„Urteil des Solomon“, Kopie nach Peter Paul Rubens, Alte Galerie, Inv. Nr. 1203, Foto: UMJ

20. März 2014 / Paul-Bernhard Eipper

Original und Fälschung – Muss man eigentlich alles glauben, was man nicht weiß?

Konservieren & Restaurieren

Anlässlich des Tags der Restaurierung 2014 gewährt uns der Chefrestaurator des Universalmuseums Joanneum, Paul-Bernhard Eipper, in einer dreiteiligen Miniserie Einblicke in das Thema Kunstfälschungen.

Wie kann man ein Original erkennen und was ist eigentlich „original“? Das geflügelte Wort vom Œuvre Corots ist bekannt: „Von Corots Hand sind ca. 3000 Werke überliefert, 6000 davon befinden sich in Amerika“. Ist original nur was „alt“ ist oder was vom „Meister“ stammt? Eine skurril anmutende Begebenheit lieferte beispielsweise Friedensreich Hundertwasser, welcher niemals zwei Versionen eines Themas lieferte. Als er 1993 von einem Auktionator nach der Echtheit eines Aquarells befragt wurde, bestätigte er diese, woraufhin das Objekt verkauft wurde. Als dann 1996 in einem Museum ein zweites, gleiches Bild auftauchte, musste Hundertwasser entscheiden, welches das Original ist. Während der Auktionator dem neuen Eigentümer seine bezahlte Summe refundierte, übermalte Hundertwasser die Fälschung und wertete diese im Nachhinein auf: Aus de Fälschung war ein Original geworden.

Schönung: Anpassung eines Gemäldes an den Zeitgeschmack

 

Wie sieht es mit verschiedenen Versionen eines Themas desselben Malers aus, was ist mit Gemeinschaftswerken verschiedener Maler, wie sind Werkstattkopien zu bewerten? So hat ja beispielsweise auch schon Rubens fleißig kopiert, wenn auch nicht immer ganz exakt.

 

Wie ist bei den Warhol-Bildern nachprüfbar ob sie in der legendären Factory nachproduziert wurden, wenn der Meister außer Haus war? Wie verhält es sich mit Warhols Autorschaft wenn er die Bilder mit seinem Namen von anderen signieren ließ? Und sind die Pfoten der Werkstattkatze Warhols auf den Jackie-Bildern wertmindernd oder erhöhen sie den Wert, weil sie Originalität beweisen?

Gerade Restauratoren sind in ihrer täglichen Arbeit oft damit konfrontiert, aufkommende Zweifel an der „Echtheit“ des Werkes zu entkräften. Gott sei Dank hat man dabei heutzutage viele Erkennungsmöglichkeiten. Gerade bei Gemälden. Die natürliche Alterung kann überprüft werden, Falten, Craquelé, Spann- und Keilrahmensprünge, Verschmutzungen, Vergilbungen oder farbungleiche Verputzungen können nicht leicht nachgeahmt werden. Auch ist die Summe der erfolgten Restaurierungen oft ein Indiz für die Echtheit, da für wertvoll erachtete Bilder oft behandelt wurden, also eine regelrechte Vita aufweisen.

Erfahrung ist (fast) alles – und spart Kosten

Mittlerweile gibt es viele verschiedene Erkennungsmöglichkeiten, die die Echtheit eines Werkes an den Tag bringen. Die populärsten sind derzeit der kunsthistorische Vergleich, Lupen, Mikroskope, Untersuchungen mit ultravioletten oder infraroten Lichtstrahlen, Röntgenuntersuchungen, Mikroschliffe sowie Chemische Analysen von Bindemitteln und Pigmenten. Eines haben sie aber alle gemein: Sie sind oft (zu) teuer. Dann hilft es doch schon, wenn man als Restaurator sich in das Gesamtwerk eines Malers eingearbeitet hat und die Originale sehr gut kennt. So können visuelle Einschätzungen, am besten im direkten Vergleich mit anderen gesicherten Werken des Künstlers, oft weitere Untersuchungen ersparen.

 

Welche Rolle die Signatur der Künstler bei der Entdeckung von Fälschungen spielt, wird im zweiten Teil dieser Miniserie erklärt.

Text: Paul-Bernhard Eipper

 

Tag der Restaurierung
Der Tag der Restaurierung am UMJ ist eine Veranstaltung in Kooperation mit dem IIC-Austria.
Kunsthaus Graz, Lendkai 1, 8020 Graz
Teilnahmegebühr: 20 € (Kassa geöffnet ab 09:00 Uhr)
Information: Laura Schick, +43-316/8017-9701
Anmeldung: laura.schick@museum-joanneum.at
Die Veranstaltung ist öffentlich zugänglich.

Kategorie: Konservieren & Restaurieren
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