Albrecht Dürer (1471 – 1528), Maria mit der Meerkatze (Detail), um 1498, Kupferstich, Alte Galerie, Inv.-Nr. AG.K 21, Foto: Universalmuseum Joanneum

22. August 2016 / Karin Leitner-Ruhe

Vom Schwein und der Meerkatze bei Albrecht Dürer, Wunder Tier Teil 10

Alte Galerie

Nur noch für kurze Zeit in der Alten Galerie zu sehen sind drei Highlights von Albrecht Dürer. Sein Stich "Adam und Eva" wurde hier bereits vorgestellt. Diesmal gehen wir weiteren Tiermotiven auf den Grund und betrachten eine Meerkatze, Schweine und einen Hahn mit Henne.

Mit dem Kupferstich Maria mit der Meerkatze schuf Albrecht Dürer sicher eines der ungewöhnlichsten Marienbilder der Kunstgeschichte. Er verwendete dafür – kurz nach der ersten Italienreise 1494/95 – eine seiner frühesten Naturstudien. Dürer scheint von Affen sehr fasziniert gewesen zu sein, immer wieder tauchen sie in seinem zeichnerischen Werk in Form von Skizzen auf. Im Hafen von Venedig oder während seiner Reise in die Niederlande (1520/21) konnte der Künstler diese exotischen Tiere sehen und nach der Natur zeichnen. In Antwerpen soll er sogar selbst eine Meerkatze gekauft haben!

Der Affe, der dem Menschen eigentlich so ähnlich ist, wird als ein Zerrbild desselben verstanden. Aufgrund seines frechen und ungestümen Verhaltens ist er in der Symbolik negativ behaftet. Speziell im Zusammenhang mit Maria und dem Jesuskind steht er für den Sünder, der an die Kette gelegt wurde. Das Christuskind, der Überwinder der Sünde, lockt mit einem Saugbeutel einen Singvogel an. Dieser verkörpert die befreite Seele, die zum Himmel aufsteigt und zu Gott gelangt.

Albrecht Dürer (1471 – 1528), Der verlorene Sohn, um 1496, Kupferstich, Alte Galerie, Inv.-Nr. AG.K. 20, Foto: Universalmuseum Joanneum

Albrecht Dürer (1471 – 1528), Der verlorene Sohn, um 1496, Kupferstich, Alte Galerie, Inv.-Nr. AG.K. 20, Foto: Universalmuseum Joanneum

Schweine wurden seit jeher als unrein angesehen. Aufgrund ihrer Gefräßigkeit bzw. als Allesfresser stehen sie für die Todsünde der Völlerei. Im Stich Der verlorene Sohn (Lukasevangelium 15, 11–32) sind sie gemeinsam mit dem büßenden jungen Mann prominent in den Vordergrund gerückt und symbolisieren die Unmäßigkeit, mit der er sein Erbe in kürzester Zeit ausgegeben hat.

Albrecht Dürer (1471 – 1528), Der verlorene Sohn (Detail), um 1496, Kupferstich, Alte Galerie, Inv.-Nr. AG.K. 20, Foto: Universalmuseum Joanneum

Albrecht Dürer (1471 – 1528), Der verlorene Sohn (Detail), um 1496, Kupferstich, Alte Galerie, Inv.-Nr. AG.K. 20, Foto: Universalmuseum Joanneum

Kaum erkennbar deckt im Hintergrund auf dem Misthaufen ein Hahn eine Henne, was wiederum ein Sinnbild für das sündhafte Leben des Sohnes ist. Dürer wählte bei diesem Bild den Moment der größten Reue des Sünders, der letztendlich den Weg zu Gott bahnt.

 

Tipp:

Gemeinsam mit dem Meisterwerk Adam und Eva sind diese beiden Blätter in Original noch bis 4. September in der Alten Galerie zu sehen. Allen, die noch mehr über die Tierwelt bei Albrecht Dürer erfahren möchten, sei die Kuratorinnenführung am 28. August um 14:30 Uhr empfohlen.

Kategorie: Alte Galerie
Schlagworte: |

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Benutzen Sie diese HTML Tags und Attribute:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>