Franz West / Otto Zitko

Who's Who, 1992

In der scheinbar willkürlich geschnürten Form zweier Hocker erscheint die Skulptur einerseits provisorisch und interventionistisch, andererseits wird ihre Bedeutung als unantastbares Kunstwerk durch den Betonsockel hervorgehoben. Die Skulptur lädt zum Gespräch, zur kurzfristigen Erkenntnis des „who is who“, und lockt somit das Unbewusste. Die Dialektik zwischen Kunstwerk und alltäglichem Objekt verläuft parallel zu derjenigen zwischen dem Selbst und dem Fremden. Somit verweist die Arbeit auf das Wollen des Kunstwerks auf Benutzung und auf die Frage nach den Möglichkeiten von Kommunikation.

 

Skulptur als Erweiterung des menschlichen Körpers zieht bei West nach sich, dass Möbel in Skulptur rückgeführt werden, Grundbedürfnisse des Menschen, wie Schlaf, Ruhe, Rückbesinnung oder Kommunikation nicht einem Nutzobjekt oder dem Design überlassen, sondern als elementare Zustände innerhalb des Lebens in die Kunst eingewoben werden.

 

So haben alle seine Skulpturen den Menschen als Maßstab und werden seine Möbel zu Bindegliedern zwischen dem Menschen und seinem Unbewussten, dem Menschen und dem Boden, dem er verhaftet ist und zwischen den Menschen.


In der willkürlich geschnürt erscheinenden Form zweier Hocker erscheint die Skulptur einerseits provisorisch und interventionistisch, andererseits wird ihre Bedeutung als unantastbares Kunstwerk hervorgehoben, indem West sie auf ein Betonpodest stellt. Ihrer ephemeren Bedeutung enthoben werden die Hocker so zu einem Statement, das als durchlässige Struktur und Skulptur gelesen werden kann und gleichzeitig zur Interaktion auffordert.

 

West erzeugt einen Reiz, der aus Zurückweisung und Anziehung entsteht. Ebenso wichtig wie die Bedeutung der Absenz, des Möglichen, des Offenen oder der Erinnerung ist das Faktische, die tatsächliche Benutzung und die zeitliche Begrenztheit dieser menschlich-vergänglichen Möglichkeit auf beständigem Material.


Zwei lehnenlose Hocker, die zur kurzfristigen Erkenntnis des „who is who“ einladen bietet West für ein Gespräch, eine psychologische Sitzung und lockt das Unbewusste in seiner Intersubjektivität. Die Dialektik zwischen Kunstwerk und alltäglichem Objekt verläuft parallel zu derjenigen zwischen Beweglichkeit und Starre, zwischen dem Selbst und dem Fremden.


Kommunikation im Sitzen auf einem handgefertigten Kunstwerk lässt die gegenseitige Bedingtheit von Hand und Wort spüren und verweist gleichzeitig auf das Wollen des Kunstwerks auf Benutzung und die Frage nach der Sinnhaftigkeit oder der Möglichkeit von Kommunikation und Verstehen.

Autor: Elisabeth Fiedler 
Planübersicht: Position 23
Besitzer: [Artothek des Bundes]
Künstlerbiographie: Franz West

Österreichischer Skulpturenpark

Thalerhofstraße 85
8141 Premstätten, Österreich
T +43-316/8017-9704
skulpturenpark@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
01. April 2019 bis 31. Oktober 2019 Mo-So, Feiertag 10 - 20 Uhr


Büroadresse:

Marienplatz 1/1, 8020 Graz
Mo-Fr 9-17 Uhr

Termine auf Anfrage: 
Führungen: T +43-699/1334 6831 

 

22. April 2019
10. Juni 2019