Franz Josef Böhm als Vortragskünstler, Multimediale Sammlungen, Foto: Franz Josef Böhm

8. Juni 2018 / Bianca Russ-Panhofer

Franz Josef Böhm – Peter Roseggers Fotograf

Peter Rosegger

Peter Rosegger wurde im Laufe seines Lebens häufig fotografisch abgelichtet. Das erste Foto entstand am Ende seiner Lehrzeit im Rahmen der Freisprechung in Graz am 24. Februar 1864 bei Krainer. Weitere Porträts und Aufnahmen mit Freunden und später der Familie folgten. Rosegger ließ sich auch vom damals angesehensten Grazer Berufsfotografen Leopold Bude fotografieren. Solche Porträtaufnahmen verschenkte er dann häufig, meist mit einer Widmung auf der Rückseite.

Peter Rosegger, 1872, Foto: Leopold Bude

Peter Rosegger (Rückseite des Fotos), 1872, Foto: Leopold Bude

Ab ca. 1900 ließ Rosegger sich ausschließlich vom Mürzzuschlager Fotografen Franz Josef Böhm ablichten, mit dem ihn eine noch junge Freundschaft verband. Indem er Böhm zu seinem Exklusivfotografen machte, unterstützte er dessen Karriere. Die Entscheidung, welche der entstandenen Bilder veröffentlicht wurden, behielt sich Rosegger jedoch persönlich vor. Für Böhm war das ein lukratives Geschäft, da Veröffentlichungen der Fotografien Roseggers in Zeitschriften gut bezahlt wurden, auch Ansichtskarten mit dem Konterfei des Dichters fanden regen Absatz.

Der 1874 geborene Franz Josef Böhm war der Sohn des kaiserlichen Obergärtners in Schönbrunn. Mit 16 Jahren verließ der theaterbegeisterte junge Franz Josef Wien, um sich einer wandernden Schauspieltruppe anzuschließen. Weitere Engagements führten ihn an die Theater in Pettau und Cilli mit kurzen Gastspielaufenthalten in Mürzzuschlag. Von Mürzzuschlag aus nutzte er die Gelegenheit, das nahe gelegene Krieglach und das Alpl aufzusuchen, die Heimstätte des von ihm verehrten Dichters Peter Rosegger. Den „Straßl-Toni“ aus Roseggers Stück „Am Tage des Gerichts“ hatte er bereits einige Male mit großem Erfolg gespielt. Der leidenschaftliche Hobbyfotograf nutzte die Gelegenheit und fertigte Bilder der mittlerweile als „Waldheimat“ bekannten Region an.

Leopoldine und Franz Josef Böhm mit Freunden am Kluppeneggerhof (als Beispiel für verfallende Höfe), Multimediale Sammlungen, Foto: Franz Josef Böhm

In Mürzzuschlag lernte Böhm auch den kunst- und kulturinteressierten Hotelier Toni Schruf kennen, der ihn mithilfe Roseggers überreden konnte, den Schauspielberuf an den Nagel zu hängen und sich in Mürzzuschlag als Fotograf niederzulassen. Sein erstes Atelier eröffnete er im Hinterhof von Schrufs „Hotel zur Post“, Filialen folgten im Laufe der Zeit.
Während sein Freund und Mentor Rosegger den gesellschaftlichen und landschaftlichen Wandel der Zeit literarisch festhielt, indem er unter anderem das Abwandern der bäuerlichen Schicht in die Städte beschrieb, die soziale Not der ländlichen und städtischen Randschichten festhielt und die durch die Industrialisierung erfolgten Eingriffe in die Natur und deren negative Auswirkungen kritisierte, dokumentierte Böhm die Veränderungen fotografisch.

Das Hotel Toni Schrufs in Mürzzuschlag, Multimediale Sammlung, Foto: Franz Josef Böhm

Böhm fotografierte die sich im Zuge der Industrialisierung laufend verändernde Landschaft rund um Mürzzuschlag. Um 1900 machte er bereits erste Aufnahmen vom Semmering, 1903 dokumentierte er den Jagdausflug Kaiser Franz Josefs mit dessen Gast, dem russischen Zaren Nikolaus II., in Mürzsteg. 1904 fanden auf Anregung Toni Schrufs die „Nordischen Winterspiele“ in Mürzzuschlag statt. Böhm wurde vom umtriebigen Hotelier mit der fotografischen Dokumentation der Spiele beauftragt.

Kaiser Franz Josef und Zar Nikolaus II. in Mürzsteg, Multimediale Sammlung, Foto: Franz Josef Böhm

In seinem Tageslicht-Atelier erstellte er unzählige Porträts und Fotografien von Familien. Außerhalb machte er Aufnahmen von größeren Gruppen wie Turn- und Musikvereinen, von Fabriken, verfallenden Höfen und technischen Errungenschaften.
Ein großer Teil der noch erhaltenen, auf Glasplatten fixierten Bilder Franz Josef Böhms wird heute in den Multimedialen Sammlungen am Universalmuseum Joanneum aufbewahrt. Das Rosegger-Museum in Krieglach zeigt einige seiner Bilder in der neu gestalteten Ausstellung.

Kategorie: Peter Rosegger
Schlagworte: Rosegger 2018


Folgende Beiträge sind für dich interessant:

  • Auftakt zum Peter-Rosegger-Gedenkjahr 2018 Am 8. Februar fiel mit der Eröffnung der Sonderausstellung Peter Rosegger. Waldheimat und Weltwandel im Museum für Geschichte der offizielle Startschuss für das Gedenkjahr. Die Ausstellung zeichnet den Lebensweg Roseggers nach, beleuchtet aber auch Aspekte, die in der romantisierten […]
  • Ein Haus voller Geschichte(n) Peter Rosegger, 1843 am Kluppeneggerhof am Alpl in Krieglach geboren, verließ 1865 die engere Heimat, um in Graz seine mangelhafte Schulbildung zu verbessern. Aus ihm wurde ein gefeierter Schriftsteller. Die Eltern und vier jüngere Geschwister blieben am Hof zurück, der 1868 verkauft […]
  • „Ein Dichter zu sein, ist gerade keine Ehre, aber doch auch keine unmittelbare Schande …“ – Über die zu Lebzeiten einsetzende Verehrung Peter Roseggers Verschiedene Künstler verewigten ihn: Er wurde gemalt, Büsten und Reliefs wurden gefertigt, Denkmäler in Parks und anderen öffentlichen Räumen errichtet, Gedenkmedaillen geprägt. So fertigte beispielsweise der mit Rosegger befreundete Bildhauer Hans Brandstetter mehr als 20 Büsten und […]
  • „Der Lenzn Peterl sitzt den ganzen Dag in der Stuben, und Kratzelt“ – Roseggers Leidenschaft für das Schreiben „Das lockte mich nicht, denn ich war die fremden Buben nicht gewohnt und kein Liebhaber von Springen und Raufen. Als er aber dartat, wie ich Bücheln bekäme in der Schule und Schreibzeug, und Lesen und Briefschreiben lernen würde, wie er mir da allerhand erzählen wolle und wie wir […]
  • Rosegger zwischen Naturschutz und Fortschritt Er war einer der Ersten, die die wirtschaftliche Ausbeutung der Natur und damit einhergehende Flurbereinigungen, Bachregulierungen sowie die Auswirkungen des Massentourismus öffentlich kritisierten. Er prägte in diesem Zusammenhang den Begriff „Heimatschutz“, der später namensgebend für […]
  • Kultur trifft Picknick im Grünen An ausgewählten Standorten des Universalmuseums Joanneum werfen wir im Sommer die Picknickdecken aus und laden von Mai bis Oktober zu einem einzigartigen Mix aus Natur und Kultur. Der Österreichische Skulpturenpark, das Rosegger-­Geburtshaus, die Schlösser Stainz und Eggenberg laden zu […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Benutzen Sie diese HTML Tags und Attribute:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>