11. August 2019 / Elisabeth Eder

Gut Ding braucht Weile – eine Zeitreise in die Vergangenheit

Jagd und Landwirtschaft | Werkstatt

Vom Strohdachdecken und Hausversetzen über das Brunntrog- und Dachrinnen-Hacken bis zum Zäune-Machen und Anfertigen von Holznägeln: Dem Team des Österreichischen Freilichtmuseums Stübing steht bis zur Eröffnung der neuen Saison noch viel Arbeit bevor.

Während das „Tal der Geschichten“ auf den ersten Blick so wirkt, als würde es noch tief im Winterschlaf liegen und sich so gut wie nichts in der schwachen Frühlingssonne regen, kann man von Weitem ein Knacken und Hacken aus dem Wald wahrnehmen. Geht man die noch verlassenen Wege entlang und den Geräuschen auf die Spur, bemerkt man, dass die „Stübinger“ ganz und gar nicht mehr an Winterschlaf denken, sondern das Gelände und die rund 98 historischen Bauten, die sich hier auf 65 ha Gesamtfläche verteilen, fleißig für die neue Saison und auch den bevorstehenden „World Wood Day“ auf Vordermann bringen. Vom Strohdachdecken und Hausversetzen über das Brunntrog- und Dachrinnen-Hacken bis zum Zäune-Machen und Anfertigen von Holznägeln: Dem Team des Österreichischen Freilichtmuseums Stübing steht bis zur Eröffnung der neuen Saison noch viel Arbeit bevor.

Marcellus Strommer (39) und Hubert Janisch (30), zwei der rund 12 Handwerker/innen, die mit der Erhaltung der historischen Objekte im Österreichischen Freilichtmuseum Stübing betraut sind, stehen schon seit frühmorgens hier, um riesige Holzblöcke zu verarbeiten. Ohne maschinelle Unterstützung, versteht sich. Traditionelle Handarbeit steht hier nämlich an der Tagesordnung: „Wir versuchen alles auf die Art und Weise zu verarbeiten und herzustellen, wie es auch früher gemacht wurde“, erklärt Marcellus Strommer, dem die harte Handarbeit bereits den Schweiß auf die Stirn getrieben hat. Seit bereits vier Jahren arbeitet er hier in Stübing und ist sich des zusätzlichen Aufwands, die diese alten Techniken mit sich bringen, bis heute nicht zu schade. „Man muss das aus einer ganz anderen Perspektive sehen“, erklärt Hubert Janisch und setzt zum Hacken mit dem Breitbeil an: „Die Arbeitsweise gibt die Geschwindigkeit vor.“

Mit Breitbeilen bearbeiten Marcellus Strommer und Hubert Janisch riesige Holzblöcke.

Ein Ort, an dem die Zeit stillsteht

Woher das Wissen rund um das alte Handwerk kommt, wie sie dieses Wissen umsetzen und vor allem auch für die Zukunft erhalten, auch das erklären die beiden, während sie weiter fleißig draufloshacken: „Das ganze Wissen rund um die Handhabung verschiedener Handwerkstechniken stammt größtenteils von ,den Altenʻ bei uns. Einige arbeiten schon seit Jahrzehnten hier im Freilichtmuseum und konnten sich dadurch das nötige Know-how aneignen“, erklärt Hubert. „Und manchmal fragen wir auch bei älteren eingesessenen Leuten nach, die mit einem solchen Handwerk groß geworden sind.“ Wie schwierig sich teilweise die Umsetzung dieser traditionellen Bauarten und Techniken erweist, zeigt sich schon beim Blick auf die schweißgebadeten Handwerker, die sich durch die Laufmeter schnitzen. Nur mühevoll und langsam geht es voran: „Pro Tag schaffen wir zirka vier solcher Blöcke“, so Hubert.

Zeitreise in die Vergangenheit 

Schwierig gestaltet sich oft auch die Beschaffung der Gerätschaften und Baustoffe, die für die Erhaltung und Bewahrung dieses einzigartigen Kulturguts notwendig sind: „Vieles wird in dieser Form gar nicht mehr hergestellt und ist deshalb schwer zu beschaffen“, erklärt Marcellus. „Das Stroh, das wir zum Decken der Strohdächer benötigen und ca. zwei Meter lang sein muss, kommt deshalb zum Teil aus Ungarn und die Werkzeuge ergattern wir manchmal sogar bei Flohmärkten.“

Vorbereitungen für die neue Saison: Das Stroh, das zum Decken der Strohdächer benötigt wird, kommt zum Teil Aus Ungarn.

Alle Vorbereitungen laufen

Und woran arbeiten die beiden eigentlich genau? „Das sind Vorbereitungen für den World Wood Day 2019, der heuer hier bei uns im Freilichtmuseum Stübing über die Bühne gehen wird. Aus dem Bloch wird eine Stockmühle, eine Rekonstruktion der sogenannten ,Pahl-Mühleʻ aus Kals am Großglockner, die zwischen 20. und 23. März gemeinsam mit Handwerkern aus aller Welt errichtet und dann am 23. März in Betrieb gehen wird“, freut sich Marcellus trotz des Rundholzhaufens im Hintergrund, der bis zum World Wood Day noch auf die beiden Männer wartet.

Im Zuge des World Wood Days 2019 entsteht hier eine Stockmühle.

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