Museum für zeitgenössische Kunst, Belgrad © Mirjana Boba Stojadinović

1. November 2017 / Barbara Steiner

Zur Wiedereröffnung des Museums für zeitgenössische Kunst (Muzej Savremene Umetnosti) in Belgrad

Kunsthaus Graz

Am 20.10. wurde in Belgrad, in Ušće, das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst wiedereröffnet, nachdem es 10 Jahre leer gestanden hatte. Das zwischen 1960 und 1965 errichtete Gebäude von Ivan Antić and Ivanka Raspopović, ein Meilenstein der Architekturmoderne, wurde in den letzten Jahren behutsam saniert. Entsprechend groß waren das Interesse und der Andrang. Interessierte Besucher/innen konnten ab 20.10. sieben Tage lang – jeweils 24 Stunden am Tag – das Museum besuchen, das in einem Park an der Mündung von Sava und Donau gelegen ist.

Eine Region

Auf Einladung des Museums reiste ich – wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen aus Rumänien, Bulgarien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien und Slowenien – zu den Eröffnungsfeierlichkeiten. Die Zusammensetzung der Eingeladenen machte deutlich, wie sehr man sich heute als Teil einer Region begreift, die sich von Österreich bis nach Bulgarien erstreckt. Nach der Einführung in die Sammlungsausstellung durch die Kuratoren Zoran Erić und Dejan Sretenović gab es ein Treffen mit den Kolleginnen und Kollegen, in dem auch gegenwärtige und künftige Kooperationen Thema waren. Ich konnte diese Gelegenheit nutzen, um mit Snjezana Pintarić, der Direktorin des Muzej Suvremene Umetnosti (MSU) in Zagreb, die Übernahme unserer Architekturausstellungen zu besprechen. Leider werden nicht alle Werke nach Zagreb gehen, denn manche Exponate sind einfach zu empfindlich, um so lange ausgestellt werden zu können.

Die Sammlungspräsentation

Die Sammlung des Museums für zeitgenössische Kunst ist beeindruckend, ist es den Museumsverantwortlichen doch gelungen, über die Jahre Schlüsselwerke der jugoslawischen und serbischen Kunst zu erwerben. Diese zu zeigen, birgt allerdings eine Reihe potenzieller Konflikte, die von den Kuratoren bestens umschifft werden konnten. Denn man zeigte in 18 Sequenzen Avantgarde neben bürgerlichen Kunstauffassungen, vom Staat akzeptierte oder gar geförderte Kunst neben kritischen Artikulationen und wohl am wichtigsten: Kunst aus später verfeindeten Teilen Ex-Jugoslawiens. Das Gebäude, in dem verschiedene Raumzonen ineinander übergehen, unterstützte diesen kuratorischen Ansatz des Neben-, aber auch Miteinanders. Auf diese Weise konnte man ideologische und ästhetische Kollisionszonen geschickt vermeiden und die Werke in Beziehung zueinander setzen.

DAS Museum in Belgrad

Als ich am nächsten Morgen mit einem Kollegen zum „Museum des 25. Mai“ fahren wollte – das zu Ehren von Tito, dem langjährigen jugoslawischen Staatspräsidenten, errichtet wurde – brachte uns der Taxifahrer nicht zum „Muzej Istorije Jugoslavije“, sondern zum „Muzej Savremene Umetnosti“.

Nachdem wir ihn auf den Fehler aufmerksam gemacht hatten, meinte er, dass er wohl nur „Muzej“ gehört habe und uns umgehend zum Museum für zeitgenössische Kunst gebracht habe, weil „da schließlich an diesem Wochenende alle hinwollten“. Etwas Besseres kann einem Museum gar nicht passieren!

Im „Museum des 25. Mai“ (Muzej 25. Maj), das wir dann doch noch erreichten, gab es die Ausstellung Tito in Afrika zu sehen. Titos Reisen in verschiedene afrikanische Länder zeugten von seinen politischen Bestrebungen, sich im Rahmen der „Blockfreien Bewegung“, die er mitbegründet hatte, mit in die post-koloniale Unabhängigkeit entlassenen oder kurz davor stehenden Ländern zu verbinden. Die blockfreien Staaten waren eine Organisation von Staaten, die weder der Nato noch dem Warschauer Pakt angehörten. 1961 gegründet, traten ihr viele afrikanische und asiatische Staaten bei.

Das Museum des 25. Mai wurde vom Architekten Mika Janković entworfen und im Rahmen der Feierlichkeiten zu Titos offiziellem 70. Geburtstag am 25. Mai 1962 dem jugoslawischen Staats- und Parteichef von der Stadt Belgrad geschenkt.

 

Kategorie: Kunsthaus Graz
Schlagworte: Logbuch Barbara Steiner


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