Humoristische Karte von Europa im Jahre 1914 (Leihgabe des Stadtmuseums Judenburg)

8. Juli 2014 / Christoph Pelzl

“Die Zahnräder beginnen sich zu drehen”: Blogserie zum Ersten Weltkrieg

Museum für Geschichte

In einer mehrwöchigen Blog-Serie wollen wir euch Objekte aus der Ausstellung Die Steiermark und der „Große Krieg“ vorstellen und gleichzeitig dazu aufrufen, eure Meinungen und Gedanken zu dem Thema mit uns zu teilen: Welche Assoziationen verbindet ihr mit den Objekten? Kommen euch die Objekte bekannt vor, oder habt ihr sogar ähnliche Objekte zu Hause? – Teilt diese mit uns und unseren Leserinnen und Lesern!

Schon vor dem Jahr 1914 war die Globalisierung der Welt vorangeschritten: der Außenhandel Europas hatte sich in wenigen Jahrzehnten vervielfacht; Unterseekabel machten es möglich, mit den USA zu kommunizieren; immer schneller transportierten Dampfschiffe und Eisenbahn Menschen und Waren. Gleichzeitig entstand ein komplexes Bündnissystem zur Wahrung unterschiedlichster Interessen.

Diese Bündnisse verfolgten oft Interessen, die anderen Bündnissen widersprachen. So waren etwa das Deutsche Reich, die Habsburgermonarchie und Russland verbündet, um einer französischen Revanchepolitik entgegenzuwirken. Es gab aber auch ein Abkommen zwischen Frankreich und Russland, um einem Angriff des „Dreibundes“ (Deutsches Reich, Habsburgermonarchie und Italien) entgegentreten zu können. Trotz großer Differenzen in Kolonialfragen fanden sich schließlich England und Frankreich 1904 in der Entente cordiale – 1907 zur Triple-Entente um Russland erweitert – da man in Deutschlands Expansionsbestrebungen die Hauptgefahr sah.

Deutschland war im Dreibund mit der Donaumonarchie, im Defensivfall aber auch mit Italien verbündet. Über diese großen Bünde hinaus gingen viele Länder auch zusätzliche Bindungen ein, wie etwa Russland mit Serbien. In dieser Konstellation reichte ein Funke aus, um mit dieser Initialzündung die Zahnräder einer Katastrophe in Bewegung zu setzen. Das Attentat von Sarajewo war der Start und dem österreichischen Ultimatum an Serbien folgte die Kriegserklärung, die es Italien erlaubte, neutral zu bleiben, da die Habsburgermonarchie den ersten Schritt setzte.

 Spottnadeln

 

Spottnadeln (Leihgabe von Prof. Tristan Loidl, Salzburg)

Spottnadeln
(Leihgabe von Prof. Tristan Loidl, Salzburg)

Propaganda spielte im Ersten Weltkrieg gerade bei der Mobilisierung der Bevölkerung eine große Rolle. Letztere musste entsprechend beeinflusst und im Laufe des Kriegs zum „Durchhalten“ animiert werden. Propaganda in ihren unterschiedlichen Ausformungen diente auch dazu, bereits bestehende Feindbilder zu festigen, auszurichten, zu schärfen und damit ein Bedrohungsszenario für die jeweilige Gemeinschaft als Ganzes aufzubauen.

Spottabzeichen, wie die hier abgebildeten, erfreuten sich äußerster Beliebtheit. Doch während sich im Deutschen Kaiserreich die offizielle Propaganda an diesen Feindbildkonstruktionen und Verbreitungen beteiligte, wurden diese Spottnadeln in Österreich-Ungarn von privaten Herstellern vertrieben – nicht jedoch von der „Offiziellen Kriegsfürsorge“. Sie sollten eine bestimmte Stimmung, eine Geisteshaltung und (kollektive) Meinung vermitteln, waren vor allem in der ersten Zeit des Kriegs sehr populär und wurden in großer Zahl hergestellt und angeboten.

 Humoristische Karte von Europa im Jahre 1914

Humoristische Karte von Europa im Jahre 1914 (Leihgabe des Stadtmuseums Judenburg)

Humoristische Karte von Europa im Jahre 1914
(Leihgabe des Stadtmuseums Judenburg)

Diese propagandistische Karte erschien 1914 im Verlag Leutert & Schneidewind in Dresden und nahm Bezug auf das entfachte Bündnissystem, die sich gegenüberstehenden Machtblöcke und die vorherrschenden Feindbilder. So wurde Österreich-Ungarn in der unten angefügten Legende als „schneidig gegen Rußland und Serbien“ kämpfend beschrieben, deren Völker einig „dem russischen Popanz auf den Leib“ rücken. Italien hingegen wartet „hinterlistig“ auf seinen Kriegseintritt. Die Stereotypisierung der einzelnen Länder entsprach dem gängigen Klischee-Bild, wie etwa die Darstellung Russlands als Wodka trinkender „Barbar“ zeigt.

 

Zum Nachlesen

Teil 1: “Objekte gegen das Vergessen”
Teil 2: „Der kranke Mann an der Donau?“
Teil 3: „Stramm deutsche Stadt?”Alle Benutzer
Teil 4: „Die Zahnräder beginnen sich zu drehen“
Teil 5: „Hurra das Dritte Korps“
Teil 6: „Die Gegend scheint da ,vorne‘ ein Ende zu haben, dem ein ,Nichts‘ folgt“
Teil 7: „Die normierte Tötungsmaschine – der normierte Mensch“
Teil 8: „Den Witwen und Waisen gefallener Krieger“
Teil 9: “Nie wieder Krieg!”
Teil 10: „Zur Erinnerung an „schwere Zeiten””
Teil 11: „Frauen und Kinder an der Heimatfront”
Teil 12: “Erlkönig unter Wasser”

Eckdaten

  • Thema: Teilt mit uns Eure Meinungen, Gedanken und persönlichen Erinnerungsstücke zum Ersten Weltkrieg.
  • Laufzeit: 27. Juni bis 30. September
  • Hashtags: #wk1 und #stmk
  • Bewerbung: Wir bewerben die Beiträge über Twitter (@Joanneum), auf den Facebook-Seiten des Museum im Palais und der allgemeinen Joanneums-Seite sowie auf unserer Website. Außerdem werden wir diesen Beitrag regelmäßig aktualisieren und eure Beiträge hier am Ende des Textes verlinken. Nach Ablauf der Serie bringen wir auch eine Zusammenfassung hier im Museumsblog.

Kategorie: Museum für Geschichte
Schlagworte: Blogserie zum Ersten Weltkrieg | Die Steiermark und der Große Krieg


Folgende Beiträge sind für dich interessant:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Benutzen Sie diese HTML Tags und Attribute:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>