20. Juni 2016 / Karin Leitner-Ruhe

Die Tierwelt bei Albrecht Dürer, Wunder Tier Teil 5

Alte Galerie

Der erste Wechsel in der Graphikvitrine der Alten Galerie ist erfolgt! Wie angekündigt, sind nun bis zum 4. September 2016 die Highlights der Graphischen Sammlung in der Dauerausstellung zu sehen: drei Kupferstiche von Albrecht Dürer – mit insgesamt 13 verschiedenen Tieren. Und auch diese stecken voller Symbolik, die entschlüsselt werden muss – wie bei Heinrich Aldegrever, dessen „Lasterzyklus“ hier vor kurzem vorgestellt wurde.

Dürers Ausbildung

In Österreich kennt nahezu jedes Schulkind die Zeichnung des Feldhasen von Albrecht Dürer, denn sie ist seit Jahrzehnten auf dem Titelblatt eines Zeichenblocks zu sehen.

Albrecht Dürer (1471–1528) ist als Künstler der Renaissance nördlich der Alpen unter anderem als Tierzeichner weltberühmt. In seiner Lehrzeit und Ausbildung war er noch dem spätgotischen Stil verpflichtet. In der väterlichen Goldschmiedewerkstatt und beim Maler Michael Wolgemut (1434–1519) hat er das Arbeiten nach Musterbüchern kennengelernt. Solche Vorlagensammlungen wurden im Mittelalter über Jahrzehnte von den Künstlern einer Werkstätte für Bilder zu verschiedensten Themen verwendet.

Dürer als Tierzeichner

Dürers Interesse für Tierdarstellungen äußerte sich seit jeher vor allem in Abbildungen von Pferden und Reiterdarstellungen. Mit Studien von anderen Tieren nach der Natur begann er mit seinem ersten Aufenthalt in Italien um 1494/95. Dort war es schon länger üblich gewesen, Skizzen nach lebenden Tieren vorzunehmen, man denke nur an die feinfühligen Arbeiten Pisanellos (1395–1455) oder die kräftigen Pferde von Paolo Uccello (1397–1475). Neben den konstruierten Proportionsstudien sind gerade Dürers akribisch durchgezeichnete Federzeichnungen angesehen. Diese Studienobjekte – wie z. B. ein Rasenstück oder eben der Feldhase – erhalten erstmals die ganze Fläche eines Blattes für sich und werden nicht in eine Erzählung eingebunden oder als Attribute nebenbei angeführt. Die Umgebung ist ausgespart, während das Dargestellte mit gezielter Lichtführung an Raum und Plastizität gewinnt.

Dürer legte diese Studien nicht gezielt als Vorlagen an – vielmehr interessierte ihn das Erkennen und Erfassen der Natur. Dabei ging es ihm nicht um ein reines Abbilden des vor ihm Liegenden, sondern wie bei einem Porträt um das Widerspiegeln psychologischer und charakterlicher Eigenschaften. Auch bei den Tierbildern wollte Dürer das Wesen des porträtierten Tieres erfassen, während der naturwissenschaftliche Aspekt in den Hintergrund rückte. In späteren Werken nahm Dürer diese Studien teilweise in seine Stiche und Gemälde auf.

Albrecht Dürer, Detail aus: Maria mit der Meerkatze, um 1498, Kupferstich

Albrecht Dürer, Detail aus: Maria mit der Meerkatze, um 1498, Kupferstich

Warum bei der Darstellung des verlorenen Sohnes der Hahn im Hintergrund eine tiefsinnigere Bedeutung hat, warum neben Maria mit dem Kind eine Meerkatze an die Kette gelegt ist und was insgesamt acht Tiere beim Sündenfall zu suchen haben? Diese und andere Symbole werden demnächst in weiteren Blogbeiträgen erklärt!

Kategorie: Alte Galerie
Schlagworte: Albrecht Dürer | Tiere im Museum | Wunder Tier


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