21. März 2019 / Barbara Steiner

Zu Gast bei Jorge Pardo in Mérida/Mexiko

Kunsthaus Graz | Museumseinblicke

Der kubanisch-amerikanische Künstler Jorge Pardo hat seine gesamte Produktion und sein Studio vor ein paar Jahren von Los Angeles nach Mérida verlegt. Dort besuchte ich ihn Ende Februar. Zum einen, um Einblick in seine aktuelle Produktion zu bekommen, und zum anderen, um mit ihm gemeinsam Leihgaben für unsere Herbstausstellung zum Kunst_Handwerk zu überlegen. Vier Tage lang wohnte ich in Pardos Haus, das selbst ein Werk des Künstlers ist.

Jorge Pardo ist nicht nur Bildhauer, er hat auch eine Reihe von Interieurs gestaltet sowie mehrere Häuser konzipiert und gebaut: etwa 4166 Sea View Lane in L.A., das Haus für Roberto Hernández und seine Frau Claudia Madrazo in Tecoh, Yucatán. Eines der bislang größten Unternehmungen realisierte Pardo im Auftrag der Mäzenin Maja Hoffmann: das Hotel L´Arlatan in Arles. Die Grenzen zwischen Architektur, Design und Kunst sind dabei fließend. Das Wohnhaus des Künstlers in Mérida ist von außen betrachtet unspektakulär und schreibt sich unauffällig in die Straßenfront ein. Dahinter entfaltet sich ein dreiteiliges Ensemble: Nach einem Eingangs- bzw. Empfangsraum, der auch für größere private Veranstaltungen genutzt wird, schließen sich ein erster Garten, Wohn- und Aufenthaltsräume, ein weiterer Garten und mehrere Schlafzimmer an. Alle Teile öffnen sich hin zu den Gärten. Nur der hintere Gebäudeteil der ebenerdig angelegten Anlage, der das Grundstück abschließt, ist zweigeschossig angelegt. Das Haus folgt funktionellen und ästhetischen Überlegungen gleichermaßen.

Die bis in Details durchdachte Planung wird auch im Studio des Künstlers sichtbar: Jorge Pardo Sculpture – so das Schild am Eingang. Die Abfolge der Räume folgt im Prinzip den Produktionsschritten der Arbeiten, von der Tischlerei bis hin zu den Räumen, in denen gemalt wird. Zwischen 17 und 24 Personen aus verschiedenen handwerklichen und technologischen Bereichen arbeiten für Pardo. Im Eingangsbereich befindet sich ein riesiges Hochregal: Es entspricht dem Fassungsvolumen eines Schiffscontainers und dient der Überprüfung, wie viele Werke jeweils auf diesem Wege verschickt werden können. Für die Grazer Ausstellung werden wir eine solche Struktur bauen. Diese soll dann allerdings als Träger für die Arbeiten des Künstlers dienen, die mit dem Container aus Mexiko kommen. Das Hochregal wird also in den Räumen des Kunsthauses zum Displayelement. Die Auswahl fokussiert in Mexiko produzierte Arbeiten, die auch deutlich Einflüsse des Umfeldes in sich aufnehmen.

 

Kategorie: Kunsthaus Graz | Museumseinblicke
Schlagworte: Künstler/innen


Ein Gedanke zu “Zu Gast bei Jorge Pardo in Mérida/Mexiko

  1. Neeltje Forkenbrock

    Eine interessante Idee das Regal mit demselben Fassungsvermögen eines Containers auszustatten. Auf unserer Arbeit haben wir ein ähnliches System. Dort haben wir eine große Box, in die wir unsere verworfenen Objekte hineinwerfen. Diese Box hat dieselbe Größe, wie der Abfallcontainer draußen, sodass wir nie aus Nachlässigkeit zu viel Abfall produzieren.

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