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16. April 2018 / Barbara Steiner

Mein Besuch in der Grazer Firmenzentrale von SPAR

Kunsthaus Graz

Zentrale und Auslieferungslager von SPAR Steiermark und südliches Burgenland befinden sich in der Hafnerstraße in Graz-Puntigam, in einem Gebiet, das sich städtebaulich in den letzten Jahren sehr stark verändert hat und weiterhin verändert. Mein Besuch gab mir nicht nur Einblick in die Geschichte und Ausrichtung von SPAR, sondern auch in faszinierende Logistikabläufe. Vor allem die kleinen, unglaublich schnell herumflitzenden Stapelfahrzeuge hatten es mir angetan.

De SPAR = Die Tanne

1932 gründete Adrian van Well in den Niederlanden die weltweit erste SPAR-Organisation. Die dahinterliegende Idee war, dass selbstständige Groß- und Einzelhändlern sich zu einer freiwilligen Handelskette zusammenschließen, um Wareneinkauf, Organisation, Technik und Marketing zentral zu organisieren.

Ich hatte mich stets gefragt, warum das SPAR-Logo eine Tanne zeigt:

Es ist im Prinzip die bildliche Übersetzung des Begriffs – das niederländische Wort „de spar“ bedeutet eben „die Tanne“. Die Form des heutigen Logos stammt vom Designer Raymond Loewy und ist aus dem Jahr 1968. Berühmt geworden sind ferner seine Logos für die Zigarettenmarke Lucky Strike und für Shell sowie sein Entwurf für die Fanta-Flasche.

SPAR in Österreich und den Nachbarländern

Dass es SPAR in Österreich gibt, ist Hans F. Reisch zu verdanken. 1954 gründet er in Kufstein die Handelsvereinigung SPAR Tirol/Pinzgau, eine freiwillige Vereinigung von rund 100 selbstständigen Kaufleuten. Die Idee spricht sich herum, weitere SPAR-Handelsvereinigungen formieren sich. Wenige Jahre später gibt es SPAR von Vorarlberg bis ins Burgenland. 1970 schließen sich dann die zehn Großhandelsfamilien zusammen und gründen die SPAR Österreichische Warenhandels-AG. Seit den 1990er-Jahren expandiert SPAR über die eigens gegründete Gesellschaft ASPIAG (Austria SPAR International AG) nach Nordost-Italien, Slowenien, Ungarn und Kroatien und baut in diesen Ländern nach und nach eigene Landesorganisationen auf. Im Prinzip geht auch die Folgeentwicklung immer mehr von einem österreichischen Handelsunternehmen hin zu einem mitteleuropäischen Handelskonzern.

Seit 2011 gibt es die SPAR Holding AG mit SPAR-AG inklusive INTERSPAR und Hervis, ASPIAG (Austria SPAR International AG)  und SES Spar European Shopping Centers. Mir war selbst nicht bewusst, wie groß SPAR inzwischen ist: Vom SPAR-Supermarkt und den SPAR-express-Tankstellenshops über die SPAR-Gourmetmärkte und EUROSPAR-Märkte bis hin zu den Interspar-Hypermärkten und -Maximärkten. Wenn man sich jetzt fragt, was der Unterschied ist: Es sind die Verkaufsflächen, die zur Verfügung stehen.

Die Grazer Firmenzentrale von SPAR

Nach einer Einführung in die Firmengeschichte führte mich Geschäftsführer Christoph Holzer, der Leiter der Zentrale, durch die Kühl-, Lager- und Auslieferungshallen. Vor allem in den Lagerhallen nimmt die Raumhöhe immer mehr zu. SPAR ist nicht nur im Vertrieb der Produkte tätig, sondern bietet eine große Auswahl an Eigenmarken, Convenience-Produkten und Produkten aus der Region an. In Graz wird eine eigene Bäckerei und Fleischerei betrieben.

Der Standort Graz ist einer von sechs Regional-Standorten, das heißt von diesen Zentralen aus wird die jeweilige Region betreut und beliefert. Trotz der gegenwärtigen Größe der SPAR Holding AG hat man die gewachsene und regional verankerte Struktur ein Stück weit behalten.

Auch gibt es eine Menge an lokalen und regionalen Angeboten: In Erinnerung geblieben ist mir das Murbodner Rind und eine alte Kartoffelsorte im oberen Murtal, die rekultiviert wird.

Fakt ist: Die Differenzierung an Produkten und Supermärkten nimmt zu, das Unternehmen wird größer und größer, das heißt aber auch, dass die Differenzierung unter einem Dach – dem von SPAR – stattfindet. Im Lebensmittelsektor scheint der Druck nach Effizienz bei gleichzeitigem Halten von Qualität enorm zu sein – ein ziemlicher Spagat, wenn man bedenkt, dass die Bereitschaft, Geld für hochwertige Lebensmittel auszugeben, in unseren Breiten nicht so ausgeprägt ist.

Bei meinem Besuch in der Grazer Firmenzentrale habe ich gehört, dass Österreicher/innen auf Sonderangebote, sprich „Schnäppchen“ fliegen. So ist es ein „Must“ für Supermärkte, ihre Kundinnen und Kunden ständig mit Aktionen zu ködern.

Kategorie: Kunsthaus Graz
Schlagworte: Logbuch Barbara Steiner


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