Foto: Barbara Steiner

6. August 2019 / Barbara Steiner

In den Zisternen Kopenhagens

Kunsthaus Graz

Unter dem Frederiksberg im Herzen des Søndermarkenparks in Kopenhagenbefinden sich die sogenannten „Zisternen“ (dänisch: Cisternerne). Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an versorgten sie die dänische Hauptstadt mit Trinkwasser. Sie konnten bis zu 16 Millionen Liter sauberes Wasser aufnehmen. 1933 stellte man deren Funktion als Trinkwasserspeicher ein und 1981 wurden sie schließlich entwässert. Heute gehören sie zu den Frederiksberger Museen und werden für Kunstausstellungen und andere Veranstaltungen genutzt, bei denen die spezielle Atmosphäre des Ortes eine zentrale Rolle spielt. 2019 wurde SUPERFLEX eingeladen, in den Zisternen eine Ausstellung zu machen. Sie erzeugt ein düsteres Bild der menschlichen Zukunft.

Das Ende der Menschheit

Die Besucher/innen betreten zunächst einen Umkleideraum. Dort muss man Gummistiefel anziehen, dann wird man in die Unterwelt der Zisternen entlassen, die Superflex teilweise wieder fluten lassen haben. Die Besucher/innen waten durch mehrere Zentimeter tiefes Wasser und durchschreiten eine düster anmutende Klanglandschaft, die aus einer überarbeiteten Version des Justin-Timberlake-Hits Cry Me A River von 2002 besteht.

Rundgang in der Zisterne, Foto: Barbara Steiner

So tastet man sich durch die dunklen Zisternen, bis man auf überflutete Toilettenanlagen trifft, eine exakte Kopie der Vorstandstoiletten des Bonner Hauptsitzes der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC). Sie erscheinen als Mahnmal des menschlichen Konsums und des globalen Kampfes gegen die dadurch verursachten Schäden. Kurz darauf trifft man auf die LED-Lichtinstallation It is not the End of the World, die an eine Werbe- oder Informationswand erinnert. Der Satz schlägt uns eine neue Rolle bei der zukünftigen Entwicklung unseres Planeten vor: unsere Abwesenheit.

UNFCCC Replika Toiletten, Foto: Barbara Steiner

Es ist nicht das Ende der Welt

Während unseres verhältnismäßig kurzen Aufenthaltes auf der Erde haben wir einen enormen Fußabdruck im gesamten Ökosystem hinterlassen, der durchaus mit großen Naturkatastrophen vergleichbar ist. Innerhalb weniger Generationen wird der globale Meeresspiegel um mehrere Meter ansteigen. Das Ende der Menschheit beginnt sich abzuzeichnen. Aber man kann dies durchaus als Neuanfang für den Planeten sehen. Wir werden nicht gebraucht, damit dieser weiterbesteht. Die Ruinen der Menschheit transformieren sich zur Infrastruktur für die zukünftigen nicht-menschlichen Bewohner der Erde – so das von Superflex angedeutete Szenario. Als ich im Vorfeld dieser Ausstellung von Superflex’ Plänen für die Zisternen hörte, dachte ich, dass dies vielleicht zu sehr die Anmutung eines Fun Parks haben könnte – à la „wir spielen (unverbindlich) Weltuntergang.“ Doch die Ausstellung berührt und macht nachdenklich, vielleicht weil man sich in den großen, spärlich ausgeleuchteten Hallen sehr allein, klein und unbehaglich fühlt.

IT IS NOT THE END OF THE WORLD: ein Aufruf an unsere Abwesenheit im Weltklimageschehen, Foto: Barbara Steiner

 

Kategorie: Kunsthaus Graz
Schlagworte: Ausstellung | SUPERFLEX | Zeitgenössische Kunst


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