14. Mai 2018 / Barbara Steiner

Haegue Yang im Kölner Museum Ludwig und Art Cologne

Kunsthaus Graz

Am 17.4. erhielt Haegue Yang den renommierten Wolfgang-Hahn-Preis. Zeitgleich wurde im Museum Ludwig ihre Ausstellung ETA 1994 – 2018 eröffnet. Diese gibt einen exzellenten Einblick in das Schaffen der Künstlerin: von Skulpturen, performativen Objekten über Lackbilder, Fotografien, Papier- und Videoarbeiten hin zu raumgreifenden Installationen.

Köln war definitiv eine Reise wert: am Abend der Ausstellungseröffnung traf ich Kolleginnen und Kollegen, Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt, darunter auch einige, die ich schon länger nicht gesehen hatte. Am nächsten Tag ging es dann zur Preview der Art Cologne. 

Die Abkürzung ETA mag auf den ersten Blick Rätsel aufgeben, doch vor dem Hintergrund der Biografie von Haegue Yang klärt sich diese schnell: Es­ti­mat­ed Time of Ar­ri­val“ (voraussichtliche Ankunftszeit). Das heißt, der Ausstel­lungsti­tel verweist auf per­ma­nen­te Ortswech­sel der Kün­st­lerin, die in Seoul und Ber­lin lebt, in Frankfurt am Main an der Städelschule unterrichtet und seit 1994 in­ter­na­tio­n­al ausstellt.

Dies erzeugt – wie es im Ausstellungsführer heißt – „Gefühle von Heimatlosigkeit, Aufbruchsstimmung und die Sehnsucht nach einem ‚Ankommenʻ bei gleichzeitiger Ablehnung eines ‚Angekommen-Seinsʻ.“ Und genau diese Gemengelage spiegelt sich auch in den Arbeiten der Künstlerin.

In dieser Hinsicht mit am berühmtesten ist Yangs Storage Piece, das wir in Graz fast gezeigt hätten 2004 verpackte und stapelte die Künstlerin ihre bis dato unverkauften Arbeiten auf Europaletten und stellte sie unter dem Titel Lagerstück in London aus. Grund war:

Yang hatte damals kein Geld, um ein Lager anzumieten. Es ist eine sehr offensive Art und Weise, mit Mechanismen des Kunstbetriebs und an Künstler/innen gerichtete Erwartungen umzugehen, immer wieder neu zu produzieren, aber nicht unbedingt verkaufen zu können.

Besonders begeistert war ich von der räumlichen Szenografie der Ausstellung, die sich über 1500 Qua­drat­me­ter Fläche er­streckt. Yang transformierte die üblichen weißen Stellwände in modulare, geometrische Faltungen. Vom Eingang kommend waren die Wände weiß, schaute man zurück, sah man deren Konstruktion. Dazwischen ihre Werke und Werkgruppen – von den frühen Arbeiten, die noch während ihrer Studienzeit an der Städelschule entstanden sind, über die Vulnerable Arrangements – Seven Basel Lights, den Hardware Store Collages und Trustworthies zu 5, Rue Saint-Benoit und Mountains of Encounter, der Lieblingsarbeit des Direktors des Museums Ludwig. Diese große Installation konnte dann auch dank der Gesellschaft für moderne Kunst für das Haus angekauft werden kann.

Eine (sehr) kleine Ausgabe von VIP’s Union gab es ebenfalls – entsprechend lautet der Titel auch VIP’s Union Petite. Im Unterschied zu Graz fragte man ausschließlich in der Öffentlichkeit bekannte, äußerst prominente Kölner Persönlichkeiten aus den Bereichen Kultur, Politik, Wirtschaft, Arbeit und Soziales, Wissenschaft, Medien, Unterhaltung und Sport um Leihgaben – darunter die Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der Fußballer Lukas Podolski.

Art Cologne 

Die 52. Art Cologne hat mich positiv überrascht, nachdem ich diese mehrere Jahre nicht besucht hatte. Hochkarätige Kunst und Top-Galerien! Ursprünglich gab es wohl Befürchtungen, dass die mehr oder weniger zeitgleich angesetzte Art Brussels sich ungünstig auf das Kölner Pendant auswirken würde, doch es sieht nicht so aus – vermutlich auch deshalb, da das Rheinland und Ruhrgebiet (nach wie vor) reich an Sammlerinnen und Sammlern sind und auch die Museumsdichte enorm ist. Dem Direktor, Daniel Hug, scheint es tatsächlich gelungen zu sein, den Standort erneut auf die internationale Landkarte zu bringen.

Kategorie: Kunsthaus Graz
Schlagworte: Logbuch Barbara Steiner


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