Verkleinertes Leinwand-Gemälde: Bemalte Areale befinden sich im Umschlag des Gemäldes; Foto: Paul-Bernhard Eipper

13. Dezember 2014 / Paul-Bernhard Eipper

Was nicht passt, wurde passend gemacht: Gemälde-Beschneidungen

Konservieren & Restaurieren

In unserem letzten Beitrag zur Blogserie Genauer hinsehen haben wir von Gemälden berichtet, die „angestückt“, d. h. vergrößert wurden, um sie für eine bestimmte Präsentationsform nachträglich passend zu machen. Die Originalgröße eines Kunstwerks kann aber auch in der umgekehrten Richtung manipuliert werden: Mittels sogenannter „Beschneidungen“ schnitt man Bilder etwa für ausgewählte kleine Zierrahmen zurecht.

Drastisches „Gesundschrumpfen“

Viel häufiger waren allerdings Beschädigungen der Anlass für eine Beschneidung: War eine Bildleinwand etwa durchstoßen, behalf man sich damit, das Gemälde vorderseitig vom Spann- bzw. Keilrahmen abzuschneiden – den beschädigten Teil des Bildes hat man gleich mit abgeschnitten. Dadurch verkleinerte sich das ursprüngliche Format zumindest um den Umspann. Oft verloren Gemälde dadurch auch ihre originale Signatur, welche zumeist in den Randbereichen der Gemälde zu finden ist. Beobachtungen der Mal- und Materialtechnik, vor allem an den Malkanten, sind dabei den Mitteln der Stilkritik objektiv überlegen. Heute würde man eine durchstoßene Leinwand natürlich nicht mehr mit solchen drastischen Maßnahmen „retten“. Derartige Beschädigungen können etwa mittels Rissverschweißung exakt geschlossen werden.

Schon in Zusammenhang mit nachträglich vergrößerten Leinwänden haben wir festgestellt, dass Restaurierungsmethoden, die heute undenkbar erscheinen, einen Teil ihrer Geschichte ausmachen, weswegen auch für beschnittene Gemälde gilt: Habent sua fata pinaces – Bilder haben ihre Geschichte!

Text: Paul-Bernhard Eipper

 

Kategorie: Konservieren & Restaurieren
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