25. Februar 2016 / Christina Cresnik

Zurück zu den Wurzeln: Lusers traumgleiche Werkschau im Kunsthaus Graz

Kunsthaus Graz

Die Heimat ist wohl für jeden ein ganz besonderer Ort. So auch für den aus Graz stammenden Künstler und Zeichner Constantin Luser, der bereits als Teenager den Keller seiner Eltern zum Atelier umfunktionierte. Mit 18 Jahren hatte er seine erste und durchaus erfolgreiche Ausstellung im Galerie Café Graz, die er als Bestätigung sah, seinen Bubentraum vom Künstlerdasein zu verwirklichen.

 

Constantin Luser in der Ausstellung im Kunsthaus Graz, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Constantin Luser in der Ausstellung im Kunsthaus Graz, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Ein Wunsch wird wahr

Seine umfangreiche Personale Musik zähmt die Bestie, die vom 26. Februar bis 1. Mai 2016 im Space01 des Kunsthauses Graz zu sehen ist, ist die erste Einzelausstellung dieses Ausmaßes in seiner Heimatstadt und daher für Luser ein besonderes Erlebnis. Im Grazer Kunsthaus scheint sich Luser sichtlich wohl zu fühlen: “Ich kenne das Haus von Anfang an, ich kenne die Leute.” Auch über den guten Ruf des Kunsthauses in der internationalen Künstlerszene freut er sich. “Es war immer ein Wunsch von mir, in Graz zu arbeiten, und jetzt ist es soweit,” schmunzelt er.

Der Blick von oben in den Space01, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Der Blick von oben in den Space01, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Ein Netzwerk bespielbarer Musikkunstwerke

Seine audiovisuelle Ausstellung ist ein Netzwerk aus fantastischen Zeichnungen, Instrumenten, Filmen, Musik und Skulpturen, deren Zusammenspiel eine traumähnliche Atmosphäre erzeugt. Das Zentrum stellt ein massiver, raumschiffartiger Messingdiamant dar – sein Akkumulator (2016), mit dem man sowohl von innen als auch von außen Musik erzeugen kann. Ausgehend von diesem Zellkern schlingt sich ein aus Trompetenstücken, Rohren und Trichtern geformtes Gebilde durch den Raum und verbindet vier von Besucherinnen und Besuchern bespielbare Instrumentalarbeiten: das Rotationsquintett (2006), das Trommeliglu (2007), die Bandoneon Intensivstation (2012) und den Baum (2013).

Sein „Zeichenschatz“ als Ausgangspunkt für alles

Im Interview zückt er ein großes, schwarzes Buch – sein Tagebuch, das aus unzähligen, feinen Zeichnungen, Skizzen und Illustrationen besteht. Sein „Zeichenschatz“, wie er es nennt, ist der Ausgangspunkt seines künstlerischen Schaffens und kann im Zuge der Ausstellung (über dem Space01, in der Needle) in digitaler Version auszugsweise eingesehen werden. In Musik zähmt die Bestie spielen Zeichnungen ebenfalls eine essenzielle Rolle. Ein scheinbar unendliches Flechtwerk aus feinen gezeichneten Linien, Wellen, Skizzen und Schriftzügen erstreckt sich über den Ausstellungsboden. Manche der gezeichneten Liniengeflechte übertrug Luser in Plastiken, die wie unwirklich, schwerelos im Raum zu schweben scheinen.

Eine der unzähligen Bodenzeichnungen, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Eine der unzähligen Bodenzeichnungen, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Zusammenarbeit und die Vergangenheit als Inspirationsquelle

Luser nimmt ehrlichen Bezug auf seinen künstlerischen Kontext und das Handwerk hinter seinen Musikinstrumenten. Den anregenden Austausch und gegenseitige Inspiration zwischen Künstlerkollegen verschweigt er eben so wenig wie etwa das hilfreiche Zutun eines Bandoneon-affinen Handwerkers.

Auch die Verbindung zur Vergangenheit nimmt der Grazer Künstler auf. In seinen Werken integrierte er nämlich zum Teil Fundstücke, die bis in das 16. Jahrhundert zurückreichen. Auch der Bandoneon Intensivstation liegt eine gewisse Nostalgie zugrunde, da das Handzugsinstrument Bandoneon im Deutschland des 19. Jahrhunderts entstanden ist.

Constantin Luser spielt auf der "Bandoneon-Intensivstation", Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Constantin Luser spielt auf der “Bandoneon-Intensivstation”, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Das Grundlegende an der Kunst ist…

Leicht fällt es nicht, die Bandbreite und Wirkung von Lusers audiovisueller Ausstellung in Worte zu fassen. Sie ist schön. Wirklich schön, im ästhetischen Sinn. Und sie wirkt unendlich. „Diese scheinbare Unendlichkeit hat etwas Entschleunigendes“, stellt Ausstellungskuratorin Katrin Bucher Trantow fest.

Luser findet selbst schwer Worte, um seine Ausstellung zu beschreiben.

Man kann Kunst so schwer beschreiben, weil ein Bild mehr sagt, als man in Worte fassen kann. Das Grundlegende an der Kunst eben ist, dass sie für sich selbst spricht

, meint er und wedelt mit seinem schwarzen Tagebuch.

Constantin Luser im Zentrum der Ausstellung - dem Akkumulator - mit seinem Tagebuch, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Constantin Luser im Zentrum der Ausstellung – dem Akkumulator – mit seinem Tagebuch, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

 TIPP:

Am 17. März 2016 findet die Veranstaltung Die Choreografie des Zufalls statt, bei dem man Lusers außergewöhnliche Musikinstrumente in voller Aktion erleben wird!

Für alle, die wissen wollen, was Lusers Kunst zu ihnen spricht: Constantin Luser. Musik zähmt die Bestie, 26.03–01.05.2016, Kunsthaus Graz, Space01.

Kategorie: Kunsthaus Graz
Schlagworte: Constantin Luser


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