Morgenstund' hat Gold im Mund: Bereits um 6.45 Uhr beginnt der Arbeitstag für Fabian Egger (5.v.l.) und die Mitarbeiter des Aufbauteams.

24. Oktober 2018 / Elisabeth Eder

Ein Tag mit… Fabian Egger

Museumsalltag | Museumseinblicke | Werkstatt

Nach dem Abbau ist vor dem Aufbau: Improvisationstalent Fabian Egger über seinen Arbeitsalltag als Vorarbeiter in der Zentralwerkstatt und weshalb er nicht mehr nervös wird, wenn er einen Schiele oder ein Bild von Kokoschka in den Händen hält.

Abteilung Museumsservice, Referat Zentralwerkstatt

Mit einem fröhlichen „Guten Morgen“ und einem Lächeln auf den Lippen stürmt Fabian Egger bereits um acht Uhr morgens aus dem Lastenlift der Neuen Galerie und plaudert fröhlich los: „Wir sind hier gerade mitten im Abbau der Richter-Ausstellung in der Neuen Galerie.“ Begonnen hat der Tag für den 27-jährigen Vorarbeiter aber bereits vor vier Stunden, denn der gelernte Tischler lebt das Sprichwort „Morgenstund’ hat Gold im Mund“: „Ich möchte nicht, dass mein ganzes Leben nur aus Arbeit besteht, deshalb stehe ich meistens schon um vier oder halb fünf auf, genieße gemütlich meine zwei Kaffees und die eine oder andere Zigarette und gegen 6.15 Uhr bin ich dann meistens in der Arbeit.”

Vom starken Kaffee zu starken Nerven

Weniger gemütlich, dafür ziemlich schweißtreibend geht’s dann hier auf der Baustelle weiter: „Zurzeit haben wir vier verschiedene Baustellen, die wir rechtzeitig fertigbekommen müssen.“ Für Fabian Egger heißt das: Koordinieren, Improvisieren und vor allem eines: Anpacken! „Vorarbeiter bin ich offiziell seit 1. Jänner, beim Universalmuseum Joanneum angefangen habe ich aber bereits vor dreieinhalb Jahren“, erklärt der Grazer gut gelaunt und schmunzelt: „da lernt man schon auch mit stressigeren Situationen umzugehen.“ Denn nicht nur der Aufbau zählt zu den Aufgaben des Werkstattteams. In der Zentralwerkstatt in der Puchstraße wird in Dauerschleife für Ausstellungen produziert. „Auch interne Anliegen wie Inventarschränke und dergleichen werden von uns hergestellt“, erzählt er.

Das Geheimrezept für einen reibungslosen Ablauf kennt Fabian jedenfalls genau: „Ich glaube, gute Kommunikation und Respekt vor dem Können jedes einzelnen unseres 16-köpfigen Teams sind der Schlüssel zu einer so erfolgreichen Mannschaft, wie wir es sind – ganz egal wie stressig und strapaziös es manchmal sein kann“, bringt es Fabian auf den Punkt.

Voll im Einsatz: Ein Ohr von Fabian Egger liegt stets am Diensthandy.

Stets ein Ohr am Diensthandy

Wie stressig es wirklich im Aufbauteam werden kann, merkt man schon nach wenigen Minuten: Denn kaum im ersten Stock, also am vorläufigen Ort des Geschehens, angekommen, schallt der schrille Ton seines Diensthandys durch die mittlerweile kahlen Ausstellungsräume. „Es geht um Spanplatten, die wir für ein Kunstwerk verwendet haben und nun für eine andere Ausstellung wiederverwenden könnten“, schildert Fabian, der die Details innerhalb kürzester Zeit abklärt und im Schnellschritt zu seinen Kollegen eilt, um die Einzelheiten zu besprechen. Nachdem alles geklärt wurde, geht’s auch schon wieder zurück und gleichzeitig hoch hinaus. In „Nullkommanix“ steht der 27-Jährige nämlich auf einem Gerüst und schraubt fleißig Haken und Dübel aus der Decke, bis das Diensthandy zum nächsten „Notfall“ ruft. „Wir haben für eine Ausstellung Plexiglasfüße an einem Kunstwerk montiert, nun muss ich mit den Registraren klären, ob diese auch ohne Hilfe einer Restauratorin oder eines Restaurators wieder abgeschnitten werden dürfen“, erläutert Fabian und eilt zum wahrscheinlich sichersten Ort des Gebäudes – dem Kunstdepot, das etliche Kostbarkeiten beherbergt.

Apropos Kostbarkeit: Wie nervös wird man eigentlich, wenn man gerade dabei ist, ein unschätzbar wertvolles Kunstwerk zu montieren? „Ich denke da nicht zu lange darüber nach, sondern behandle jedes Kunstwerk so, als wäre es das kostbarste auf der Welt“, erklärt er. „Sonst bekommt man ja richtig Panik, wenn man auf einmal einen Schiele oder ein Bild von Kokoschka in den Händen hält“, schmunzelt Fabian, der auch privat ganz gerne der Kultur frönt.

 

Erst noch im Lastenlift, dann schon am Baugerüst in der Neuen Galerie – Flexibilität ist hier gefragt.

Erste Reihe fußfrei

Steht der hochmotivierte Vorarbeiter sonst an vorderster Front bei der Konstruktion der Ausstellungen, sitzt er auch privat ganz gerne in der ersten Reihe und zwar in der Grazer Oper: „In meiner Freizeit lese ich sehr viel und gehe unglaublich gerne ins Theater und in die Oper“, verrät der Kulturliebhaber.

Und auch außerhalb der Arbeitszeit trifft man den 27-jährigen des Öfteren im Museum an: „Ich liebe es, mir andere Museen und Ausstellungen anzusehen. Auch um zu vergleichen, wie die einzelnen Ausstellungen aufgebaut wurden“, schwärmt Fabian, während er behutsam die Plexiglasfüße von einem Kunstobjekt entfernt.

Neben Kunst und Kultur steht privat natürlich auch das Handwerken am Programm: „Ich habe alle meine Möbel selber gebaut. Mein Meisterstück ist ein selbstgebautes Bett, das ich sehr aufwendig innerhalb von 65 Arbeitsstunden mit einem Baumgemälde verziert habe“, erzählt der leidenschaftliche Tischler. „Und sagen wir so: Ich baue auch für meine Familie und Freunde sehr viel. Die Arbeit geht einem als Tischler halt nie aus“, lacht Fabian, der vor Kurzem auch das Wellenreiten für sich entdeckt hat: „Heuer war ich in Lissabon, um surfen zu lernen, das war wirklich ein Traum“, schwelgt Fabian ganz kurz in Urlaubserinnerungen, bis ihn das Diensthandy wieder in die Realität zurückholt und zum nächsten Fall ruft. „Das ist es auch, was ich so an meiner Arbeit liebe, die ständige Abwechslung“, strahlt er und eilt schon zur nächsten Baustelle.

 

Vor Kurzem hat Fabian Egger auch das Wellenreiten für sich entdeckt.

 

Auch in der Freizeit steht Handwerken am Programm. In 65 Arbeitsstunden hat Fabian etwa das Kopfende seines Bettes aufwendig verziert.

 

Fotos: Elisabeth Eder/Fabian Egger

Kategorie: Museumsalltag | Museumseinblicke | Werkstatt
Schlagworte: Zentralwerkstatt


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