1. August 2015 / Hannah Lackner

Signaturen-Krimis #Genauerhinsehen

Kunst- & Naturvermittlung | Museumseinblicke | Neue Galerie mit BRUSEUM

In der Serie “Genauer Hinsehen“, gab unser Chefrestaurator Paul-Bernhard Eipper zahlreiche Tipps für Restauratorinnen und Restauratoren sowie Einblicke in seinen Arbeitsalltag. Übermalungen und Schönungen waren Thema unseres letzten Berichts. Kurioses und Skurriles gibt es heute über Signaturen zu lesen.

 

Signatur aus „Triton und Najade“, Franz von Stuck, nach 1906, Öl auf Pappe, 51 x 40,5 cm, Privatbesitz, Detail: Signatur, Foto: Universalmuseum Joanneum/A. Fink

Signatur aus „Triton und Najade“, Franz von Stuck, nach 1906, Öl auf Pappe, 51 x 40,5 cm, Privatbesitz, Detail: Signatur, Foto: Universalmuseum Joanneum/A. Fink

 

„Als Signatur wird der vom Künstler selbst auf seinem Werk angebrachte Name bezeichnet.“ Wer sein Urvertrauen in diese Definition von Wikipedia nicht verlieren will, darf jetzt auf keinen Fall weiterlesen!

Signaturen auf Kunstwerken sind mehr als nur Unterschriften. Für viele Kunsthändler und Kunstexperten sind sie wahre Fetische, deren Anblick sie freudig erschaudern lässt. Doch gerade weil alle Welt auf die Autorität der Signatur vertraut, wird diese häufig – zumeist mit unlauteren Absichten – manipuliert.

 

Original oder originell?

Kunstschaffende wissen natürlich um die besondere Bedeutung der Signatur, und manchmal ist dieses Wissen Ausgangspunkt für skurrile Einfälle: Kein geringerer als Salvador Dali signierte etwa einige leere Leinwände, die später von anderen Künstlern bemalt wurden. So entstanden Bilder, die nicht von Dali stammen, aber seine echte Signatur tragen. Der norddeutsche Maler Dirk Huisken hingegen fertigte zu Studienzwecken verschiedenste Kopien an, die er mit bewusst veränderten Signaturen versah. So wurde etwa aus einem „Picasso“ ein „Picolino“.

Signaturen wurden auch übermalt und durch neue ersetzt, und zwar aus unterschiedlichen Gründen: Die elsässischen Brüder Eck teilten sich ein Atelier; als ein Bruder starb, malte der andere ein Bild des Verstorbenen fertig, das dieser bereits signiert hatte. Die ursprüngliche Signatur hat er einfach übermalt und durch die eigene ersetzt.

 

Friedrich Gauermann (1807-1862): „Eber, von Wölfen überfallen“, 1844, Öl/Eiche, NG Inv.-Nr. I/497, Neue Galerie am Universalmuseum Joanneum, Graz: Aufgemalte Signatur, Foto: Universalmuseum Joanneum/P.-B. Eipper

Friedrich Gauermann (1807-1862): „Eber, von Wölfen überfallen“, 1844, Öl/Eiche, NG Inv.-Nr. I/497, Neue Galerie am Universalmuseum Joanneum, Graz: Aufgemalte Signatur, Foto: Universalmuseum Joanneum/P.-B. Eipper

 

Zur vermeintlichen Wertsteigerung wurden auch Signaturen von weniger hochgehandelten Malern übermalt und durch wertvollere ersetzt. Auf diesem Wege wurde etwa ein Gemälde (welches sich heute im Celler Schloss befindet) von Jaques Fouqières in einen beträchtlich wohlfeileren Joos de Momper verwandelt.

Auf bei Restaurierungen gingen immer wieder Signaturen verloren, etwa wenn Künstler ihre Signatur auf dem Firnis anbrachten. Wurde der vergilbte Firnis später abgenommen, verschwand auch die wertstiftende Signatur vom Bild – so geschehen sehr häufig bei Werken von David Teniers d. J. Mitunter wurden die abgenommenen Signaturen „rekonstruiert“, was natürlich nach dem Urheberrecht verboten ist. Diese Rekonstruktionen sehen unsicherer aus als die Originale, was bereits dazu führte, dass ein originales Gemälde als Fälschung eingestuft wurde, obwohl nur die Signatur unecht war.

 

Signatur (Detail) aus „Die Sünde“ (Inv. Nr. I/1358) Neue Galerie am Universalmuseum Joanneum, Graz, Foto: Universalmuseum Joanneum/P.-B. Eipper

Signatur (Detail) aus „Die Sünde“ (Inv. Nr. I/1358) Neue Galerie am Universalmuseum Joanneum, Graz, Foto: Universalmuseum Joanneum/P.-B. Eipper

Knifflige Fälle

Die Sammlung der Neuen Galerie Graz enthält zwei besonders spannende Fallbeispiele: Bei dem ehemals Franz von Stuck zugeschriebenen Gemälde Die Sünde, dessen Original in der Münchner Pinakothek zu sehen ist, befindet sich eine Signatur, die ganz sicher nicht von Stuck stammen kann: Sie hat eine sehr ungelenke Form und ist auch nicht mit den Farben des Gemäldes identisch.

Was ist passiert? Möglich wäre, dass der Maler der Grazer „Sünde“ die Signatur bewusst unterlassen hatte und die vorhandene Signatur viele Jahre später ergänzt wurde, um den Eindruck zu erwecken, es handle sich um einen echten Stuck. Denkbar ist auch, dass der Kopist selbst die Signatur als fehlendes grafisches Element später ergänzte, sie aber absichtlich dilettantisch ausführte, damit sie nicht mit dem Original verwechselt werden kann. Grundsätzlich möglich ist auch, dass die Signatur als späterer Fälschungsversuch des Kopisten, des Eigentümers oder des Veräußerers angebracht wurde. Nur hätte der Fälscher der Signatur wissen sollen, dass die Vorlage aus dem Jahr 1893 stammt (dort hat die Signatur kein „v“), denn Stuck wurde erst 1906 geadelt: Insofern ist das „v“ (von) in der Signatur vor 1906 nicht möglich.

 

Egon Schieles Gemälde Stadtende/Häuserbogen III (1918) ist mit „EGON SCHIELE 1918“ signiert. Die Schrift ist etwas unsicher und mit einem ungewöhnlich breiten Pinsel ausgeführt, sie entspricht aber aus der Ferne anderen für Schiele typischen Signaturen, wenngleich die Buchstaben und Zahlen im eigentlichen Sinn nicht mit den überlieferten Signaturen vergleichbar sind. Nun kennen wir eine Abbildung dieses Gemäldes – ohne Signatur. Es ist im „Egon Schiele Buch“ aus dem Jahr 1921 zu finden.

Wie ist das möglich? Es könnte etwa sein, dass das Bild noch ganz frisch im Atelier fotografiert und erst anschließend von Schiele signiert wurde. Eine andere Möglichkeit wäre, dass der Herausgeber die Signatur wegretuschiert hat, weil er sie als störend empfand, doch es bliebe in diesem Falle fraglich, warum er dann einen dunklen Fleck im angrenzenden Haus stehen ließ. Denkbar ist auch, dass die Signatur nicht von Schiele stammt, sondern später ergänzt wurde, um Schieles Autorschaft zu belegen und den Wert des Gemäldes zu sichern. Dokumentiert ist die Signatur jedenfalls ab 1925, als das Werk im Schreibzimmer von Wolko Gartenberg fotografiert wurde. Die Signatur mag zweifelhaft sein, das Gemälde selbst stammt aber sicher von Schiele: Die beiden darunter liegenden Porträtskizzen von Otto und Heinrich Benesch belegen dessen Echtheit.

 

Egon Schiele: „Stadtende/Häuserbogen III“, 1918, mit Signatur

Egon Schiele: „Stadtende/Häuserbogen III“, 1918, mit Signatur

 

Text: Paul-Bernhard Eipper
Bearbeitung: Hannah Lackner

Kategorie: Kunst- & Naturvermittlung | Museumseinblicke | Neue Galerie mit BRUSEUM
Schlagworte: | | | | | | | | | |

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Benutzen Sie diese HTML Tags und Attribute:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>