Michael Schuster

Betonboot, 2003

Die Skulptur zeigt eine Reflexion über ortsspezifische Gegebenheiten: Das Boot bezieht sich zunächst auf seine konkrete Umgebung, einem Park mit angrenzendem Badesee. Es scheint, als ob es hierher geschleudert worden wäre, um in einer künstlichen Wellenlandschaft zu landen. Dabei handelt es sich um ein funktionsfähig gebautes, am slowenischen Straßenrand gefundenes Objet trouvé. Schuster stellt also nicht einfach eine Skulptur in den Park, sondern er thematisiert deren Geschichte und ihr Umfeld innerhalb des Areals selbst

 

Michael Schuster verbindet in seiner Arbeit medienreflexives und konzeptuelles Handeln mit bild- und objekthaften Bezügen. Sein Betonboot zeigt eine Reflexion über ortsspezifische Gegebenheiten in sinnlich objekthafter Gestalt: Das Boot bezieht sich zunächst auf den angrenzenden Freizeitraum mit seinem Badesee. Es scheint, als ob das Boot geradewegs aus seinem angestammten Platz geschleudert worden wäre, um in einer anderen Art von Wellenlandschaft zu landen: nämlich im hügeligen Auf und Ab einer künstlichen Landschaft, deren gefaltetes Profil noch an ihre ursprüngliche und vorige Nutzung als Gartenschaugelände erinnert.

 

Damit stellt Schuster nicht einfach eine Skulptur in den Park, sondern er thematisiert dessen Geschichte und sein Umfeld innerhalb des Areals selbst. Das Gelände mit seinen künstlich angelegten „Wellen“ wird gleichsam zum Teil dieses Werks. Es wird als eine Art natürlicher „Sockel“ für das Boot erkennbar, das ortlos geworden, den neuen Umraum zugleich zur Gänze als Kontext beansprucht und besetzt, auch wenn es nur an dessen Grenze zu liegen kommt.

 

Weil es sich aber nicht um ein „echtes“ Boot in materialgetreuer Ausführung handelt, sondern ganz offensichtlich um einen Betonguss, gibt sich dieses Bootsobjekt als skulpturale Darstellung eines realen Gegenstandes zu erkennen. Damit spielt es wiederum auf die Funktion des Parks als Skulpturenraum an, der in sich künstlich-künstlerische Gebilde beherbergt, die zum größten Teil aus schweren und massiven Materialien bestehen.

 

Schuster verbindet in dieser Arbeit die Darstellung von (Freizeit)-Alltagsrealität mit einer Reflexion über die Funktion des Skulpturenparks, seiner Inhalte und seines spezifischen Standortes. Durch eine gezielte Irritation von außen bzw. mit Außenbezug, wird hier größere Klarheit über das Innere und Eigentliche des Parks erlangt. Auch lässt sich das gleichsam gestrandete Kunstwerk durchaus als ironische Anspielung auf das Thema Skulpturenpark verstehen.

Autor: Rainer Fuchs
Planübersicht: Position 45
Besitzer: [Stiftungsbesitz]
Künstlerbiographie: Michael Schuster

Österreichischer Skulpturenpark

Thalerhofstraße 85
8141 Premstätten, Österreich
T +43-316/8017-9704
skulpturenpark@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
24. März bis 31. Oktober Mo-So, Feiertag 10 - 20 Uhr
01. April 2019 bis 31. Oktober 2019 Mo-So, Feiertag 10 - 20 Uhr


Büroadresse:

Marienplatz 1/1, 8020 Graz
Mo-Fr 9-17 Uhr

Termine auf Anfrage: 
Führungen: T +43-699/1334 6831