Maria Froihofer bei der Sichtung von Filmbeständen in der Marktgemeinde Neumarkt in der Steiermark, 2016/05/23. Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

23. Mai 2017 / Walter Feldbacher

Auf medienhistorischer Spurensuche: Das war die „Landesaufnahme“

Museum für Geschichte

Mit dem Projekt „Landesaufnahme – Rettung des steirischen analogen fotografischen und audiovisuellen Erbes“ leisteten die Multimedialen Sammlungen des Universalmuseums Joanneum österreichweit Pionierarbeit: Erstmals wurde im Rahmen eines Projekts der Versuch unternommen, mittels Befragungen von sämtlichen Gemeindearchiven und Regionalmuseen eines Bundeslandes (Erst-)Informationen über dort vorhandene analoge fotografische und audiovisuelle Bestände zu erheben. Dass dieses Projekt in mehrerlei Hinsicht ein Wagnis darstellte, war den Projektverantwortlichen stets bewusst. Mit Ende 2016 konnte die „Landesaufnahme“ erfolgreich abgeschlossen werden.

Im Rahmen des Projekts „Landesaufnahme“, gefördert vom Land Steiermark, Abteilung 8 Gesundheit, Pflege und Wissenschaft, Referat Wissenschaft und Forschung, durften die Mitarbeiter/innen der Multimedialen Sammlungen 25 Institutionen (Museen und Gemeindearchive) besuchen. Zentrale Inhalte dieser Besuche waren neben konservatorischen Beratungsgesprächen – etwa zur fachgerechten Verpackung und Lagerung von fotografischen und audiovisuellen Materialien – die Sichtung der jeweiligen analogen Foto-, Film-/Video- und Tonbestände sowie Hilfestellung beim Ausfüllen des Fragebogens.

Zu Gast bei steirischen Gedächtnisinstitutionen

Das Ergebnis der Befragung hat letztlich positiv überrascht: 570 Fragebögen wurden an 286 Gemeindearchive und 284 Museen versendet. Nach Projektende freuten sich die Multimedialen Sammlungen über insgesamt 246 Rückmeldungen (43,16 %), davon enthielten 86 Fragebögen (34,96 %) inhaltlich auswertbare Bestandsmeldungen. Darin wurden insgesamt 483.508 fotografische Objekte, 3.814 Filmdokumente und 917 Tondokumente genannt.
Die Besuche bei den diversen Institutionen brachten überaus interessante Erkenntnisse zur steirischen Fotogeschichte, insbesondere zu Biografie und Werk regionaler Fotografinnen und Fotografen. Die Auswertung der retournierten Fragebögen wie auch die unzähligen Gespräche mit den meist ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den steirischen Gemeindearchiven und Museen zeigten zudem, dass sämtliche Gedächtnisinstitutionen mit der Herausforderung einer meist sehr zeitintensiven systematischen Inventarisierung und inhaltlichen Erschließung von Medienobjekten konfrontiert sind. Mangelndes konservatorisches Fachwissen sowie begrenzte Personal- und Zeitressourcen kommen oft erschwerend hinzu.

Museumsstammtisch im Heimatmuseum Grafendorf, 2016/02/26. Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Von Schwierigkeiten und Chancen

Letztlich stößt man auf die gleichen Herausforderungen und Fragestellungen, wie sie seit Jahren auch die großen Museen, Archive und Sammlungen beschäftigen. Denn auch sie sind gezwungen, sich mit der Frage des drohenden Verlorengehens der analogen Originale auseinanderzusetzen. Auch sie begegnen diesem Szenario mit dem „Allheilmittel“ der Digitalisierung und bemühen den Gemeinplatz der „Digitalen Langzeitarchivierung“, als würden ein Office-Scanner und eine externe Festplatte etwas zu leisten vermögen, was bis dato zahlreiche internationale Forschungsprojekte nicht wirklich entwickeln konnten, nämlich ein originales medienhistorisches Objekt, im Regelfalle unikalen Charakters, durch ein Digitalisat zu ersetzen und damit zu bewahren.

Der Projektbericht zeigt, dass sich jedenfalls ein umfangreiches sowie kultur- und zeitgeschichtlich wertvolles analoges fotografisches und audiovisuelles Erbe in der Steiermark findet. Leider ist aber auch schon vieles davon in den letzten Jahrzehnten unwiederbringlich verlorengegangen. Mit dem Projekt „Landesaufnahme“ verfolgten die Multimedialen Sammlungen neben der Erhebung und Verortung von historischen Medienobjekten in den steirischen Gemeindearchiven und Regionalmuseen das Ziel, ein Problembewusstsein zu schaffen und sich mit ihren fachlichen Kompetenzen und Erfahrungen als Kooperationspartner anzubieten. Ein erster Schritt ist getan!

Sammlung Fauth – ein fotoarchäologischer Schatz

Absolutes Highlight des Projekts „Landesaufnahme“ war die Bergung von über 12.000 Glasplattennegativen samt Begleitmaterialien vom Heuboden der Fotografenfamilie Fauth in Korbin bei St. Peter im Sulmtal. Dieser zeit- und kulturhistorisch außergewöhnliche Bestand ist im Schenkungswege in die Multimedialen Sammlungen eingegangen. Eine Auswahl dieser fotografischen Aufnahmen ist derzeit im Museum für Geschichte in der Ausstellung Fauth fotografiert. Ein weststeirisches Hof-Atelier zu sehen.

Mehr Informationen zum Projektverlauf sowie Zahlen, Fakten und Eindrücke kann man im nun vorliegenden Endbericht zur „Landesaufnahme“ nachlesen.

Walter Feldbacher und Heimo Hofgartner bei der Sichtung fotografischer Bestände in den Multimedialen Sammlungen, 2016/09/19. Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Die Multimedialen Sammlungen bedanken sich herzlichst bei allen Projektpartnerinnen und Projektpartnern für ihre Unterstützung!

 

Kategorie: Museum für Geschichte
Schlagworte: Landesaufnahme | Multimediale Sammlungen


Folgende Beiträge sind für dich interessant:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Benutzen Sie diese HTML Tags und Attribute:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>