5. Januar 2017 / Niki Knopp

Buchpräsentation: „Die Mur in Graz. Das Grüne Band unserer Stadt.“

Forschung | Naturkundemuseum

Am 13. Dezember 2016 fand im Naturkundemuseum die Präsentation des mit 272 Seiten und 850 hervorragenden Fotos sehr umfangreichen Buches über den Grazer Fluss statt. Der Veranstaltungsort war nicht nur aufgrund seiner geografischen Nähe zur Mur ausgewählt worden, auch einige der 44 Autorinnen und Autoren arbeiten am Universalmuseum Joanneum – beispielsweise der Laufkäferexperte und Leiter der Abteilung Naturkunde Wolfgang Paill, der Pilzfachmann Gernot Friebes oder der Historiker Gerhard Dienes.

Von Eintagsfliegen, Huchen und Flatter-Ulmen

Die von etwa 120 Personen besuchte Präsentation bot einen Einblick in die Vielfalt von Themen, Fotos sowie Autorinnen und Autoren. Das Buch beleuchtet unterschiedliche Aspekte der Mur: Kulturhistorische Betrachtungen finden sich ebenso wie Spotlights auf Sport- und Freizeitmöglichkeiten, den Wasserdienst der Feuerwehr oder die Brückenquartiere von Obdachlosen. Schwerpunkt des Buches ist allerdings die Tier-, Pflanzen- und Pilzwelt in und entlang der Mur.

Die Fauna und Flora an und in diesem mitten durch die zweitgrößte Stadt Österreichs ziehenden Fluss ist beachtlich. Geschützte Tiere wie Huchen, Würfelnatter oder Fledermäuse finden sich zwischen Flatter-Ulmen, Surf-Wellen und Murnockerln.

Es ist bemerkenswert, dass der größte lachsartige Fisch – der Huchen – am Fuße des Schlossberges eine selbst reproduzierende Population bildet. Er benötigt längere barrierefreie Fließstrecken, in denen sich sowohl ruhigere Gewässer für Jungtiere befinden (z.B. im Strömungsschatten größerer Felsblöcke oder von Wurzeln) als auch fließende Gewässer, in den sie ihre Beute fangen können.

Sogar die streng geschützte Würfelnatter findet sich mitten im Stadtgebiet am Murufer. Der Lebensraum dieser ungiftigen Schlange sind strukturreiche, saubere Fließgewässer mit Flachwasserzonen, in denen sie kleine Fische fängt. Darüber hinaus benötigt sie eine mindestens 10 m breite Uferböschung. Es konnte festgestellt werden, dass die Würfelnatter entlang der Mur wandert. Ein Staubecken würde dazu führen, dass der Untergrund mit einer dicken Schicht aus Feinsediment bedeckt würde, an dem die Schlange keinen Halt mehr findet, um auf ihre Beute zu lauern – abgesehen davon, dass diese Beutefische das dann steile Ufer meiden würden.

Die meisten der Autorinnen und Autoren, die an diesem Abend zu Wort kamen, gingen auf das geplante Kraftwerk in Puntigam ein. Teils sehr emotional bekräftigten sie, dass das Kraftwerk und die dadurch zu einem Staubereich veränderte Mur den Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten zerstören würde. Abgesehen von den Tausenden Bäumen, die abgeholzt werden müssten.

Der Herausgeber Johannes Gepp ging unter anderem auf die Bedeutung der Flussuferbäume ein. Jeder der durchschnittlich 65 Jahre alten 20.000 Bäume entlang der Mur im Grazer Stadtgebiet besitzt ein Kronendach, das 125 Jungbäumen entspricht. Aufgrund der Flussnähe haben sie eine höhere Verdunstung als andere Stadtbäume und tragen damit – und durch die Beschattung – zur Kühlung der Umgebung bei. Ihr Laub und das der Sträucher bindet Feinstaub und leistet dadurch einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität. Wird die für das Murkraftwerk notwendige Schlägerung von 8.000 Bäumen durchgeführt, wird es Jahrzehnte dauern, bis dieser Standard wieder hergestellt werden kann.

Ich möchte diesen kurzen Bericht mit den Worten von Romana Ull abschließen, die ihrer Hoffnung Ausdruck verlieh, dass dieses Buch nur ein Zwischenbericht über die reichhaltige Fauna und Flora inmitten von Graz ist, und nicht schon in wenigen Jahren ein Blick auf eine unwiederbringlich verlorene Landschaft.

Zur Kritik am Kraftwerksbau sei auch auf diesen Artikel der Tageszeitung „Die Presse“ verwiesen: Alles im grünen Bereich?

Alle Fotos wurden freundlicherweise vom Naturschutzbund Steiermark zur Verfügung gestellt, Fotos: Zeschko, Krok, Podlipnig, Gebhartd

Buchtipp:

Gepp J. (Hrsg) 2016: Die Mur in Graz. Das Grüne Band unserer Stadt. Freya Verlag, 272 Seiten
ISBN: 987-3-99025-293-2

Kategorie: Forschung | Naturkundemuseum
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