Original von Leonardo da Vinci, „Salvator Mundi“, zwischen 1498 und 1506 entstanden, 2011 in New York wieder entdeckt. Foto: Tim Nighswander

22. März 2014 / Paul-Bernhard Eipper

Blogserie “Original und Fälschung” – Lernen durch Kopieren

Kunst- & Naturvermittlung | Museumseinblicke | Neue Galerie mit BRUSEUM

Früher galt es nicht als ehrenrührig, sich an alten Meistern zu schulen und diese zu kopieren. Das hatte nichts mit „Fälschung“ im heutigen Sinne zu tun.

Fälschungsskandale“,  wie sie immer wieder im Kunsthandel auftauchten und Aufsehen erregten, gibt es z. B. in der Alten Galerie des Joanneums nicht. Die ausgestellten Werke sind ausnahmslos als echt anzusehen, zumal sie zumeist eine lange Provenienz aufzuweisen haben. Das gilt auch für jene Werke, die im Laufe der Galeriegeschichte als Originalwerk eines Meisters Hand abgeschrieben werden mussten, aber als historisch anzusehen sind.

Es gehört zum Museumsalltag, Zuschreibungen zu korrigieren, ohne dass dann von „Fälschungen“ die Rede sein muss. Eine alte Kopie nach einem Altmeistergemälde ist keineswegs wertlos. Kopien,  v.a. wenn sie ein bereits historisches Alter aufzuweisen haben wie z.B. die sehr zahlreichen barocken Kopien nach z. T. verlorenen Originalen, aber auch akademische Kopien des 19. Jahrhunderts, haben längst museale Relevanz gewonnen. Dankenswerterweise hat diese Beschäftigung mit Kopien, die ja auch kritische Geschichtsforschung ist, Eingang in den Ausstellungsbetrieb fachlich engagierter Museen gefunden. Besonderen Stellenwert haben dabei Kopien, die verlorene Originale dokumentieren, wie z. B. einem im Depot der Alten Galerie befindlichen spätbarocken Kopie nach einem (seit 1945 im Kunsthistorischen Museum Wien vermissten) Landschaftsbild des bedeutenden niederländischen Meisters  Nicolaes Pietersz Berchem.

So sind von Leonardo da Vincis verloren geglaubtem „Salvator Mundi“ 23 Versionen bekannt gewesen, anhand derer das Bewusstsein vorhanden war, dass Leonardo einmal einen Salvator Mundi gemalt haben musste, bis 2011 das Original auftauchte (Abb. 6 und 7).

 

Oft hatten Maler auch Aufträge zur Kopie eines bestimmten Gemäldes bekommen, weil es ein Sammler dieses unbedingt haben wollte, das Original jedoch unerreichbar war.  Nahezu alle uns heute bekannten Maler haben sich in der Kopie von damals etablierten Kunstwerken geübt. Die nachstehende Abbildung zeigt eine historische Kopie welche zunächst für ein Original gehalten wurde, dann aber nach Erkennen des Gegenteiles aus dem Bestand ausgeschieden und mit einem Stempel versehen wurde.

 

Zugegeben: die Fälschung ist eine hohe Kunst, der Betrug gelingt jedoch niemals vollständig, da eine künstliche Materialalterung nicht herbeigeführt werden kann.

Teil 1: Original und Fälschung” – Muss man eigentlich alles glauben, was man nicht weiß?
T
eil 2: “Original und Fälschung” – Wer hat’s gemalen?

 

Tag der Restaurierung
Der Tag der Restaurierung am UMJ ist eine Veranstaltung in Kooperation mit dem IIC-Austria.
Kunsthaus Graz, Lendkai 1, 8020 Graz
Teilnahmegebühr: 20 € (Kassa geöffnet ab 09:00 Uhr)
Information: Laura Schick, +43-316/8017-9701
Anmeldung: joanneum.at”>laura.schick@museum-joanneum.at
Die Veranstaltung ist öffentlich zugänglich.

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