6. Februar 2019 / Elisabeth Eder

Versteckte Orte im Universalmuseum Joanneum – Kunsthaus underground

Kunsthaus Graz | Museumsalltag

Mit Erik Ernst und Peter Rumpf 9,95 Meter unter dem Kunsthaus unterwegs.

Orte, die schwer zugänglich sind oder leicht übersehen werden, gibt es im Universalmuseum Joanneum zur Genüge. Gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und gehen in der Serie „Versteckte Orte im Universalmuseum Joanneum“ solchen verborgenen und spannenden Orten auf die Spur. Diesmal führen uns Erik Ernst, Leiter des Referats Facility Management, und Peter Rumpf, Haustechniker im Kunsthaus, in den Untergrund des Friendly Alien.

Kunsthaus underground
Wo Lüftungsschächte und Abluftabsauganlagen vor sich hin knattern, wo Heizungsrohre dampfen, Wasserleitungen rauschen, sich unendlich lange Stromkabel schlängeln, Schaltkästen surren und die Lämpchen der Brandmeldeanlage blinken, dort fühlen sich Peter Rumpf und Erik Ernst fast wie zu Hause. Die beiden „Allrounder“ sind nämlich die Herren der Haustechnik im Kunsthaus Graz. Sie führen hinter die Kulissen des Friendly Alien und geben einen Einblick in eine Welt abseits der Ausstellungsflächen.

Frischluft aus der Leitung
Um die Komplexität der Haustechnik zu erklären, geben Erik Ernst und Peter Rumpf ein kurzes Briefing im Space01, wo im Moment die Ausstellung Congo Stars gezeigt wird. „Jetzt stehen wir hier im Ausstellungsraum und können uns die Kunstwerke ansehen, aber man muss beachten, was alles im Hintergrund passiert“, beginnt Erik Ernst und öffnet eine schwere Brandschutztür, hinter der sich ein tiefer Schacht voller Kabel und Leitungen verbirgt: „Über diesen breiten Lüftungsschacht gelangt frische Luft vom Keller bis hier herauf zu den Ausstellungsflächen.“ Ein Blick durch den Schacht lässt erahnen, wie viel Technik, Expertenwissen und Arbeit hinter dem einwandfreien Betrieb des Kunsthauses steckt. Mehr Einblick soll nun ein kurzer Abstecher in die Needle geben, denn: Während andere hier die Aussicht von der gläsernen Galerie auf die blauen Acrylglasplatten, die „Skin“ des Kunsthauses, genießen, machen sich die beiden Techniker Gedanken über die „Adersysteme“, die unter den Platten verlaufen. „1.750 Meter Fibrolaserkabel (Temperaturmesskabel) verlaufen hier alleine für das Sprinklersystem“, erklärt Peter Rumpf. „Das komplette Dach ist in verschiedene Bereiche eingeteilt. Geht in irgendeinem der Bereiche der Brandmeldealarm los, schalten sich automatisch in diesem Bereich die Sprinkler ein“, führt Erik Ernst das Brandmeldesystem näher aus und setzt sogleich zur „Abfahrt“ ins Erdgeschoss an, um das Brandmeldesystem näher zu erklären, das in einem Schrank im Foyer des Kunsthauses eingebaut ist.

Um die Komplexität der Haustechnik zu erklären, geben Erik Ernst und Peter Rumpf ein kurzes Briefing im Space01, wo sich hinter einer Brandschutztür ein tiefer Schacht voller Kabel und Leitungen verbirgt.

 

Über einen breiten Lüftungsschacht gelangt frische Luft vom Keller bis nach oben in die Ausstellungsflächen.

 

Peter Rumpf erklärt, wie Frischluft in die Ausstellungsräumlichkeiten gelangt.

 

Unter der “Skin” verlaufen 1.750 Meter Fibrolaserkabel für das Sprinklersystem.

 

Im Erdgeschoss erklärt Erik Ernst das Brandmeldesystem des Hauses.

 

Ein paar Stockwerke in die Tiefe

Um der Sache noch weiter auf den Grund zu gehen, geht’s nun in den Untergrund der Bubble. Hier befindet sich unter anderem die „Brandmeldezentrale“, die Peter Rumpf wie seine eigene Westentasche kennt, schließlich führt er hier wöchentlich die Sprinklertests durch. „Wenn man die Rohre und Leitungen betrachtet, merkt man, wie dick sie hier unten sind und wie fein und dünn sie schließlich bis oben zum Dach verlaufen“, erläutert Erik Ernst anhand zweier Beispielrohre. „Es funktioniert wie ein ausgeklügeltes Adersystem, es verteilt sich alles bis an die Spitze.“ „Das gleiche Prinzip gilt auch bei der Stromversorgung“, fährt Peter Rumpf fort und führt durch die verwinkelten Gänge zu den unzähligen Sicherungskästen des Hauses. „Eigentlich funktionieren diese Schaltkästen, wie wir sie daheim in unseren Haushalten haben, nur dass bei einem Normalhaushalt zirka 16 Ampere fließen und hier haben wir 160 Ampere, also 10 Mal mehr“, schmunzelt der Elektrotechniker, bevor es weiter zu den Lüftungsanlagen geht.

In der Brandmeldezentrale führt Peter Rumpf wöchentlich die Sprinklertests durch.

 

Die dicken Rohre im Keller verteilen sich zu kleinen feinen Leitungen bis nach oben in die Ausstellungsräume.

 

Erik Ernst erklärt das ausgeklügelte “Adersystem” im Kunsthaus.

 

Bei einem Normalhaushalt fließen zirka 16 Ampere, hier im Kunsthaus rund 10 Mal mehr.

 

Erik Ernst erklärt das ausgeklügelte “Adersystem” im Kunsthaus.

 

Die dicken Rohre im Keller verteilen sich zu kleinen feinen Leitungen bis nach oben in die Ausstellungsräume.

 

Bei einem Normalhaushalt fließen zirka 16 Ampere, hier im Kunsthaus rund 10 Mal mehr.

 

Frischluftsystem

„Jede Anlage hier ist für einen bestimmten Bereich zuständig, zum Beispiel für die Frischluftversorgung im ersten Stock oder das Ableiten der Abluft“, beginnt Erik Ernst, während er durch den von orangen Kästen umgebenen Gang schreitet. Gesteuert werden diese „Kästen“ über Rechner im Nebenraum. „Hier sehen wir genau, wie hoch die Temperaturen in welchem Stockwerk sind oder ob die Luftfeuchtigkeit stimmt“, schildert Peter Rumpf und prüft am Bildschirm gleich die Luftfeuchtigkeit im Space01. „Hier haben wir gerade eine Luftfeuchtigkeit von 35 %, sein sollten es aber 47 %, das müssen wir schnell regeln“, springt er auf und eilt zur entsprechenden Anlage, vorbei an den Heiz- und Kühlanlagen und dem Pufferspeicher, der das kühle Wasser speichert. Bevor die frische Luft jedoch in die einzelnen Luftschächte und weiter in die Räume strömt, wird sie im Freien über drei breite Zylinder angesaugt und über einen schmalen Schacht zu den Rohren und davor durch Filter geleitet. „Wie wichtig diese Filter sind, merkt man, wenn man sie wechselt“, betont Peter Rumpf. „Das hier würde man alles einatmen“, betont er und zeigt am Ende unserer Tour auf einen der gebrauchten und komplett verschmutzten Filter. An welchem „versteckten“ Ort sich die beiden am liebsten aufhalten, ist auf alle Fälle klar: „Der schönste Ort ist die Terrasse auf der Needle. Der Ausblick und die Architektur, wenn die alten Häuser mit der BIX-Fassade verschwimmen, sind einzigartig“, schwärmen beide und werfen einen Blick über den Friendly Alien.

Jede der einzelnen Anlagen ist für einen bestimmten Bereich zuständig.

 

Gesteuert werden die “orangen Kästen” über einen Rechner im Nebenraum.

 

Peter Rumpf muss regelmäßig überprüfen, ob die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit in den einzelnen Stockwerken korrekt ist.

Stimmt etwas nicht, wird das Problem sofort bei der zuständigen Anlage behoben.

 

Bevor die frische Luft in die einzelnen Luftschächte und weiter in die Räume strömt, wird sie im Freien über drei breite Zylinder angesaugt.

 

Nachdem die Luft angesaugt wurde, wird sie über einen schmalen Schacht zu den Rohren und davor durch Filter geleitet.

 

Wie wichtig diese Filter sind, zeigt Peter Rumpf anhand eines gebrauchten Filters, der bereits ausgetauscht wurde.

Kategorie: Kunsthaus Graz | Museumsalltag
Schlagworte: Arbeiten im Museum | Versteckte Orte


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