Ehrenhausen, Mühlengebäude erbaut von Alois und Agnes Schallhammer, Foto um 1880

Ehrenhausen, Mühlengebäude erbaut von Alois und Agnes Schallhammer, Foto um 1880, unbekannter Fotograf, Archiv Traussner Mühle

15. Oktober 2018 / Walter Feldbacher

Landesaufnahme(n): Die „Traussner Mühle“ – eine mehrdimensionale Wirtschaftsgeschichte an der steirisch-slowenischen Grenze

Museum für Geschichte

Im August 2016 übernahm der junge südsteirische Landwirt Dieter Tatzl die an der Südbahn zwischen Ehrenhausen und Spielfeld gelegene „Traussner Mühle“. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die über 400 Jahre alte Mühle – einst Herrschaftsmühle („Hofmühle“) des Freiherren Ruprecht von Eggenberg – nicht nur baulich zu erhalten, sondern auch weiterhin in Einklang mit der Natur und der handwerklichen Tradition zu bewirtschaften.

Postkarte, Spielfeld, Foto: Franz Knollmüller (Graz), 1918

Postkarte, Spielfeld, Foto: Franz Knollmüller (Graz), 1918, Slg. Feldbacher

So wurde ein Müller angestellt und ein Verkaufsraum vor Ort geschaffen. Verarbeitet wird hochwertiges regionales Getreide, das zum Teil sogar aus eigenem Anbau stammt. Das Ergebnis der schonenden Vermahlung sind geschmackvolle, vielseitig einsetzbare Produkte. Das Sortiment reicht von naturbelassenem Weizenmehl über wertvolles Dinkel- und Roggenmehl bis hin zu Spezialprodukten wie Weizen- und Maisgrieß, Dinkelvollkornmehl oder dem für sämtliche Germteigmehlspeisen bestens geeigneten „Krapfenmehl“.

Mühlenimpressionen 2018

In dem 1816 vom damaligen Mühlenbesitzer Michael Klug erbauten Herrenhaus wurde die Idee einer „Erlebnis-Mühlerei“ umgesetzt. Eine mehrdimensionale Rundreise erzählt die Geschichte der Mühlen ebenso wie Wissenswertes zu Anbau, Sorten und Ernte des Getreides sowie zu dessen Verarbeitung. Auch ein „Mühlen-Landschaftstisch“, ein „Kornraum“ sowie ein „Schau-Silo“ sind Teil des lebendigen Vermittlungsprogramms. In einem 3-D-Kinosaal können die Besucherinnen und Besucher auf einer Breitbandleinwand den Weg vom Korn zum Brot verfolgen.

Von der Hofmühle über die Kunstmühle bis hin zur „Erlebnismühle“

Die „Hofmühle“ wurde erstmals im Jahre 1600 erwähnt, ihr Erbauer, Freiherr Ruprecht von Eggenberg (1546–1611) fand in nächster Nähe im von ihm in Auftrag gegebenen Mausoleum am Ehrenhausener Schlossberg seine letzte Ruhestätte.

Die Mühlenbesitzer des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gaben ihrer Mühle die Bezeichnung „Kunstmühle“, um den für die damalige Zeit besonders hohen technischen Standard hervorzuheben. Die Bezeichnung „Kunst“ bezieht sich dabei also nicht auf das Schaffen eines Kunstwerks, sondern auf meisterhafte Ingenieurleistungen. Maßgeblich für die Auszeichnung als Kunstmühle war oft, dass die alten Mahlgänge mit Mühlsteinen durch moderne Walzenstühle ersetzt wurden. Damit einher ging oft das Ersetzen der alten Wasserräder durch moderne Turbinen oder die Verwendung von Dampfmaschinen und Elektromotoren zum Antrieb. Aus den teilweise bis auf das Mittelalter zurückgehenden Handwerksbetrieben wurden so industrielle Kleinunternehmen.

Im Jahre 1838 erwarben Alois und Agnes Schallhammer das Mühlenanwesen laut Kaufvertrag um 10.000 fl. Im Wege einer Versteigerung gelangte die Mühle 1882 in das Eigentum von Ing. Carl Hermann. Sein Schwiegersohn Franz Rieckh und Tochter Paula übernahmen die Mühle um 1907, im Jahre 1910 suchte Franz Rieckh jedenfalls um die Konzession zum Betrieb einer Kantine in Ehrenhausen Nr. 57 (Mühlengrund in der heutigen Spielfelderstraße) für die eigenen Arbeiter an. Franz Rieckh war zudem zwischen 1911 und 1921 Bürgermeister von Ehrenhausen.

Mühlenbesitzer Franz und Paula Rieckh (li.) auf ihrem Anwesen, Ostern 1914

Mühlenbesitzer Franz und Paula Rieckh (li.) auf ihrem Anwesen, Ostern 1914, unbekannter Fotograf, Archiv Traussner Mühle

Zu jener Zeit erfolgte auch der Ausbau der Wasserkraft zur Elektrifizierung, indem die beiden unterschächtigen Wasserräder durch eine Turbine ersetzt und die Wasserzufuhr aus der Mur verbessert wurde. Mit dieser Anlage konnten damals auch die Märkte Ehrenhausen und Straß mit Strom versorgt werden.

Das „Neue Grazer Tagblatt“ vom 14.12.1922 berichtet:

„Das Elektrizitätswerk des Mühlenbesitzers Franz Rieckh in Ehrenhausen versorgt die Eigene Mühle und die Märkte Ehrenhausen und Straß mit Kraft und Licht. Infolge des niedrigen Wasserstandes der Mur und der teilweisen Vereisung des Mühlganges kann selten die erforderliche Spannung von 220 Volt erreicht werden, wodurch bedauerlicherweise Schwankungen in der Lichtstärke eintreten. Besonders leiden darunter die Bahnhofsanlagen, da dort der auf 100 Volt transformierte Lichtstrom oft kaum die stärke einer brennenden Kerze erreicht. Hierauf wurden einschneidende Sparmaßregeln aufgestellt, die öffentliche Beleuchtung in Ehrenhausen nahezu eingestellt.“

„Rieckh-Mühle“ mit Mühlgang, Winter 1922

„Rieckh-Mühle“ mit Mühlgang, Winter 1922, unbekannter Fotograf, Archiv Traussner Mühle

1926 suchte auch der neue Mühlenbesitzer Ludwig Appl um eine Konzession für die gewerbsmäßige Betreibung der bestehenden elektrischen Anlage an und die Stromversorgung in Ehrenhausen wurde von Gleichstrom auf Wechselstrom umgestellt. Dessen Sohn Adolf Appl führte den Betrieb über 40 Jahre durch zum Teil krisenvolle Zeiten der Mühlenwirtschaft.

Im Jahre 1968 kaufte der aus einer Müllerdynastie in St. Florian in Oberösterreich stammende Johann Traussner den mittlerweile als „Appl-Mühle“ bekannten Betrieb. Wie sein Bruder hatte er das Müllerhandwerk erlernt, da in der heimatlichen Mühle aber nur für einen Sohn „Platz“ war, ermöglichten ihm seine Eltern, sich als Müller in der Südsteiermark niederzulassen. Er modernisierte die Mühle, die theoretisch eine Mahlleistung von ca. 20 Tonnen bestem Mehl pro Tag zu bringen vermag. In der „Traussner Mühle“ wurden jährlich Roggen und Weizen zu ca. 1800 Tonnen Mahlprodukten vermahlen und in gesackter, kleinpaketierter Form an verschiedene Kunden ausgeliefert.

Die Stromversorgung von Ehrenhausen wurde Anfang der 1980er-Jahre an die STEG abgegeben. Durch den Kraftwerksbau 1982 in Spielfeld wurde der rechtsseitige Ehrenhausener Mühlenkanal aufgelassen und die „Traussner-Mühle“ voll auf elektrischen Antrieb (STEWEAG liefert seither den Strom) umgestellt.

Mühlenantrieb, 2018, Foto: J.J. Kucek/UMJ

Mühlenantrieb, 2018, Foto: J.J. Kucek/UMJ

Johann Traussner hat die Mühle bis 2016 geführt, ehe er sich entschloss, im Alter von 81 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand zu treten und nach Oberösterreich zurückzukehren.

 

Quellen:

Hannes Ackerl, Besitzwechsel bei der Traussner-Mühle, in: Ehrenhausener Nachlese, 2016/1;

Peter Stauder, Ehrenhausen, 1990

Kategorie: Museum für Geschichte
Schlagworte: Landesaufnahme | Multimediale Sammlungen | Wirtschaftsgeschichten


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