Ingeborg Strobl

o.T., 1989/90

Grabsteine sind eine besondere Art der Outdoor Sculpture. Kunsthistoriker kamen auf die Idee, dass der Grabstein, als aufgestellter Stein, der einen bestimmten Ort markiert, das erste Kunstwerk oder Bild gewesen sei. Strobl hat an gut gewählter Stelle zwei eher kleinere „Allerweltsgrabsteine“, wie sie sich überall auf Friedhöfen finden lassen, nebeneinander aufgestellt. Die beiden Steine erinnern an die mosaischen Gesetzestafeln, die in ähnlicher Form dargestellt werden. Die Inschrift auf den Steinen wendet sich direkt an die Besucher/innen, die ermahnt werden, geduldig mit ihrem Schatten zu sein.

 

Grabsteine sind eine besondere Art der outdoor sculpture, und die Kunsthistoriker kamen auf der Suche nach dem Anfang der Kunst auf die Idee, dass der Grabstein, der aufgestellte Stein, der einen bestimmten Ort markiert, das erste Kunstwerk oder Bild gewesen sei.

 

Ingeborg Strobl hat an gut gewählter Stelle zwei eher kleinere Steine von der Art, wie sie sich als Allerweltsgrabstein auf den Friedhöfen finden lassen, nebeneinander aufgestellt. Die beiden Steine erinnern an die mosaischen Gesetzestafeln, die ebenfalls paarweise in ähnlicher Form dargestellt werden.

 

Die Steinsetzung bildet ein wichtiges Element der klassischen Gartengestaltung, wobei die Inschrift dem Wanderer etwas zuflüstert, das ihn nachdenklich machen soll. Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth beispielsweise hat in der Eremitage und in Sanspareil im Stil des 18.Jahrhunderts sogenannte Kenotaphe aufstellen lassen, leere Gräber, Steine, die erinnern sollen. Auf halbüberwucherten Steinen liest man da etwa „manibus Dorotheae“, für die Totengeister von Dorothea.

 

Ingeborg Strobl ruft diese Tradition einer Gartenkunst, die mit dem Toten- und Gedächtniskult in Verbindung steht, in ihrer Arbeit wach. Die Inschrift auf den Steinen wendet sich direkt an den Besucher, der „viator“, der ermahnt wird, geduldig mit seinem Schatten zu sein. Die Griechen hatten ihre Toten als Schatten aufgefasst, die sich im Totenreich Hades befinden. Ferner ist die Art der Gravur mit Goldauflage, die die Künstlerin benutzt, die gewöhnlich auf Grabsteinen vorkommende.

 

Geduld mit seinem Schatten zu haben kann also einmal sich auf den Tod beziehen, so dass die Installation als eine subtiles Memento Mori entziffert werden könnte, aber auch als eine Mahnung in psychoanalytischer Hinsicht verstanden werden, dass man nämlich mit seinem Schatten, der das in die Welt projizierte Abgespaltene bedeutet, vorsichtig umgehen soll. Die beiden Steinkörper wirken wie doubles, von denen einer jeweils des anderen Schatten ist.

Autor: Elisabeth von Samsonow 
Planübersicht: Position 17
Besitzer: [Universalmuseum Joanneum GmbH]
Künstlerbiographie: Ingeborg Strobl

Österreichischer Skulpturenpark

Thalerhofstraße 85
8141 Premstätten, Österreich
T +43-316/8017-9704
skulpturenpark@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
24. März bis 31. Oktober Mo-So, Feiertag 10 - 20 Uhr
01. April 2019 bis 31. Oktober 2019 Mo-So, Feiertag 10 - 20 Uhr


Büroadresse:

Marienplatz 1/1, 8020 Graz
Mo-Fr 9-17 Uhr

Termine auf Anfrage: 
Führungen: T +43-699/1334 6831