Foto: Barbara Steiner

17. Juli 2018 / Barbara Steiner

In welcher Weise kann man Landschaftsarchitektur ausstellen?

Kunsthaus Graz

Nach Stationen in Berlin, München und Bordeaux ist die Ausstellung „Creative Infidelities“ nun in der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst zu sehen. In diesem Museum war ich von 2001 bis 2011 Direktorin. Heute wird die GfZK von Franciska Zólyom geleitet.

Die Ausstellung stellt eine Auswahl von zehn Projekten der Landschaftsarchitekten Topotek 1 in einer Raumgestaltung von Oliver Klimpel vor.

Beide sind mit dem Kunsthaus Graz eng verbunden: Topotek 1 gestaltete dessen Vorplatz und Klimpel nahm sich der Shop- und Funktionsmöbel im Foyer an. Ein architektonisch-skulpturales Display folgt dann im Herbst.

Buch über Topotek 1

Anlass und Ausgangspunkt für alle Ausstellungen ist das gleichnamige Buch über Topotek 1, das ich im Auftrag der Landschaftsarchitekten konzipierte und das im September 2016 erschienen ist. Es stellt Ansätze und Methoden des Büros vor und nimmt dabei verschiedene Perspektiven auf die Projekte von Topotek 1 in den Blick. Kooperationspartner aus den Bereichen Architektur, Design und Kunst, Auftraggeber/innen, Fachreferenten/innen, Fachplaner/innen, ausführende Firmen und Nutzer/innen schauen rückblickend auf zehn ausgewählte Beispiele. Das Buch sucht komplexen Entstehungszusammenhängen Rechnung zu tragen und unterscheidet sich darin insofern von den meisten Publikationen in diesem Bereich, als es eine Multiperspektive anstrebt und nicht nur die Landschaftsarchitekten selbst zu Wort kommen bzw. nicht nur externe Autoren/innen über die Projekte schreiben.

Raumgestaltung

Durch den Blick von außen, durch die Zusammenarbeit mit anderen verschiebt sich die Perspektive auf das eigene Tun und dies bildet sich nicht nur im Buch, sondern auch in der Ausstellungsfolge ab. Oliver Klimpel schuf in Leipzig einen räumlichen, visuell ansprechenden Rahmen für die Arbeiten von Topotek 1 und übersetzte diese in eine narrative Landschaft, die sich nun im Inneren des Gebäudes von as-if wienberlin entfaltet. Er nutzt dabei die Besonderheiten des Gebäudes, denn dieses strukturiert sich im Inneren über Sichtachsen und öffnet sich an verschiedenen Stellen in den umgebenden Landschaftsraum. In dieses Setting sind dann die künstlerischen Arbeiten der Kooperationspartner/innen von Topotek 1 – etwa von Iwan Baan, Hanns Joosten, Rebecca Saunders, Superflex oder Jun Yang – gesetzt.

Creative Infidelities

Die Praxis von Topotek 1 und Oliver Klimpel verbindet das gemeinsame Thema Übersetzung.

Dies führt zum Titel der Ausstellung und des Buches, „Creative Infidelities“ (kreative Veruntreuungen), aber auch zur Gartenkunst selbst. Denn auch diese erzählt von Migration, Aneignung, Übersetzung und Konflikten.

Bäume, Pflanzen und architektonische Versatzstücke immigrierten, sie wurden in neue Nachbarschaften gebracht und formten neue Ensembles. Auch wenn chinesische Pagoden und antike Tempel mit ihren Originalen wenig zu tun haben, handelt es sich meist um originelle Interpretationen. Es mag daher wenig erstaunlich sein, dass Topotek 1 stark von Jorge Louis Borges beeinflusst ist. Der argentinische Schriftsteller versteht Übersetzungsfehler und bruchstückhafte Übersetzungen als eine Chance, Verschiebungen und lokale Umsetzungen vorzunehmen.  So zollt auch der Titel „Creative Infidelities“ Borges Anerkennung. Darüber hinaus gibt es eine autobiografische Verbindung:

Als Martin Rein-Cano 12 Jahre alt war und in Argentinien lebte, interviewte er für ein Schulprojekt den bereits damals berühmten Schriftsteller, der zu diesem Zeitpunkt 80 Jahre alt war.

 

Das könnte Sie auch interessieren:

Der Vorplatz

Kategorie: Kunsthaus Graz
Schlagworte: Logbuch Barbara Steiner


Folgende Beiträge sind für dich interessant:

  • Mein Besuch in der Grazer Firmenzentrale von SPAR De SPAR = Die Tanne 1932 gründete Adrian van Well in den Niederlanden die weltweit erste SPAR-Organisation. Die dahinterliegende Idee war, dass selbstständige Groß- und Einzelhändlern sich zu einer freiwilligen Handelskette zusammenschließen, um Wareneinkauf, Organisation, Technik und […]
  • Auf ins Ungewisse Werkauswahl Die Auswahl der Werke kommt gut voran: wir wollen Werke von Archigram (Cook war Mitbegründer) zeigen – hier vor allem Instant City. Dazu wird Bâtiment Public – ein unrealisiertes Projekt von Archigram in Zusammenarbeit mit Colin Fournier – zu sehen sein. Von diesen Projekten […]
  • VIP´s Union Diese Arbeit der Künstlerin stellt – wie es beim Storage Piece der Fall gewesen wäre – eine spannende Verbindung zu den Ausstellungen von Erwin Wurm und Koki Tanaka her. Von Anfang an wurden diese drei Schauen im Verhältnis zueinander konzipiert; sie kreisen um Alltag bzw. […]
  • Ein wieder verwendbares Ausstellungssystem für das Kunsthaus Wände und Hängepunkte Rainer Stadlbauer entwickelte im Rahmen von Graz Architektur ein wiederverwendbares Ausstellungssystem für das Kunsthaus. Dieses ist einerseits aus der konstruktiven Logik des Gebäudes abgeleitet (konkret aus den orthogonal angeordneten Hängepunkten des Space02) […]
  • Kontaktzonen: Grazer und Zagreber Architektur Mit dem MSU verbindet das Universalmuseum Joanneum insgesamt eine lange Partnerschaft. Zeitgleich zu Zones of Contact in Zagreb ist in der Neuen Galerie Graz noch bis 2.9. die Personale von Vjenceslav Richter zu sehen, einem visionären kroatischen Architekten, Stadtplaner, Designer und […]
  • Meine Reise nach Seoul Der Workshop Bereits vor meiner Bestellung in Graz wurde der Workshop mit dem Goethe-Institut Seoul vereinbart. Konkret ging es um ein städtebauliches Projekt in HaeBangChon, einem Viertel in Seoul. Zusammen mit InYoung Yeo, der Leiterin des Space One, Professor Han von der […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Benutzen Sie diese HTML Tags und Attribute:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>