlicher Koch herauslacht, so wissen wir, welche Bestimmung dieses Gebäude hat – und das nicht erst, seit es Las Vegas gibt. Kunstwerke sind Texte, sind Informationen, die der Eingeweihte lesen und verstehen kann. 

Manfred Erjautz setzt mit seiner Kunst genau an diesem Punkt an. Logos, Strichcodes, Werbetexte, Gegenstände und Materialien mit festgeschriebener Inhaltlichkeit (Lego) sind sein hauptsächliches Material. Damit führt er uns eindringlich vor Augen, dass wir in Textstrukturen eingebunden sind – in der Kunst, mehr noch im Alltag.

So hat zum Beispiel nahezu die ganze dem Publikum zugewandte Oberfläche unserer Städte, im Wesentlichen die Bestimmung, unsere Aufmerksamkeit zu erwecken. Die Umgebung wird lesbar, die Werbung ist Teil der Gebäudetechnik geworden – von den bewegten Medienwänden im öffentlichen Raum ganz zu schweigen.

Erjautz baut seine Skulptur als Gebäude bzw. Zelt. Die konstruierenden Elemente sind Metall gewordene Linien, abgeleitet von Computerstrichcodes. Den Boden im Inneren bildet eine Kunstrasenfläche. Nur der informierte Besucher dieser Zelle, die man betreten kann, ist von einem Text umgeben. Alle anderen sind in ein abstraktes Konstrukt eingesperrt, das sie möglicherweise an Bekanntes erinnert – an ein Zelt in der Wiese.