Powerteam: Gabriele Pain, Marie Douatsop und Lydia Schwarz

29. August 2019 / Elisabeth Eder

Ein Tag mit … Marie Douatsop

Museum für Geschichte | Museumsalltag

Alles eine Sache der Ordnung: Marie Douatsop auf der Spur

Reinigungskraft

Abteilung Interne Dienste, Referat Logistik

Während sich andere um fünf Uhr früh noch in ihren warmen Betten wälzen, heißt es für Marie Douatsop schon raus aus den Federn. Die Mitarbeiterin des Reinigungspersonals im UMJ hat nämlich keine Zeit zu verlieren. Um sechs Uhr beginnt ihr Arbeitstag im Museum für Geschichte und davor gilt es noch einiges zu erledigen: „Oft richte ich in der Früh noch die Jause für meine Kinder und dann muss ich mich schon fertig machen für die Arbeit.“

Der erste Weg im Museum für Geschichte führt Marie in die Waschkammer: „Hier drinnen ziehen wir uns die Arbeitsuniformen an, jeder hat hier seinen eigenen Spind“, erklärt sie. Als nächstes geht’s zum Leitstand. „Im Leitstand holen wir uns täglich die Zentralschlüssel, die wir für unsere Arbeit unbedingt benötigen. Die dürfen wir natürlich nicht behalten, sondern müssen sie immer nach unserem Dienst abgeben und in einer Liste vermerken, dass wir den Schlüssel wieder zurückgebracht haben,“ erklärt Marie die Sicherheitsvorschriften genau. „Wir“ sind übrigens Gabriele Pain, Lydia Schwarz und Marie selbst – das dreiköpfige Powerteam, das die 2.500 Quadratmeter große Ausstellungsfläche im Museum für Geschichte tagtäglich blitzblank hält. Und das ist noch nicht alles: „Natürlich müssen wir daneben auch die Büroräume, Stiegenhäuser und technischen Räume sauber halten.“

Der erste Weg im Museum für Geschichte führt in die Waschkammer zum Spind. 

Im Leitstand holt sich Marie immer den Zentralschlüssel. 

Deadline Museumsöffnung

Aber alles der Reihe nach: „Von sechs bis zehn Uhr herrscht bei uns Hochbetrieb. Bis zur Öffnung der Ausstellungen muss nämlich alles sauber sein, was für die Besucher/innen zugänglich ist, das hat oberste Priorität“, schildert die zweifache Mutter, die bereits seit drei Jahren im Reinigungsteam des UMJ tätig ist, und fährt fort: „Ziemlich stressig wird es, wenn sich Schulklassen schon früher anmelden. Dann muss manchmal schon um neun oder um acht Uhr alles fertig sein.“ Vitrinen, Wände, Böden, Toiletten … alles muss bis zur Öffnung glänzen. Zeit zum Ausruhen bleibt nach zehn Uhr aber trotzdem nicht: „Ab 10 Uhr kommen die Büroflächen, Stiegenhäuser und alle Räumlichkeiten an die Reihe, die für die Besucher nicht zugänglich sind“, so Marie.

Gänsehaut bei der Arbeit

Am liebsten putzt, wischt und fegt Marie in den Ausstellungsräumen: „Das ist immer am Spannendsten für mich. Man sieht all die interessanten Dinge, die ausgestellt werden. Bei der Ausstellung Bertl und Adele bekomme ich zum Beispiel immer Gänsehaut, weil mich das tragische Schicksal dieser Kinder so berührt“, erzählt Marie, sich schaudernd die Unterarme reibend, während sie durch den düsteren Gang der Ausstellung schreitet. „Die Tätigkeit beim UMJ hat mein Interesse an Geschichte wirklich geweckt“, so die Grazerin, die deshalb auch in ihrer Freizeit oder im Urlaub gerne die eine oder andere Ausstellung besucht. „Durch die Arbeit hier wird einem erst bewusst, wie viel Energie und Zeit hinter einem solchen Ausstellungsbetrieb steckt“, betont sie, während sie sorgfältig die Spiegelvitrine in der Dauerausstellung poliert.

Hochbetrieb: Bis zur Öffnung müssen alle Ausstellungsflächen glänzen. 

Gut gerüstet

Immer mit dabei auf ihrer Tour durchs Museum ist das Funkgerät, über das sich die Mitarbeiter verständigen. „Das brauchen wir, damit wir immer erreichbar sind und wenn beispielsweise ein Zugang frei- oder scharfgeschaltet werden muss“, erklärt sie. Und was muss sonst noch mit? „Natürlich der Schlüssel, Sicherheit ist hier wirklich sehr wichtig, und feste Schuhe“, immerhin spult Marie während ihrer Arbeit mehrere Kilometer herunter. Und eine weitere Sache darf bei der täglichen Arbeit nicht fehlen: Eine silberne Halskette, die sich meistens unter ihrer Arbeitsuniform versteckt. „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich sie immer trage. Die Kette war ein Geschenk von meinem Mann“, lächelt Marie und zieht den Anhänger sorgfältig zurecht. Zwar nicht immer mit dabei, dafür aber der ganze Stolz der Reinigungstruppe im Museum für Geschichte ist ein selbst erfundenes Reinigungsgerät. „Durch die Sicherheitsnetze im Schaudepot ist es sehr schwer, alle Stellen mit unseren regulären Staubwischern zu erreichen, deshalb haben wir uns überlegt, wie wir eine Verlängerung kreieren könnten und et voilá, schon war der neue Swiffer fertig“, schmunzelt sie, während sie den praktischen Helfer unter dem Sicherheitsnetz verschwinden lässt, um die Staubflocken unter den Ausstellungsregalen herauszufischen.

Für ihre Putztour durchs Museum ist Marie immer gut ausgestattet.

Not macht erfinderisch: Die Swiffer-Verlängerung war ein Einfall des Reinigungsteams. 

Ordnung ist das ganze Leben

Anstatt nach einem anstrengenden Arbeitstag alle viere von sich zu strecken, heißt es auch bei Marie zu Hause noch Anpacken. Wenn man tagtäglich hinter anderen Leuten nachputzt, ist dann überhaupt noch genug Motivation übrig, um den Staubwischer auch zu Hause in die Hand zu nehmen? „Lust hat man natürlich nicht mehr wirklich, aber es muss auch sein“, lacht Marie achselzuckend.

Parlez-vous français?

Immer gerne in die Hand nimmt sie hingegen ein Buch: „In meiner Freizeit lese ich sehr gerne. Am liebsten sind mir Romane oder Biografien. Das Letzte, das ich gelesen habe, war ein Buch über Sophie Scholl“, schildert Marie, die sich hin und wieder auch durch französische Bücher wälzt, um ihre Muttersprache aufzufrischen. Auszeit nach einer arbeitsreichen Woche gönnt sie sich mit ihrer Familie im Schwimmbad oder in der Therme: „Ich liebe das Wasser einfach. Wann ich nur kann, fahre ich ans Meer!“, schwärmt Marie und wirft noch einen prüfenden Blick in den zuvor sorgfältig gesäuberten Raum im Schaudepot.

Bücherwurm: In ihrer Freizeit liebt es die zweifache Mutter zu lesen.

 

Kategorie: Museum für Geschichte | Museumsalltag
Schlagworte: Arbeiten im Museum | Interview


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