Relief Erzherzog Johann von Lepold Zeillinger, 1811, restauriert

16. August 2012 / Ulrich Becker

Wiedergefunden: Erzherzog Johann „en Medaillon von Gyps“

Forschung

„Vom hiesigen akademischen Bildhauer, Herrn Z e i l l i n g e r, das Brustbild Sr. Majestät des Kaisers und jenes Sr. kaiserl. Hoheit des Erzherzogs en Medaillon von Gyps.“ Mit diesen kurzen Worten vermeldet der 3. Jahresbericht von 1814 einen Zuwachs für die Sammlungen des noch jungen Joanneums, die Bildnisse des Museumsgründers und seines kaiserlichen Bruders, Franz I.

 
Nun sind gemalte Porträts des „steirischen Prinzen“ in beachtlicher Zahl überliefert und geradezu steirische „Ikonen“ geworden. Plastische Bildnisse hingegen sind seltener. Umso höher ist der Glücksfall zu bewerten, dass in den Depots der Alten Galerie ein hochovales Gipsrelief im hölzernen Originalrahmen als genau jenes identifiziert werden konnte, das in besagtem Bericht erwähnt wird.

Gipsrelief, Foto: Arbeitsaufnahme von Dipl.-Konservator Christian Binder

Ganz im klassischen Geist der Zeit ist Erzherzog Johann als idealtypischer Profilkopf in antiker Tracht wiedergegeben. Glücklicherweise ist das Porträt signiert und datiert: „Leop. Zeillinger fecit 1811“. Vergleichende Blicke auf Medaillons mit authentischen Profilporträts (wofür Mag. Karl Peitler von der Abteilung Archäologie & Münze herzlich gedankt sei) brachten dann endlich Klarheit.

Medaille auf die Stiftung des Joanneums am 16. Juli 1811 – Preismedaille für steirische Geschichtsforschung, Av.: E: H: IOHANN V: OEST:, Porträt Erzherzog Johanns in Wolken über dem Stammhaus des Joanneums, im Abschnitt: IOANNEUM / GESTIFTET D: 16 IUL / 1811.
Foto: Werner Reiter

Das somit gesicherte Bildnis Johanns ist damit älter als die ebenfalls antikischen Büsten, die ein anderer Bildhauer, Leopold Kießling, 1813 für den berühmten „Stucksaal“ geschaffen hat, das Herzstück der alten wie neuen naturkundlichen Schausammlung, das dann genau 100 Jahre später wieder der Öffentlichkeit zurückgegeben werden wird. Im Lesliehof sollte Zeillingers Bildnis auch seinen gebührenden historischen Ort (wieder)finden.

Relief Erzherzog Johann von Lepold Zeillinger, 1811, restauriert

Verloren Geglaubtes wiedergefunden

Leicht hat es Zeillingers Doppelgabe nämlich nicht gehabt: Das mag auch an der allgemeinen Geringschätzung liegen, die Gipsobjekte überhaupt (wie z. B. Abgüsse nach Meisterwerken der Skulptur) über lange Zeit erfahren mussten. Und so verschwanden beide Reliefs schon früh, wie die einschlägigen Nachschlagewerke vermelden, so Josef Wastler in seinem immer noch grundlegenden Steirischen Künstlerlexikon (1883): „Brustbilder des Kaisers Franz und des Erzherzogs Johann, Medaillons von Gyps, heute nicht mehr vorhanden“ (S. 186/187). Nicht anders das vielbändige Allgemeine Lexikon der bildenden Künstler, nach seinen Herausgebern kurz Thieme-Becker genannt: „…nicht erhalten 2 Gipsmedaillons mit den Brustbildern des Kaisers Franz u. d. Erzh. Johann 1814“ (Bd. XXXVI, 1947, S. 438). Versunken und vergessen, wie es schien.

Unverhofft kommt zumindest öfter als gedacht: Wenigstens das Bildnis des Museumsgründers tauchte wieder auf. Zu verdanken ist das einer Kurzdokumentation, die in der Alten Galerie über alle provisorisch eingelagerten, schon im Frühjahr 2004 in ein Außendepot überführten Objekte angefertigt worden war (Dr. Helga Hensle-Wlasak, Dr. Christine Rabensteiner). Sie führte auf die Spur zumindest eines der beiden Vermissten, des Gründers nämlich, der für uns natürlich der Wichtigere ist:
Nach der Identifizierung wurde das Relief mitsamt dem Originalrahmen dank eines großzügigen Engagements der GRAWE 2010/11 restauriert (Dipl. Cons. Christian Binder; Dipl.-Rest. Erika Thümmel, beide Graz). So konnte ein kleines, aber historisch höchst relevantes Stück Alt-Graz dem Verfall entrissen und der Öffentlichkeit zurückgegeben werden. Gerade solche en passant vermerkten Zufälle, die sich dann aber als wahre Glücksfälle herausstellen können, gehören zu den schönen Seiten des Museumsalltags.

Weitere Spuren des Bildhauers und Scharfrichters in Graz

Zu den Spuren, die der Bildhauer noch hinterlassen hat, zählen übrigens auch die über dem Portal des Lesliehofes angebrachten, bunten Wappen der Ständevertreter, die das junge Joanneum aus der Taufe gehoben haben. Die mächtigen Quader des Portals waren offenbar nicht mehr elegant genug: Also plante man die Umgestaltung im zeitgenössischen klassizistischen Stil, wie das in Graz vielerorts der Fall war.


Eine Entwurfszeichnung aus dem Kupferstichkabinett (Inv.-Nr. HZ 88) dokumentiert diesen Plan, der bis auf die farbenfrohen Wappen unausgeführt blieb.

Übrigens hatte Zeillinger, der auch Grazer Scharfrichter (!) war, seine Dienstwohnung im „Schinderhof“, der damals nur wenige Meter vom Lesliehof entfernt lag.

Der Schinderhof am Ende der Raubergasse, J. Oberbauer 1888, Original in der Ortsbildersammlung des Steiermärkischen Landesarchivs (OBS-Graz-II-E-1-014)

m 1900 musste der Schinderhof dem neuen pompösen „Amtshaus“ weichen, das jeder kennt, der in Pass- bzw. Meldeangelegenheiten in Graz unterwegs ist.

Fotos ohne Angabe: UMJ / Niki Lackner

Kategorie: Forschung
Schlagworte: Erzherzog Johann | Medaillon von Gyps | Sammlungsobjekte


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