Ensemble des J.J. Fux-Konservatoriums Graz; Foto: Nikolas Lackner

28. November 2013 / Martina Edler

Die Köpfe hinter den ‘Hirten- und Krippenliedern’ im Gespräch

Kunst- & Naturvermittlung

Anlässlich der diesjährigen Aufführung der Hirten- und Krippenlieder in der Antoniuskirche des Volkskundemuseums haben wir eine kleine Mini-Serie hier im Blog gestartet, in der wir die Reihe näher vorstellen. Nach den allgemeinen Informationen zu den Hirten- und Krippenliedern wollen wir nun die Menschen dahinter vorkommen lassen.

Martina Edler sprach mit Zuzana Ronck (musikalische Leiterin), Eva Maria Hois (Steirisches Volksliedwerk, Beratung und Mitarbeit in der Liedauswahl) und Anselm Schaufler (musikalische Berarbeitung) über deren persönliche Erfahrungen und Zugänge zu den Hirten- und Krippenliedern.

Zuzana Ronck: „Unglaublich spannend, die Lieder der steirischen Vorfahren zu entdecken.“

Martina Edler: Was bedeuten für dich die Krippenlieder?
Zuzana Ronck: Die Hirten-und Krippenlieder bedeuten für mich eine große Verantwortung. Gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen des Johann-Jospeh-Fux Konservatoriums gilt es, das alte gesammelte Liedgut aus den Archiven in der wunderbaren Atmosphäre der Antoniuskirche lebendig und nachhaltig zu vermitteln.

Zuzana Ronck; © Foto Fischer

M.E.: Wie legst du deine Arbeit an?
Z.R.: Zuerst setzen wir uns mit dem Inhalt auseinander, danach folgt das Einstudieren der Vertonung. Abschließend üben wir die Mehrstimmigkeit und feilen an der Textdeutlichkeit.

M.E.: Welche Herausforderungen gibt es?
Z.R.: Die Herausforderungen für uns alle sind ganz bestimmt die vielen Texte und die deutliche Wiedergabe der Mundart.

M.E.: Was macht für dich der Reiz der Krippenlieder aus?
Z.R.: Es ist unglaublich spannend, die Lieder der steirischen Vorfahren zu entdecken, zu beleben und zu vermitteln. Die Kinder und Jugendlichen warten schon nach den Sommerferien darauf, was aus den Archiven Neues kommt. Sie sind mit Begeisterung und mit großem Interesse dabei und freuen sich auf die Wiedergabe der alten Weisen.

Eva Maria Hois: „’Menschliche’ Weihnachtslieder“

Martina Edler: Was bedeuten für dich die Krippenlieder?
Eva Maria Hois: Musik begleitet mich generell durch das Jahr. In der Weihnachtszeit gehören da natürlich die Lieder des Weihnachtsfestkreises dazu, von denen einige mich immer wieder aufs Neue tief berühren. Und am liebsten singe ich sie selbst.

Eva Maria Hois; © Barbara Mang

M.E.: Wie legst du deine Arbeit an?
E.M.H.: Ich versuche, ein möglichst abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen. Mit bekannteren wie auch schon länger nicht mehr gehörten oder gar neuen Liedern einerseits und mit schwungvollen wie auch besinnlichen Stücken andererseits.

M.E.: Welche Herausforderungen gibt es?
E.M.H.:
Einerseits gilt es, den gesamten Weihnachtsfestkreis (Advent-, Verkündigungs-, Herbergs-, Engel-, Hirten-, Krippen-, Wiegen-, Neujahrs- und Dreikönigslieder) abzudecken, andererseits auf die vorhandene Besetzung (Kinderchor, Solisten/innen, Streicher, Blockflöten) Rücksicht zu nehmen.

M.E.: Was macht für dich der Reiz der Krippenlieder aus?
E.M.H.:
Besonders in den unzähligen Hirten- und Krippenliedern wird eine Freude und Fröhlichkeit spürbar, die in anderen Liedgattungen oft zugunsten von Besinnung und Ernsthaftigkeit in den Hintergrund treten. Und sie sind wohl die „menschlichsten“ der Weihnachtslieder: Sie stellen die Hirten – also einfache Menschen – ihr Denken, Fühlen und Handeln in den Mittelpunkt des Geschehens.

Anselm Schaufler: „Ein spannendes und berührendes Fenster in die Weihnachtszeit.“

Martina Edler: Was bedeuten für Sie die Krippenlieder?
Anselm Schaufler: Für mich persönlich sind die Krippenlieder ein spannendes und berührendes Fenster in die Weihnachtszeit unserer Kultur, wo das (Jesus-)Kind und damit die Familie im Zentrum steht. Es sind wertvolle, stille, friedliche und fröhliche Revolutionslieder gegen den Ausverkauf der Weihnachtszeit in der derzeitigen Konsumgesellschaft.

Anselm Schaufler; Foto: Privat

M.E.: Wie sieht Ihre Arbeit aus?
A.S.: Ich lerne die Lieder, versuche die Besonderheit in Musik und Wort zu erfassen und dann arrangiere die Lieder für verschiedene Besetzungen wie Kinderchor, Streicher, Blockflöten, Dudelsack und Hackbrett. Seit Jahren beschäftige ich mich mit dem Volkslied und all diese Erfahrungen fließen dabei ein.

M.E.: Welche Herausforderungen gibt es?
A.S.: Die Herausforderung besteht darin den Charakter des Liedes und des Textes musikalisch zu unterstützen, mit Nebenstimmen und Variationen ohne dass man sich zu sehr in den Vordergrund drängt oder die volksliedhafte Schlichtheit der Lieder übermalt.

M.E.: Was macht für Sie der Reiz der Krippenlieder aus?
A.S.: Ich lerne sehr viele neue Krippenlieder kennen, deren erfrischend frecher und fröhlicher Text mich immer wieder überrascht und inspiriert.

Bisher erschienen:
Teil 1
Teil 2
Teil 3

Infos zu den Hirten- und Krippenliedern 2013

Termine:
Mittwoch: 11.12.2013, 19 Uhr
Freitag: 13.12.2013, 19 Uhr
Sonntag: 15. 12. 2013, 19 Uhr
Antoniuskirche, Paulustorgasse 11, 8010 Graz
Nähere Informationen: +43-316/8017-9899 und -9878
Kartenvorverkauf: täglich von 8-14 Uhr im Infopoint des Volkskundemuseums, keine Kartenreservierungen möglich! An den Veranstaltungstagen sind Restkarten bis 19 Uhr erhältlich. 

Kategorie: Kunst- & Naturvermittlung
Schlagworte: Hirten- und Krippenlieder


Folgende Beiträge sind für dich interessant:

  • Die Hirten- und Krippenlieder in der Antoniuskirche – das Original seit 1916 In dieser Woche startet der Kartenvorverkauf für die diesjährigen Konzerte. Das nehmen wir zum Anlass, um die Hirten- und Krippenlieder in einer Mini-Serie näher vorzustellen. Hintergrundsituation In den wildesten Kriegsjahren baute Viktor Geramb das Volkskundemuseum auf. Nach […]
  • Hirten- und Krippenlieder in der Antoniuskirche, Teil 2 Prominenter Unterstützer für die Hirten- und Krippenlieder Wie in Teil 1 dieser Serie bereits erwähnt, waren es vor allem Viktor Geramb und Viktor Zack, die im Wesentlichen das Programm für die Hirten- und Krippenlieder aufbereiteten. Aber auch der damalige Landeshauptmann Edmund […]
  • Die Hirten- und Krippenlieder in der Antoniuskirche des Volkskundemuseums, Teil 3 Vielfältige Musik – eine gelungene Mischung In der verwendeten Musikliteratur zeichnete sich in den alljährlichen Programmzusammenstellungen stets eine Mischung aus bekannten, traditionellen Liedern und exemplarischen Neubearbeitungen oder Neukompositionen ab. Einige Instrumentalstücke […]
  • Von böhmischen Dudelsäcken und unbekannten Engelsliedern ME: Sie leiten heuer zum siebenten Mal die „Hirten- und Krippenlieder“ in der Antoniuskirche. Wann hatten die ersten Proben für die heurigen Aufführungen schon begonnen? ZR: Wir haben bereits im September begonnen. Da waren alle noch frisch erholt von den Ferien, und vor allem waren […]
  • Die Hölle hinter der Idylle – überraschendes Recycling in der Antoniuskirche Beispiele aus der Alten Galerie oder der Neuen Galerie Graz haben bereits gezeigt, dass manche Kunstwerke bei genauerer Betrachtung eine überraschende „Vorgeschichte“ offenbaren. So verhält es sich auch mit der „Rantener Krippe“ aus der Sammlung des Volkskundemuseums, auf deren gemaltem […]
  • Wenn Biene Maja mit Struwwelpeter in den Krieg zieht Mithilfe von mehr als 200 Objekten und unzähligen Fotos – teils aus den Beständen des Joanneums, großteils von öffentlichen und vor allem aus Privatsammlungen – macht Kurator Helmut Konrad die Auswirkungen vor Ort sowie die große Entwicklung im Regionalen nachvollziehbar. Aber wie […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Benutzen Sie diese HTML Tags und Attribute:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>