Egon Schiele, Stadtende (Der Häuserbogen III), 1917-18, Öl/Lwd. Neue Galerie Graz, UMJ. Foto: N. Lackner

9. August 2012 / Christoph Pelzl

Tour de Joanneum: Neue Galerie Graz

Neue Galerie mit BRUSEUM

Die Sammlung der Neuen Galerie Graz geht wie jene der Alten Galerie auf die Bestände der Landesbildergalerie zurück, die im Jahr 1941 in diese beiden Abteilungen des Landesmuseums Joanneum geteilt wurde. Während die Kunst bis 1800 fortan den Fokus der Alten Galerie bildete, umfasst die Sammlung der Neuen Galerie Werke von 1800 bis zur Gegenwart.

Eine Sammlung entsteht

Die Sammlung der Neuen Galerie Graz geht wie jene der Alten Galerie auf die Bestände der Landesbildergalerie zurück, die im Jahr 1941 in diese beiden Abteilungen des Landesmuseums Joanneum geteilt wurde. Während die Kunst bis 1800 fortan den Fokus der Alten Galerie bildete, umfasst die Sammlung der Neuen Galerie Werke von 1800 bis zur Gegenwart.

Schenkungen Erzherzog Johanns sowie Stiftungen des Kaiserhauses und des heimischen Adels bilden den Grundstock des Bestandes aus dem 19. Jahrhundert, nach dem Ersten Weltkrieg kam die Sammlungstätigkeit für zeitgenössische Kunst aufgrund der schlechten Wirtschaftslage zum Erliegen. Aus diesem Grund ist die Zeit um 1900 in der Sammlung nur lückenhaft dokumentiert – wenngleich mit einem bedeutenden Gemälde von Egon Schiele (Stadtende/Häuserbogen III) und Graphiken von Egon Schiele, Gustav Klimt und Oskar Kokoschka auch zentrale Vertreter der Wiener Moderne Einzug in die Sammlung gefunden haben.

Egon Schiele, Stadtende (Der Häuserbogen III), 1917-18, Öl/Lwd., Neue Galerie Graz, UMJ. Foto: N. Lackner

Seit den 1960er-Jahren hat die Neue Galerie Graz in ihren Ausstellungen die Entwicklung zeitaktueller künstlerischer Positionen begleitet und in der Sammlung dokumentiert. Durch die Einführung des Joanneum-Kunstpreises (1959), der Internationalen Malerwochen in der Steiermark (1966-1992) und vor allem der trigon-Biennalen (1963-1995) wurde der Fokus der Neuen Galerie seit den 1970er- und 1980er-Jahren vor allem durch das Engagement von Wilfried Skreiner (Leiter von 1966–1992) erweitert und internationalisiert. Neben einer kontinuierlichen Erweiterung der Bestände des 19. Jahrhunderts bildet die österreichische und internationale Gegenwartskunst den gegenwärtigen Schwerpunkt der Sammlungstätigkeit.

Das finanzielle und intellektuelle Engagement privater Sammler ist ein wesentlicher Faktor der internationalen Reputation der Neuen Galerie, deren Bestand heute künstlerische Strömungen wie Biedermeier, Jugendstil, (regionale) Formen des Expressionismus und der klassischen Moderne, Positionen österreichischer und internationaler Malerei nach 1945 (u. a. aus den sogenannten „Trigon“-Ländern), Wiener Aktionismus sowie Medien- und Konzeptkunst umfasst (ca. 2.500 Gemälde, 650 Plastiken, 40.000 Original- und Druckgrafiken, 1.500 Fotoarbeiten sowie zahlreiche Werke der Video- und Medienkunst).

BRUSEUM

Seit ihrer Gründung war die Neue Galerie Graz bis 2009 im Grazer Palais Herberstein angesiedelt. Mit der Wiedereröffnung der Neuen Galerie im Joanneumsviertel im November 2011 ging auch ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung: die Realisierung des BRUSEUMs, eines Museums für den steirischen Künstler Günter Brus.

Neue Galerie Graz im Joanneumsviertel, Ansicht Neutorgasse, Foto: UMJ / N.Lackner
Günter Brus im BRUSEUM, Foto: UMJ / N. Lackner

Ein bedeutender Sammlungsankauf seitens der Steiermärkischen Landesregierung machte es möglich, den Fokus auf das Schaffen dieses weltbekannten Künstlers umfangreich zu erweitern. Das künstlerische Œuvre in der Sammlung, das umfangreiche Material im Archiv der Neuen Galerie sowie der große Bestand an Brus‘ literarischen Werken soll sowohl lokal als auch mittels Datenbank digital zusammengeführt werden. Neben einer permanenten Ausstellungsstätte wird das BRUSEUM zu einem wissenschaftlichen Kompetenzzentrum ausgebaut, das sich der Bewahrung zentraler Teile des künstlerischen Schaffens von Günter Brus für die Öffentlichkeit ebenso widmet wie der wissenschaftlichen Erforschung seiner Werke.

Archiv

Das Archiv der Neuen Galerie Graz verfügt auch über eine österreichische Kunst- und Künstlerdokumentation, die bis in das 19. Jahrhundert zurückreicht und rund 14.000 Registermappen mit diversen Drucksorten, Fotografien, Presseartikeln, Korrespondenz, Autographen, künstlerischem Skizzenmaterial sowie Filmen und Videos umfasst. Im Joanneumsviertel wird das Archiv mit modernen Recherche-Plätzen ausgestattet. Auch die mehr als 55.000 Medieneinheiten umfassende Fachbibliothek der Neuen Galerie spiegelt deren Sammlungsschwerpunkt wider und bietet allen Interessierten umfassende Möglichkeiten zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung.

Aktuelle Ausstellungen:

Moderne: Selbstmord der Kunst? Im Spiegel der Sammlung der Neuen Galerie Graz

Michelangelo Pistoletto. Selbstporträts, Spiegel, Minus-Objekte

Zusammenwerken – Zusammenwirken. Gemeinschaftsarbeiten von Günter Brus mit Künstlerfreunden seit 1970
 
Neue Galerie Graz
Joanneumsviertel, 8010 Graz
joanneumsviertel@museum-joanneum.at
T +43-699/1780-9500

Kategorie: Neue Galerie mit BRUSEUM
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