Albrecht Dürer (1471–1528), Adam und Eva (Detail), 1504, Kupferstich, Alte Galerie, Inv.-Nr. AG.K. 1, Detail

16. Juli 2016 / Karin Leitner-Ruhe

Albrecht Dürer, Adam und Eva, Wunder Tier Teil 7

Alte Galerie

Mit Albrecht Dürers Kupferstich "Adam und Eva" präsentiert die Alte Galerie für kurze Zeit ein faszinierendes Highlight der Kunstgeschichte! Eine willkommene Gelegenheit, dieses berühmte Blatt unter einem ganz speziellen Gesichtspunkt zu betrachten, denn auch dieses Meisterwerk enthält versteckte Botschaften rund um das Wunder Tier.

In seinem Stich Adam und Eva von 1504 greift Albrecht Dürer (1471–1528) auf zahlreiche eigene Tierstudien zurück. Insgesamt acht Tiere finden sich in diesem Bild. Vier von ihnen verkörpern nach mittelalterlicher Lehre die Temperamente: der Elch den Melancholiker, der Ochs den Phlegmatiker, der Hase den Sanguiniker und die Katze den Choleriker. Vor dem Sündenfall standen diese Gemütszustände im Gleichgewicht zueinander und beeinflussten den Menschen nicht. Danach gewannen sie laut der mittelalterlichen Mystikerin Hildegard von Bingen (um 10981179) Einfluss auf den Menschen, der sich je nach Gewichtung des Temperaments zur animalischen Triebhaftigkeit und Manipulation verleiten ließ.

Albrecht Dürer (1471–1528), Adam und Eva (Detail), 1504, Kupferstich, Alte Galerie, Inv.-Nr. AG.K. 1

Albrecht Dürer (1471–1528), Adam und Eva (Detail), 1504, Kupferstich, Alte Galerie, Inv.-Nr. AG.K. 1

Im Hintergrund rechts oben steht kaum wahrnehmbar eine Gämse auf der Bergspitze. Von ihr ist im Physiologus – einem frühchristlichen Tierbuch – zu lesen, dass sie die hohen Berge liebe, von diesen herabblicke und erkenne, ob die Herannahenden voll List oder Freundlichkeit kommen.

Albrecht Dürer (1471–1528), Adam und Eva (Detail), 1504, Kupferstich, Alte Galerie, Inv.-Nr. AG.K. 1

Albrecht Dürer (1471–1528), Adam und Eva (Detail), 1504, Kupferstich, Alte Galerie, Inv.-Nr. AG.K. 1

Der Papagei kehrt dieser Szene demonstrativ den Rücken zu. Er gilt als Sinnbild der Klugheit im Gegensatz zur listig-verführerischen Schlange. Laut naturwissenschaftlichen Aufzeichnungen wird der Charakter des Papageis im 16. Jahrhundert als sehr friedfertig beschrieben. Dieser Vogel lebe in Sympathie mit allen anderen Tieren.

Albrecht Dürer (1471–1528), Adam und Eva (Detail), 1504, Kupferstich, Alte Galerie, Inv.-Nr. AG.K. 1

Albrecht Dürer (1471–1528), Adam und Eva (Detail), 1504, Kupferstich, Alte Galerie, Inv.-Nr. AG.K. 1

Zu den Füßen des Urelternpaares schlummert friedlich eine Katze, die scheinbar keine Notiz nimmt von der Maus, die sich direkt vor ihr befindet. Diese beiden Tiere symbolisieren die Spannung zwischen den Geschlechtern und den Temperamenten sowie den Ausblick auf den Ausgang jener unheilvollen Geschichte, die sich gerade über ihnen ereignet: das Ende eines paradiesisch-idealen Urzustandes. Indem Martin Luther das Sprichwort „Der Katzen Spiel ist der Mäuse Tod“ mit dem Sündenfall verband, wollte er ausdrücken, dass die Menschen hier zum Spielzeug des Teufels werden.

Albrecht Dürer (1471–1528), Adam und Eva (Detail), 1504, Kupferstich, Alte Galerie, Inv.-Nr. AG.K. 1

Albrecht Dürer (1471–1528), Adam und Eva (Detail), 1504, Kupferstich, Alte Galerie, Inv.-Nr. AG.K. 1

Alle, die noch mehr über diesen Kupferstich erfahren wollen, sind am 7. August 2016 sehr herzlich eingeladen zu den Führungen durch die Alte Galerie im Rahmen des Open House im Schloss Eggenberg!

 

Tipp:

Open House
“Safari” in Schloss Eggenberg
7. August von 10 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt

Tagesprogramm in der Alten Galerie

Wundersam Tierisches
Tiermotive im Mittelalter
Kuratorinnenführung mit Dr. Helga Hensle-Wlasak
10:30, 12:30 Uhr

Schweine, Meerkatze und Papagei
Die Tierwelt bei Albrecht Dürer
Kuratorinnenführung mit Dr. Karin Leitner-Ruhe
11:30, 13:30 Uhr

Tierisches und Menschliches
Eine Führung zur Barockmalerei
Kuratorinnenführung mit Dr. Christine Rabensteiner
14:30, 16 Uhr

Kategorie: Alte Galerie
Schlagworte: Albrecht Dürer | Tiere im Museum | Wunder Tier


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