5. Juni 2016 / Ulrich Becker

Von der Salzach an die Mur. 200 Jahre Salzburg bei Österreich

Museum für Geschichte

Die Schätze der Kulturhistorischen Sammlung stammen nicht nur aus der Steiermark! So manche Spur führt auch zu unseren Nachbarn nach Salzburg, das heuer 200 Jahre Zugehörigkeit zu Österreich feiert und Schauplatz von komplexen Machtverschiebungen war.

Mit den Franzosenkriegen endete die barocke Herrlichkeit des Salzburger Erzstiftes, und es folgte eine Reihe von politischen Intermezzi voller Unsicherheit und Not. Erst nach dem Sturz Napoleons sollten Stadt und Land an der Salzach zum Habsburgerreich gehören und später ein Bundesland der Republik Österreich bilden.

Erinnerung an den letzten „Fürst-Erzbischof“ von Salzburg

An jene Welt, die um 1800 endgültig hinter den Vorhang gerufen wurde, erinnert in unserer Sammlung ein fein gearbeiteter Kammerherrenschlüssel mit dem Wappen von Hieronymus Graf Colloredo (1732–1812), der als letzter „Fürst-Erzbischof“ alten Stils in Salzburg amtierte.

Die Geschichte kennt ihn als strengen Dienstherrn des jungen Mozart, aber auch als energischen Reformer. Doch die Zeiten änderten sich, und zwar dramatisch: Ein wahrer Ablösereigen begann, verbunden mit Besatzung und Kontributionen. Vor den Franzosen musste Colloredo nach Wien ausweichen.

Foto: Universalmuseum Joanneum

Der Kammerherrenschlüssel erinnert an den letzten “Fürst Erzbischof”, Foto: Universalmuseum Joanneum

Politische Übergangslösungen

Zwischenzeitlich saß an seiner Stelle ein älterer Bruder Erzherzog Johanns, Ferdinand III. von Toskana (1769–1824), dem im Strudel der Zeit ebenfalls sein Land abhandengekommen ist. Er wurde mit dem neu kreierten, aber nur kurzlebigen „Kurfürstentum Salzburg“ entschädigt, das für ein paar Jahre an Österreich, dann aber an Napoleons bayerischen Vasallen ging. Als Ersatz musste ein anderes, ebenfalls vormals geistliches Territorium herhalten, das aus der Konkursmasse des „Alten Reiches“ stammt: das „Großherzogtum Würzburg“. In der dortigen Residenz erinnert noch heute das feine Empire-Mobiliar der einstigen – leider 1945 untergegangenen – „Toskanazimmer“ an dieses Intermezzo.

Foto: Universalmuseum Joanneum

Ferdinand III. von Toskana auf einer Medaille nach einem Entwurf von Leopold Heuberger, Foto: Universalmuseum Joanneum

Ferdinand muss sich noch ein wenig gedulden: Erst 1814 bekommt er „seine“ Toskana zurück. In der Kulturhistorischen Sammlung erinnert eine nach Entwurf des Wiener Graveurs Leopold Heuberger gefertigte gusseiserne Medaille an Ferdinand, der wie sein Bruder – Museumsgründer Erzherzog Johann – den Idealen der Aufklärung anhing.

Kategorie: Museum für Geschichte
Schlagworte: Kulturhistorische Sammlung


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