Foto: Anna Lena von Helldorff

20. März 2018 / Barbara Steiner

Zum Foyer

Kunsthaus Graz

Das Vorhaben „Foyer neu“ ist noch nicht abgeschlossen. Bis September wird daran gearbeitet.

Wird das Kunsthaus-Foyer zu einer rein kommerziellen Zone? Nein.

Seit den 1980er-Jahren sind Shop, Restaurant, Café und Vermietungen zu einer unverzichtbaren Einnahmequelle für Kunstinstitutionen geworden. Aus der künstlerischen Programmierung der Institutionen sind sie jedoch in den meisten Fällen herausgenommen. Das Kunsthaus Graz nimmt diese Bereiche nun zum Ausgangspunkt für eine Reihe von künstlerischen und kuratorischen Vorhaben, die sich dem Verhältnis zwischen kommerziellen und nichtkommerziellen Bereichen widmen. Den Beginn machte 2017 der durch die dänische Künstlergruppe Superflex gestaltete Geldautomat.

Der Geldautomat

Unter dem Titel C.R.E.A.M. – angelehnt an den Song der Hip-Hop-Gruppe Wu-Tang Clan – hat Superflex das Erscheinungsbild des Geldautomaten entsprechend verändert: Komplett verchromt und ins Zentrum des Foyers gesetzt, wird der Automat zur leuchtenden Skulptur, zum Fetisch und zur Geldbehebungsmaschine gleichermaßen.

Der Shop

Oliver Klimpel, der an der Schnittstelle von Kunst und Design arbeitet, wurde eingeladen, den Kunsthaus-Shop neu zu gestalten, das existierende Funktionsmobiliar des Kunsthauses Graz (wie etwa Barelemente, Pult, Tresen) zu re-designen sowie neue Displayelemente für die Erdgeschosszone zu entwickeln. Ausgangspunkt seines Konzepts sind Auseinandersetzungen mit Avantgarde-Bewegungen, hier vor allem mit Nicolai Michailowitsch Suetin, und mit Vito Acconci, der 1992 anlässlich der documenta IX einen Buchladen für Walther König designt hatte. Die erhalten gebliebenen Regale und ein Tisch werden nun in neuer Aufstellung präsentiert. Highlight wird der sogenannte „Katzenbaum für die Kunst“ sein, eine vertikale Struktur, ein skulpturales Display-Element, das die Präsentation kleinerer Ausstellungen im Foyer erlaubt. Da der „Katzenbaum“ technisch komplex ist, wird seine Herstellung noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Visuelle Identität

Anna Lena von Helldorff widmet sich seit Anfang 2017 der visuellen Identität des Kunsthauses unter besonderer Berücksichtigung dessen, dass diese Teil des Universalmuseums Joanneum ist. Noch sind Leitsystem und Orientierung temporär. Doch das war der Ausgangspunkt des Konzeptes der Gestalterin: sie machte den Umgestaltungsprozess selbst zum Thema, indem Varianten, Prototypen und Nutzungsoptionen entwickelt, Korrekturen „ausgestellt“ und öffentlich diskutiert wurden. Ihre Vorgehensweise entspricht am ehesten einem Begleiten des Vorhandenen, einem Kommentieren und Übersetzen, und folgt dementsprechend funktionalen, inhaltlichen und ästhetischen Anforderungen gleichermaßen. Diese Testphase neigt sich nun dem Ende zu. In den nächsten Wochen werden die Erkenntnisse aus den letzten Monaten ausgewertet und fließen in das neue Leitsystem ein.

Der Space04

Zum zehnjährigen Geburtstag des Kunsthauses setzte Künstler Gilbert Bretterbauer Raumtextil Funktion & Empfindung für den Space04 und das ehemals benachbarte Café um. Fünf Jahre später wurde diese Arbeit renoviert und um neue Stoffbahnen ergänzt. Das Raumkonzept wird ausgeweitet und Schritt für Schritt in den nächsten zwei Jahren umgesetzt: nach der bereits erfolgten Installation des Vorhangs konzipiert Bretterbauer eine zerlegbare Bühne; es folgen Teppich und Lampen. Bretterbauers Setzungen sollen dem Raum eine haptische Qualität verleihen, ihn körperlich erfassbar machen und ihn damit zur textilen Raumskulptur werden lassen.

Der Space04 wird für unterschiedliche Veranstaltungen genutzt: für Eröffnungen, Vorträge, Diskussionen, Konferenzen, Empfänge.

Das Besucher/innenservice

2018 rückt auch das Besucherservice in den Fokus, das im Foyer bzw. innerhalb der Ausstellungsräume eine der wichtigsten Aufgaben im Museum hat und quasi das „Gesicht“ des Hauses darstellt. Üblicherweise einheitlich gekleidet, im Falle des Kunsthauses bisher in Schwarz, treten Aufsichtspersonen eher dezent in den Hintergrund. Nun werden verschiedene steirische Mode-Labels in Absprache und Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern spezifische, individuelle Outfits entwickeln. Jeweils eine Designerin/ein Designer aus der Steiermark tritt in einen Prozess mit jeweils einer Person aus dem Aufsichtsteam, um gemeinsam zu überlegen, wie ein solches Outfit für Mitarbeiter/innen ausschauen könnte. Der Prozess ist erst dann abgeschlossen, wenn beide Parteien Übereinkunft über den jeweiligen „Look“ erzielt haben. Den Auftakt macht 2018 die Designerin Karin Wintscher-Zinganel.

Sie schlägt ein Kleidungsstück vor, das vom jeweiligen Träger/der Trägerin individuell geformt gebracht werden kann.

Die Absperrbänder

Absperrbänder dienen dazu bestimmte Bereiche voneinander abzugrenzen und Zutritt zu steuern. Der steirische Künstler Hannes Priesch wurde beauftragt, sich mit Absperrungen, d. h. der Zugänglichkeit und Nicht-Zugänglichkeit im Foyer, aber auch im ganzen Haus zu befassen. Er verwendet ungewöhnliche Materialien, die aufgrund ihrer haptischen Anmutung dazu verleiten, berührt zu werden.

Der Vorplatz

Der bislang wenig attraktive Vorplatz des Kunsthauses Graz wird nun temporär bespielt, um ihn als öffentlichen Freiraum aufzuwerten und besser in das städtische Umfeld einzubinden. Das Konzept der temporären Ausstellungszone wurde vom Berliner Landschaftsarchitekturbüro Topotek 1 entwickelt. Thermoplastische Bodenmarkierungen verlaufen strahlenförmig vom Bordstein zu je einem Eingang. Die urbanen Möbel – 11 Tischbänke, 3 Mülleimer, 4 Fahrradständer, 2 Aschenbecher – können während der Zeit ihrer Aufstellung von der Öffentlichkeit genutzt werden.

Die Intervention durch Topotek 1 macht auf die neu geschaffenen Eingänge am Lendkai aufmerksam und bietet neue Aufenthaltsmöglichkeiten für die Besucher/innen.

Kategorie: Kunsthaus Graz
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