Paul Schuster und Barbara Kaiser in den Prunkräumen von Schloss Eggenberg, Foto: UMJ/J.J. Kucek

19. Mai 2022 / Universalmuseum Joanneum

Was tut sich im Schloss? Großer Wandel in Schloss Eggenberg

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35 Jahre lang war Barbara Kaiser als Abteilungsleiterin für das einzigartige Anwesen Schloss Eggenberg tätig, jetzt folgt eine neue Leitung. Angesichts ihres wohlverdienten Ruhestands lassen wir ihre Erfolge noch einmal Revue passieren. Und: Schloss Eggenberg wurde von der Association des Résidences Royales Européennes (ARRE) in das bedeutendste Netzwerk zur Erforschung, Erhaltung und Präsentation der wichtigsten Residenzschlösser Europas aufgenommen.


In den vergangenen 35 Jahren hat Barbara Kaiser als Abteilungsleiterin die Verantwortung am Museumsstandort Schloss Eggenberg getragen. Am 01. Juni tritt sie ihren Ruhestand an und Paul Schuster, gegenwärtig Sammlungskurator für Schloss Eggenberg, übernimmt die Leitung.

Wir unternehmen einen kleinen Spaziergang durch ihre Erfolgsgeschichte, denn: Schloss Eggenberg gilt heute als zentraler und erfolgreicher Museumsstandort für alte Kunst in der Steiermark, der im Jahr rund 300.000 Besuche verzeichnet! Als wichtigste Residenz des Frühbarocks in den habsburgischen Erblanden ist Schloss Eggenberg seit 2010 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes und seit April 2022 auch Teil des illustren Netzwerks The Network of European Royal Residences, dem nur die renommiertesten europäischen Schlösser angehören.

Barbara Kaiser studierte Kunstschichte, Geschichte und Philosophie, 1985 promovierte sie sub auspiciis praesidentis an der Karl-Franzens-Universität Graz. Vor ihrer Arbeit als Kuratorin in Schloss Eggenberg absolvierte sie eine postgraduale Ausbildung am Internationalen Studienzentrum für die Erhaltung und Restaurierung von Kulturgut der UNESCO in Rom (ICCROM) und fokussierte sich auf Restaurierung und präventive Konservierung. 1995 oblag Barbara Kaiser als Direktorin für fünf Jahre die Leitung des Steiermärkischen Landesmuseums Joanneum. 1987, zu Beginn ihrer Tätigkeit, galt Schloss Eggenberg zwar als „bedeutendstes Barockschloss der Steiermark“, das tatsächliche Format dieses architektonischen Juwels war jedoch noch weitgehend unbekannt.

Ein kurzer Rückblick auf Barbara Kaisers Errungenschaften

Seit 2000 verfolgte Barbara Kaiser mit großem Engagement die herkulische Aufgabe der Gesamtrestaurierung von Schloss Eggenberg und seiner kostbaren Interieurs.

Zum bedeutendsten Forschungsprojekt ihrer wissenschaftlichen Karriere zählt die Erforschung der kunst- und kulturhistorischen Bedeutung des ehemaligen japanischen Paravents in Schloss Eggenberg. Fachleute des Universalmuseums Joanneum, der Japanologie der Universität zu Köln und der Kansai-Universität in Ôsaka erforschten über mehrere Jahre dieses kostbare kulturhistorische Dokument. 2008 gab ein Symposium in Graz Anlass zur Präsentation die Ergebnisse, die rund um die verschlüsselten Botschaften des Paravents gewonnen werden konnten. Für diese Verdienste wurde Barbara Kaiser im August 2016 mit der Ehrendoktorwürde der Kansai-Universität Ôsaka ausgezeichnet.

“Japanisches Kabinett”: Im 18. Jahrhundert wurde der japanische Stellschirm in seine Einzelbahnen zerlegt und als exotische Dekoration in die Wandbespannung eines modischen „Japonischen Kabinetts“ eingefügt. Foto: UMJ.

Auch der historische Garten, der Schloss Eggenberg umgibt, kam nicht zu kurz. Barbara Kaiser setzte sich für die Umsetzung eines Parkpflegewerks ein, dessen Zielsetzung die Rekonstruktion und Erhaltung des Gartens als Kulturdenkmal der Romantik ist. Das hat das Gesicht des Schlossparks in den vergangenen beiden Jahrzehnten sehr geprägt. Viele noch erhaltene Strukturen sind nun wieder erkennbar, kostbarer Bestand wurde gesichert und verlorene Elemente konnten, so weit wie möglich, wieder rekonstruiert werden.

Planetengarten, Foto: UMJ/zepp®cam.at/Graz, Austria

Barbara Kaisers Einsatz dafür sowie die wissenschaftliche Aufbereitung der Bewerbungsunterlagen für die Einreichung zur Aufnahme von Schloss Eggenberg in die UNESCO-World-Heritage-Liste durch die Republik Österreich führten 2010 schließlich zur Erweiterung der bereits bestehenden Welterbestätte „Stadt Graz – Historisches Zentrum“ um Schloss Eggenberg. Damit erhielt Schloss Eggenberg das höchste Gütesiegel, das die internationale Staatengemeinschaft für Kulturdenkmale zu vergeben hat.

Der vielseitige Bereich der angewandten Museologie bildet also einen weiteren zentralen Arbeitsbereich in Barbara Kaisers Karriere: Die Schaffung zeitgemäßer musealer Infrastruktur für das Joanneum sowie fast 20 Ausstellungsprojekte in den vergangenen 30 Jahren bereichern die steirische Museumslandschaft bis heute, wobei immer wieder auch neue Zielgruppen und junge Generationen für die Faszination Museum begeistert werden können.

„Unser großer Dank gilt Barbara Kaiser, die Schloss Eggenberg seit 1987 mit unglaublich viel Engagement und Herzblut zu einem echten Juwel des Universalmuseums Joanneum gemacht hat. Die Krönung ihrer unermüdlichen Arbeit ist nun die Aufnahme des Schlosses in den erlauchten Kreis der European Royal Palaces – eine Auszeichnung, die ohne sie wohl nicht möglich gewesen wäre. Zugleich freuen wir uns sehr, dass wir mit Paul Schuster einen profunden Kenner des Schlosses als würdigen Nachfolger gewinnen konnten“, so Wolfgang Muchitsch und Alexia Getzinger (Geschäftsführung Universalmuseum Joanneum).

Paul Schuster übernimmt die Leitung: Wohin geht die Reise?

Paul Schuster war in den vergangenen Jahren maßgeblich an den oben genannten Meilensteinen beteiligt und konnte mit viel Erfahrung und Fachwissen zum Haus die Ausschreibung für sich entscheiden.
Für die kommenden Jahre stehen folgende Projekte und Herausforderungen an: Im Jahr 2025 feiert Schloss Eggenberg seinen 400. Geburtstag. Begleitend zu den Feierlichkeiten wird es ein internationales Ausstellungs- und Forschungsprojekt geben. Weiters stehen die Restaurierung der Prunkräume und Gebäude sowie die Verbesserung der Infrastruktur für Besucher*innen auf dem Programm.

„Maßstab und Mittelpunkt meiner zukünftigen Arbeit für Eggenberg und die Alte Galerie werden immer unsere Gäste sein. Hier sollen sich alle willkommen fühlen. Als Gegenkonzept zu Overtourism und schnellem, oberflächlichem Sightseeing soll das Besuchserlebnis in Eggenberg vielseitig und nachhaltig sein und vor allem begeistern. Es soll Raum für individuelle Entdeckungsreisen schaffen und Berührungspunkte mit Originalen zulassen, die es nur hier gibt ‒ in den Museen und Ausstellungen, aber auch im Park und in den Prunkräumen mit ihrer faszinierenden Originalausstattung“, so Paul Schuster.

Schloss Eggenberg zählt nun zu den „royalen Residenzen“ Europas

Das alles ist noch nicht genug für den Museumsstandort: Ende März 2022 wurde Schloss Eggenberg von der Association des Résidences Royales Européennes (ARRE) in das bedeutendste Netzwerk zur Erforschung, Erhaltung und Präsentation der wichtigsten Residenzschlösser Europas aufgenommen. Entscheidend für die Aufnahme ist der authentische Erhaltungszustand der Eggenberger Prunkräume mit ihren kostbaren Originalinterieurs. Das Kerzenlicht in Schloss Eggenberg und seine Bedeutung für barocke Raumkunstwerke haben auch bei ARRE großes Forschungsinteresse geweckt.

Planetensaal bei Kerzenlicht, Foto: UMJ/Peter Gradischnigg

1995 haben sich die Träger der renommiertesten Schlossmuseen Europas zusammengeschlossen und 2001 die Association des Résidences Royales Européennes (ARRE) bzw. The Network of European Royal Residences gegründet. Diesem exklusiven Netzwerk gehören europaweit gerade einmal 30 Institutionen in 15 Ländern an, darunter Schloss Versailles, die Historic Royal Palaces im Vereinigten Königreich und Schloss Schönbrunn.

Für Schloss Eggenberg bedeutet dieser Beitritt einen großen Mehrwert. Nicht nur einen Austausch auf internationaler Ebene und spezielles Know-how, sondern auch neue Ausstellungsprogramme sowie neue Möglichkeiten hinsichtlich des Besuchserlebnisses werden geboten.

Schloss Eggenberg, Foto: UMJ/Jare

Die Aufnahme in den erlesenen Kreis aus vorwiegend Königs- und Kaiserhäusern ist eine besondere Ehre und ein würdiger Abschluss der erfolgreichen Arbeit der langjährigen Leiterin von Schloss Eggenberg und der Alten Galerie Barbara Kaiser!

 

Hier gibt es Informationen zum Schlössernetzwerk: The Network of European Royal Residences – Association des Résidences Royales Européennes

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