Christoph Büchel, O.T. (Düsseldorf), 2001/2006 Foto: Ludger Paffrath, Berlin

2. Juli 2016 / Barbara Steiner

Beim Sammler Axel Haubrok, Berlin

Kunsthaus Graz | Museumsalltag

Vor meinem offiziellen Dienstantritt in Graz besuchte ich den Sammler Axel Haubrok in Berlin.

Axel Haubrok bezog 2013 ein großes Areal im Osten der Stadt, auf dem sich zu DDR-Zeiten die „Fahrbereitschaft Lichtenberg“ befand („Abteilung für Verkehr der SED“). Dort zeigt das Ehepaar Haubrok seine Sammlung in Form von Ausstellungen mit verschiedenen Schwerpunkten. Als ich im Juli das Eingangstor passierte, sah ich bereits den Aufkleber „BRD“ – ein Hinweis auf den Schwerpunkt 2016. Gezeigt werden künstlerische Positionen, die sich auf unterschiedlichen Ebenen mit der Geschichte und Kultur der Bundesrepublik Deutschland befassen oder dort wesentliche Prägungen erfahren haben. Derzeit sind Arbeiten von Peter Piller, Karin Sander, Hans-Peter Feldmann, Georg Herold und anderen zu sehen. Reizvoll fand ich, dass sich die Ausstellung über sehr verschiedene Gebäude des Geländes erstreckt. Die „Fahrbereitschaft“ – Haubrok hat den Namen übernommen – ist jedoch kein reiner Kunstort, sondern auch ein Ort, an dem sich rund 60 Gewerbebetriebe – von Kfz-Werkstätten über Schreinereien bis hin zu Lackierereien – und einige Ateliers befinden.

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Fahrbereitschaft, Berlin, 2016, Foto: Ludger Paffrath, Berlin

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Fahrbereitschaft, Berlin, 2016, Foto: Ludger Paffrath, Berlin

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Fahrbereitschaft, Berlin, 2016, Foto: Ludger Paffrath, Berlin

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Fahrbereitschaft, Berlin, 2016, Foto: Ludger Paffrath, Berlin

Der Grund, der mich zu Axel Haubrok führte, ist das sogenannte Storage Piece der koreanischen Künstlerin Haegue Yang. 2003 war sie zu einem Residenzprogramm für Künstler/innen in London eingeladen und wusste irgendwann einfach nicht mehr wohin mit all ihren (unverkauften) Arbeiten. So verpackte und verstaute sie diese auf Paletten. Barbara und Axel Haubrock kauften dann das Storage Piece auf dem artforum in Berlin und übernahmen damit auch Entscheidung und Verantwortung, wie damit künftig zu verfahren sei. Für ihre erste Präsentation entschieden sie sich, alle Arbeiten auszupacken und zu zeigen. Dazu entstand auch ein kleiner Katalog.

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Haegue Yang, Storage Piece, 2004 Installationsansicht Unpacking Storage Piece, haubrokshows, Berlin, Germany, 2007. Foto: Ludger Paffrath, Berlin

Zu meiner Zeit als Direktorin der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig wollte ich das Storage Piece unbedingt erwerben; doch ich konnte die Mittel für den Ankauf einfach nicht auftreiben. Nun bot sich im Rahmen der geplanten Einzelausstellung von Haegue Yang im Kunsthaus Graz die Möglichkeit, dieses zum Ausgangspunkt und Herzstück einer vier Jahre dauernden Personale zu machen. Unter vier Aspekten – „unfolding“ (entfalten), „pairing“ (sich paaren), „migrating“ (wandern) und „mutating“ (sich wandeln) – sollen die Arbeiten ausgepackt, zu den jeweiligen anderen Ausstellungen im Kunsthaus in Beziehung gesetzt und mit neuen Produktionen der Künstlerin ergänzt werden. Eröffnet wird die Schau am 22.6.2017; enden wird sie zeitgleich mit meinem Anstellungsvertrag am 30. Juni 2021. Der lange Zeitraum greift im Grunde genommen die prozessuale und zeitbasierte künstlerische Praxis von Haegue Yang auf, in der Veränderungen generell eine wichtige Rolle spielen.

Ende gut – alles gut

Als ich Axel Haubrok zum ersten Mal traf, war ich mir nicht sicher, ob er mir das Storage Piece für einen so langen Zeitraum überhaupt leihen würde. Vier Jahre sind sehr lang, und in dieser Zeit würde es dem Sammlerpaar nicht zur Verfügung stehen. Doch Haubrok war sofort mit meinem Vorschlag einverstanden – mit nur einer einzigen Bedingung: einen Katalog zu produzieren, der den Umgang des Kunsthauses mit dem Storage Piece zeigt.

 

Kategorie: Kunsthaus Graz | Museumsalltag
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