Ausstellungsansicht, Die Steiermark und der "Große Krieg", 2014, Foto: UMJ/N. Lackner

20. August 2014 / Stephan Kohlhauser

„Nie wieder Krieg!“: Blogserie zum Ersten Weltkrieg

Museum für Geschichte

„Nie wieder Krieg!“ – das wünschten sich viele Menschen schon in früheren Jahrhunderten, doch Kämpfe zwischen Staaten, Völkern und religiösen Gruppen sind leider auch heute allgegenwärtig. Aktuell werden Kriege im Nahen Osten, in Teilen Afrikas oder auch in der Ukraine geführt und tagtäglich sind wir mit furchtbaren Bildern aus den Krisengebieten konfrontiert. Tausende Menschen sind auf der Flucht und ebenso viele müssen ihr Leben lassen.

Die Euphorie schwindet

Die vor rund 100 Jahren herrschende Euphorie für einen Krieg ist heute schwer nachvollziehbar, aber unmittelbar vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die Sehnsucht nach einem reinigenden „Gewitter“ immer größer. Doch schon bald sollten sich verheerende Materialschlachten an den einzelnen Frontabschnitten in die Erinnerungen ganzer Generationen einbrennen.

Das frühe 20. Jahrhundert war schon vor 1914 eine „nervöse“ Zeit – der Krieg konfrontierte die Menschen darüber hinaus mit extremen physischen sowie psychischen Belastungen. Das Individuum wurde zu einem Zahnrad innerhalb einer kriegerischen Maschinerie degradiert, während neue, martialische Definitionen von Männlichkeit und „Heldentum“ angesichts der zuvor eingesetzten „Aufweichung“ der Geschlechterrollen die Kriegsbegeisterung entfachten und das Bild des kämpfenden Soldaten grundlegend änderten: Begriffe wie „eisern“ oder „Pflicht“ prägten nun die Vorstellungen des modernen Soldaten. Hinzu kam eine breitflächige Verrohung, militärischer Drill hielt auch in das zivile Leben Einzug und an der „Heimatfront“ kämpfte man mit schwerwiegenden ökonomischen Einschnitten.

 

Ein ambivalentes Ereignis

All das macht den Ersten Weltkrieg zu einem ambivalenten Ereignis – er fungierte einerseits als „Beschleuniger“, was etwa im technischen Bereich auch positive Entwicklungen in Gang setzte, andererseits führte er zur Verhetzung ganzer Nationen, zerstörte die physische und psychische Existenz einer großen Zahl von Menschen und schuf insgesamt die Grundlagen für kommende faschistische und nationalistische Strömungen.

Besonders eindrucksvolle Zeugnisse dieser Geschehnisse finden sich in der Literatur dieser Zeit: Franz Kafka sprach in diesem Zusammenhang vom „Weltkrieg, der alles menschliche Elend gehäuft in sich enthält“. Für Robert Musil impliziert die Stadt den Begriff der Moderne, weswegen er auch in seinem Werk Der Mann ohne Eigenschaften gleich zu Beginn auf das Phänomen Stadt eingeht. Auch hier ist von „Unregelmäßigkeiten“ die Rede: Der Mensch wurde aus seinem gewohnten Umfeld gerissen, alte Werte und Normen waren plötzlich nicht mehr relevant. Besonders spannend sind vor allem die individuellen Brüche in den Biografien der Soldaten im Ersten Weltkrieg, die anhand literarischer Texte von Karl Kraus, Erich Maria Remarque, Ernst Jünger, Thomas Mann sowie weiteren Autoren veranschaulicht werden.

 

 

Leider prägten und prägen Kriege und Auseinandersetzungen unsere Geschichte seit jeher und es bleibt zu hoffen, dass irgendwann ein friedliches Miteinander und Nebeneinander möglich wird und „alles menschliche Elend gehäuft“ nie wieder vorkommt.
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Themenführung „Nie wieder Krieg“ mit Stephan Kohlhauser
24. August 2014, 15:30 Uhr
Treffpunkt: Museum im Palais, Stiegenhaus 1. Stock
Kosten: 2,50 €/Person (exkl. Eintritt)

Zum Nachlesen

Teil 1: “Objekte gegen das Vergessen”
Teil 2: „Der kranke Mann an der Donau?“
Teil 3: „Stramm deutsche Stadt?”Alle Benutzer
Teil 4: „Die Zahnräder beginnen sich zu drehen“
Teil 5: „Hurra das Dritte Korps“
Teil 6: „Die Gegend scheint da ,vorne‘ ein Ende zu haben, dem ein ,Nichts‘ folgt“
Teil 7: „Die normierte Tötungsmaschine – der normierte Mensch“
Teil 8: „Den Witwen und Waisen gefallener Krieger“
Teil 9: “Nie wieder Krieg!”
Teil 10: „Zur Erinnerung an „schwere Zeiten””
Teil 11: „Frauen und Kinder an der Heimatfront”
Teil 12: “Erlkönig unter Wasser”

Eckdaten

  • Thema: Teilt mit uns Eure Meinungen, Gedanken und persönlichen Erinnerungsstücke zum Ersten Weltkrieg.
  • Laufzeit: 27. Juni bis 30. September
  • Hashtags: #wk1 und #stmk
  • Bewerbung: Wir bewerben die Beiträge über Twitter (@Joanneum), auf den Facebook-Seiten des Museum im Palais und der allgemeinen Joanneums-Seite sowie auf unserer Website. Außerdem werden wir diesen Beitrag regelmäßig aktualisieren und eure Beiträge hier am Ende des Textes verlinken. Nach Ablauf der Serie bringen wir auch eine Zusammenfassung hier im Museumsblog.

Kategorie: Museum für Geschichte
Schlagworte: Blogserie zum Ersten Weltkrieg | Die Steiermark und der Große Krieg


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