21. Juni 2017 / Barbara Steiner

Mein Besuch in der Gaulhofer-Firmenzentrale in Übelbach

Kunsthaus Graz

Anfang Mai besuchte ich mit meinem Mann die Firmenzentrale von Gaulhofer in Übelbach. Wir waren überrascht, eine solche Produktionsstätte in diesem kleinen Ort inmitten einer idyllischen Landschaft zu finden.

Gutstücke, Fehlstücke, Flutung, Holzmerkmale

Manfred Gaulhofer erzählte uns, dass es das Unternehmen bereits seit 1919 gibt, am jetzigen Standort befinde man sich aber erst seit Mitte der 1970er-Jahre. Man hatte das Gelände einer aufgelassenen Papierfabrik gekauft. Hauptsächlich werden in Übelbach Holz-, Holz-Alufenster und in kleinerem Umfang auch reine Alufenster produziert. Unter sachkundiger Führung durch Peter Harrer besichtigten wir die Produktionsstätten, von der Holzanlieferung, Lagerung, Trocknung, Verarbeitung bis hin zur Auslieferung.

Ein Fenster lang, ein Leben lang“ – wenn man sich die Produktion eines Fensters à la Gaulhofer vergegenwärtigt, dann scheint das völlig glaubwürdig.

Bis zu diesem Besuch war mir nicht klar, wie viele Arbeitsschritte es braucht, bis ein Fenster, eine Eingangstür oder eine Balkonschiebetür gefertigt sind. Auch bei Gaulhofer wird computergestützt produziert, dennoch spielt die Handarbeit nach wie vor eine tragende Rolle, wenn es etwa darum geht, Fehlstücke zu ergänzen. Besonders beeindruckt war ich von der sogenannten Flutung: Bei diesem Produktionsschritt durchlaufen die Fenster ein „Farbbad“, der Raum sieht ein wenig so aus, als hätte ein „Mal-Happening“ stattgefunden.

Gelernt habe ich auch, dass man in Zusammenhang mit Holz nicht über Fehler spricht, sondern von Holzmerkmalen. Damit bezeichnet man die individuellen Eigenheiten von Holz, die sich während seines Wachstums bilden.

Als ich wenig später mit der Gestalterin Anna Lena von Helldorff sprach, meinten wir unisono, das wäre auch sehr gut auf Menschen und Projekte zu übertragen.

Kategorie: Kunsthaus Graz
Schlagworte: Logbuch Barbara Steiner


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