Stickstoffkammer, Foto: UMJ

Stickstoffkammer, Foto: UMJ

21. August 2016 / Barbara Molnar-Lang

Kein Pardon für Hausbock & Co!

Konservieren & Restaurieren

Museumsobjekte sind nicht nur interessant für Besucherinnen und Besucher, sondern auch anziehend für ungebetene Gäste: Schädlinge befallen Gemälde und Skulpturen ebenso wie Tierpräparate, Möbel und Papier – wenn man sie lässt. Um Schädlinge effektiv zu bekämpfen, hat das Universalmuseum Joanneum 2016 eine stationäre Stickstoffkammer in Betrieb genommen.

Unsere Stickstoffkammer befindet sich im Studien- und Sammlungszentrum in Graz-Andritz und ist mit 160 m3 die derzeit größte in Österreich und Deutschland. In erster Linie wird sie verwendet, um die Sammlungsbestände des Joanneums zu behandeln. Nach Maßgabe freier Plätze steht sie gegen einen Kostenbeitrag aber auch für Objekte anderer Institutionen und Privatsammlungen zur Verfügung.

Stickstoff: effizient und ungiftig

Im Vergleich zu anderen Methoden zur Schädlingsbekämpfung hat die Stickstoffbehandlung den großen Vorteil, dass sie ungiftig ist. Die früher häufig eingesetzten Gifte wurden aufgestrichen, eingespritzt oder gesprüht, entfalteten ihre Wirksamkeit also primär an der Objektoberfläche und konnten somit vielen Schädlingen gar nichts anhaben. Darüber hinaus wurden die sensiblen Oberflächen im Zuge solcher Giftanwendungen häufig beschädigt. Die größte Gefahr war jedoch das Ausdampfen der Gifte: Bei Berührung oder durch Einatmen gelangen diese Giftstoffe in den menschlichen Organismus. Bei einer Stickstoffhandlung hingegen wird für einen relativ langen Zeitraum der Luftsauerstoff komplett durch Stickstoff ausgetauscht, wodurch Schädlinge ersticken. Diese Methode ist also nur dann geeignet, wenn bereits ein Schädlingsbefall vorliegt, während sie als Präventivmaßnahme nicht wirksam ist.

Museums-Bestiarium

Viele Schädlinge befallen – je nach ihren Vorlieben – bestimmte Materialien. Am häufigsten werden Objekte in die Stickstoffkammer eingebracht, die von Holzschädlichen befallen sind. Dazu zählen der sogenannte „Holzwurm“ (Anobium punktatum), der Splintholzkäfer (Lyctus sp.) und der Hausbock (Hylotrupes bajulus). Brotkäfer (Stegobium paniceum), Tabakkäfer (Lasioderma serricorne) und Berlinkäfer (Trogoderma angustum) ernähren sich von pflanzlichen Materialien.

Wollkrautblütenkäfer (Anthrenus verbasci), Teppichkäfer (Anthrenus scrophularia), Kleidermotten (Tineola bisselliella) und Pelzmotten (Tineola pellionella) hingegen können tierische Materialien verwerten. Zu den häufigen Lebensmittelschädlingen zählen die Dörrobstmotte (Plodia interpunctella) und die Kakerlake (Blatella germanica), während Staubläuse (= Bücherlaus, Liposcelis sp.), Silberfischchen (Lepisma saccharina) und Kellerasseln (Porcellio scaber) es vor allem auf Papier abgesehen haben.

Anmeldung für Stickstoffbehandlung:

In unserer Stickstoffkammer behandeln wir gegen einen Kostenbeitrag auch Objekte anderer Institutionen sowie aus Privatbesitz. Sollten Sie einen solchen Bedarf haben, treten Sie bitte in Kontakt mit Barbara Molnár-Lang (barbara.molnar-lang@museum-joanneum.at). Nach Terminvergabe erfolgt die Anlieferung der Objekte durch die Besitzer/innen an das Studien- und Sammlungszentrum, Weinzöttlstraße 16, 8045 Graz. Für die Behandlung ist mit einem Zeitraum von sechs Wochen zu rechnen.

Kategorie: Konservieren & Restaurieren
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Ein Gedanke zu “Kein Pardon für Hausbock & Co!

  1. Michael Berger

    Interessanter Beitrag. Ich hatte in meinem alten Fachwerkhaus schon mal Probleme mit Hausbock und habe auch einen Schädlingsbekämpfer gerufen. Der hat das Haus aber mit einem Heißluftverfahren behandelt, nicht mit Stickstoff. Dass das auch möglich ist, wusste ich noch gar nicht. Das Heißluftverfahren hat aber auch sehr gut geholfen, seit dem haben wir keine Probleme mehr mit Hausbock.

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