Tiffani Felser, Elisabeth Schlögl und Lena Langmann im ersten Obergeschoss des Wintersportmuseums

Tiffani Felser, Elisabeth Schlögl und Lena Langmann im ersten Obergeschoss des Wintersportmuseums, Foto: Barbara Schönhart

9. August 2021 / Elisabeth Schlögl

Wintersport im Sommer – ein Beratungsbesuch im Themenmuseum in Haus im Ennstal

Museumsforum

Anlass unseres Besuchs im Wintersportmuseum Ende Juli ist die bevorstehende Inventarisierung der Sammlung durch die Museumsmitarbeiterin Tiffani Felser. Was dieses Museum mit Australien, dem ersten Tourismus in der Region und skurrilen Wintersportgeräten zu tun hat, kann hier im Blog nachgelesen werden.

Tiffani Felser, Elisabeth Schlögl und Lena Langmann im ersten Obergeschoss des Wintersportmuseums

Tiffani Felser, Elisabeth Schlögl und Lena Langmann im ersten Obergeschoss des Wintersportmuseums, Foto: Barbara Schönhart

Tiffani Felser mit Schleppliftteilen aus Holz, Foto: Universalmuseum Joanneum/Lena Langmann

Wo und wie anfangen mit der Sammlungsinventarisierung?

Gemeinsam mit meiner zukünftigen Kollegin und Restauratorin Barbara Schönhart sowie unserer Fachpraktikantin und Kunstgeschichte-Studentin Lena Langmann fanden wir Antworten auf diese Frage und boten konkrete Hilfestellungen zur Ausgangssituation an. Nachdem wir einen Einblick in die Sammlungsbereiche und Objektgruppen erhalten haben, skizzierten wir Schritt für Schritt anhand eines ersten Leitfaden-Entwurfs (dieser wird bald auf unserer Webseite veröffentlicht) den möglichen Inventarisierungsablauf und gaben Empfehlungen in Bezug auf notwendige Vorarbeiten, zum Beispiel das Beschriften und Aufräumen des Depots, um Platz zu schaffen, oder die rechtliche Klärung der Objekte – was ist Eigentum und was ist Besitz, denn nur Eigentum kann in ein Inventar aufgenommen werden und beispielsweise Leihgaben nicht.

Das Museum und Australien

Tiffani Felser – Mitarbeiterin der Gemeinde und Museumsverantwortliche ‒ ist gebürtige Australierin. Nach Haus hat sie die Liebe gebracht. Seit 15 Jahren lebt sie gemeinsam mit ihrer siebenköpfigen Familie in der Gemeinde und seit drei Jahren hat sie die Sammlungs- und Museumsarbeiten von ihrem Vorgänger Willi Wawra übernommen. „Gar nicht vordergründig, weil ich so außerordentlich vom Wintersport begeistert bin, sondern weil mir die Arbeit im Museum sehr viel Freude macht und es sehr interessant ist“, sagt sie selbst.

Willi Wawra, der dem Museum seit dessen Entstehung 1996 viel persönliches Engagement und Interesse entgegenbrachte, ist heute 91 Jahre alt. Bei seinen regelmäßigen Besuchen steht er Tiffani für Oral-History-Aufnahmen und Nachfragen aller Art zur Verfügung. Beispielsweise über die Ausgangssituation der Entstehung des Museums: Der Ankauf der Privatsammlung von Herbert Thaller durch die Gemeinde 1995 war der erste Schritt zur Museumsgründung. Ein Vorzeigebeispiel, wie generationenübergreifendes Arbeiten gelingen kann und die personelle und fachliche Nachfolge in der Museumsarbeit somit gesichert bleibt. Beide wissen ihren Beitrag zum Erhalt des im Wintersportmuseum vorhandenen kulturellen Erbes und der damit verbundenen Landesg’schichten gegenseitig zu schätzen.

Außenansicht Wintersportmuseum Haus im Ennstal im ehemaligen Zehentspeicher, Foto: Universalmuseum Joanneum/Lena Langmann

Erster Tourismus in der Region um 1910

Zahlreiche Reproduktionen historischer Fotografien, historische Trageobjekte und ein Modell der Schutzhütte am Hauser Kaibling (heute Krummholzhütte) sind Zeichen- und Bedeutungsträger für den ersten Tourismus in der Region. Als die Schutzhütte an einen Wiener Verein verpachtet wurde und sog „Sportzüge“ von Wien nach Bischofshofen geführt wurden, kamen nach und nach mehr Städter*innen und lernten Wintersportarten kennen: Gasselfahren mit Haflingern, Rodeln, Eisstockschießen und natürlich Skifahren.

1967 wurde die „Krummholz-Abfahrtsstrecke“ von der FIS gemäß den Bestimmungen der internationalen Wettlaufordnung zugelassen und war damit die erste Rennstrecke in der Steiermark – Willi Wawra hat umfangreiche Dokumentationen darüber gesammelt und damit regionale Geschichte dokumentiert. Zur lokalen Besonderheit gehört auch der frühe Skiunterricht in Schulen – Skifahren war bereits um 1900 Teil des Turnunterrichts.

Einblick in die Ausstellung mit dem Modell der Krummholzhütte, Foto: Universalmuseum Joanneum/Lena Langmann

Skurrile Wintersportgeräte

Wahre Wintersportbegeisterte können viel Bekanntes, aber auch Skurriles in der Sammlung entdecken. Vom Einstecken-Skifahren, Monoski, verschiedenen Ski-Bindungen (nach Georg Bilgeri, nach Mathias Zdarsky) und der damit verbundenen Verbesserung der Skifahr-Techniken über historische Skibobs bis zu umfangreichen Sammlungen an Skischuhen (vom Lederschuh/Bergschuh und dem Vollgummi-Schuh der 1970er-Jahre bis zur Vollkunststoff-Ausführung der 1990er-Jahre) oder Holz-Schleppliftteilen. Ein besonders skurriles Objekt ist der Snowsurfer aus österreichischer Produktion ‒ ein erstes Snowboard-ähnliches Vehikel, das auch zu Tiffanis Sammlungshighlights zählt, weil sie einen persönlichen Bezug dazu hat, wie sie erzählt.

Ein historischer Skibob

Ein historischer Skibob, Foto: Barbara Schönhart

Snowsurfer „Fuzzy“ aus österreichischer Produktion, ein Snowboard-Vorläufer, Foto: Universalmuseum Joanneum/Lena Langmann

Perspektiven der Weiterentwicklung

„Meine Generation war großteils dem Snowboarden verschrieben – ich bin auch heute noch Snowboarderin – und hier fehlen die Objekte und die damit verbundene regionale Geschichte in der Sammlung. Ich denke da an Blue Tomato – mein Mann erinnert sich gerne daran, dass er in Schladming in einer Autogarage sein erstes Snowboard gekauft hat. Diese Garage war der erste Blue-Tomato-Store. Heute ist das ein erfolgreicher Weltkonzern.“

Wir sind gespannt auf die Weiterentwicklung der Sammlung und überzeugt davon, dass deren Inventarisierung dazu beitragen wird, das Sammlungsprofil weiter zu schärfen und Inspirationen für weitere Sammlungsziele und Ausstellungen zu bringen.

 

Hier geht’s zur Homepage des Wintersportmuseums der Marktgemeinde Haus!

Kategorie: Museumsforum
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