Hartmut Skerbisch

Sphäre 315, 2005

Sechs Kreise von der Größe eines Viermillionstels des Erddurchmessers, wurden im Verhältnis des Goldenen Schnitts zueinander stehend zur Skulptur verschraubt, wodurch sie Betrachter/innen in ihrem Empfinden des harmonischen Ausgleichs ebenso anspricht wie miteinbezieht. Besucher/innen bewegen sich hier als Gradmesser zwischen ihrer eigenen Körperlichkeit und Größe in Relation zur Welt, in die sie eingeschrieben sind, und einem größeren, durchlässigen System. So können wir versuchen, Größenverhältnisse und Entfernungen wahrzunehmen oder die sphärische Durchdringung eines als fest angedeuteten Körpers entdecken. 

 

Hartmut Skerbischs Werkbegriff ist ein vielschichtiger und gleichzeitig substanzieller. Wissend um die Gleichwertigkeit aller Medien seit den 1920er Jahren, in denen neben Malerei, Bildhauerei, Fotografie und Avantgardefilm der Bereich der Medienkunst eröffnet wurde, und der Gleichwertigkeit von Konzepterstellung und ausgeführter Arbeit äußert Skerbisch sich, der zweiten Genration österreichischer konzeptueller Künstler angehörend, in unterschiedlichsten formalen Medien.


Die erste Generation österreichischer Konzeptualisten, die seit den 1950er Jahren im Bewusstsein der Verbindung von Sprache und Kunst argumentierten und die Sprache „als Medium der Sozialisation“.1) (Peter Weibel: Die Wiener Gruppe im internationalen Kontext, in ders. (Hg.), Die Wiener Gruppe. The Vienna Group. A Moment of Modernity 1954 – 1960, Kat. Zur Biennakle di Venezia, Wien, New York 1997, S. 779) erkannten sind Friedrich Achleitner, H.C. Artmann, Konrad Bayer, Gerhard Rühm und Oswald Wiener als Wiener Gruppe.


Die möglichst unverfälschte Wahrnehmung von Wirklichkeit strebten ab den 1960er Jahren Günter Brus, Otto Muehl, Hermann Nitsch und Rudolf Schwarzkogler im Bestreben der Überwindung des Illusionismus des Tafelbildes im Wiener Aktionismus an. Parallel zu den Manifesten gegen den Staat und die bestehende Gesellschaftsordnung entwickelte sich über den Undergroundfilm und das Expanded Cinema ein Sprach- und Materialbewusstsein, das sich bei Kurt Krenn, Ernst Schmidt Jr., VALIE EXPORT und Peter Weibel im Zerstören narrativer Strukturen äußert.


Die österreichische Position, innerhalb derer sich aus der analytischen Tradition, von der Psychoanalyse eines Sigmund Freud bis zur Sprachanalyse der Wiener Gruppe neue Diskurse eröffneten, stellten eine entsprechende Basis für das Auftauchen neuer Medien dar. So leisteten seit den späten 1950er Jahren KünstlerInnen, wie Marc Adrian, Alfons Schilling, Gottfried Bechtold, Heinz Gappmyr, Richard Kriesche, Friederike Petzold u.a. neben den Genannten spezifische Beiträge zur Internationalen Kunst.


Bei Hartmut Skerbisch, der wie Franz West, Robert Adrian X, Ernst Caramelle, Michel Schuster oder Jörg Schlick der zweiten Generation konzeptueller Künstler angehörte, wird deutlich, dass der Skulptur- und Raumbegriff sich durch das genannte kritische Sprachbewusstsein, den neuen künstlerischen Umgang mit dem eigenen Körper, die erweiterte Medienkunst, die beinhaltete, dass die Medien der Kritik zur Kritik der Medien herangezogen wurden, eminent ändert.


So beschäftigt sich Hartmut Skerbisch bereits im Rahmen seines Architekturstudiums mit den Phänomenen der elektronischen Medien, deren Auswirkungen auf unsere Raumauffassung. Durchgehend setzt er sich mit so unterschiedlichen Dichtern, Denkern und Akteuren, wie James Joyce, Walter Benjamin, dem Antroposophen Rudolf Steiner, Blixa Bargeld als Mitglied der Einstürzenden Neubauten, dem Mystiker Emanuel Swedenborg, der Punkautorin Kathy Acker, Robert Musil, Franz Kafka oder dem Reggea – Experimentator Augustus Pablo auseinander und reflektiert deren Gedanken auch in seiner Arbeit.

Autor: Elisabeth Fiedler 
Planübersicht: Position 58
Besitzer: [Österreichischer Skulpturenpark am Universalmuseum Joanneum]
Künstlerbiographie: Hartmut Skerbisch

Österreichischer Skulpturenpark

Thalerhofstraße 85
8141 Premstätten, Österreich
T +43-316/8017-9704
skulpturenpark@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
01. April 2019 bis 31. Oktober 2019 Mo-So, Feiertag 10 - 20 Uhr


Büroadresse:

Marienplatz 1/1, 8020 Graz
Mo-Fr 9-17 Uhr

Termine auf Anfrage: 
Führungen: T +43-699/1334 6831