Bauarbeiten im Kunsthaus Graz, Foto: Kunsthaus Graz/N. Lackner

14. September 2021 / Barbara Steiner

Es ist Wahlkampf! Von Vorurteilen und Stereotypen

Kulturpolitik | Kunsthaus Graz

Pünktlich zum Wahlkampf rückt das Kunsthaus Graz wieder in den Mittelpunkt der Kritik. Ein Kommentar von Kunsthausleiterin Barbara Steiner und Chefkuratorin Katrin Bucher Trantow.

Gebetsmühlenhaft werden bestimmte Stereotype wiederholt:

  • Baukosten 2003 (!) überzogen
  • Zu wenige (zahlende) Besucher*innen
  • Das Kunsthaus: ein Millionengrab

Bei den angeblich massiven Baukostenüberschreitungen darf man sich schon verwundert die Augen reiben: Das Gebäude wurde 2003 eröffnet. 16 Jahre später, Anfang November 2019, wurde das Kunsthaus Graz von der FPÖ schon einmal zur „steirischen Elbphilharmonie“ erklärt. Damit war nicht etwa die Bedeutung des Kunsthauses gemeint, sondern der Vergleich zielte auf die tatsächlich explodierenden Baukosten der Hamburger Elbphilharmonie ab. Allerdings hinkt der Vergleich: Der Budgetrahmen des Kunsthauses Graz war nur minimal überzogen worden – damals wie heute ziemlich einzigartig. Nun wird die Erzählung der Baukostenüberschreitung erneut aufgewärmt. Warum? Weil in Graz gewählt wird.

Blick in den Shop und das Foyer, Foto: Kunsthaus Graz/N. Lackner

Zu wenige zahlende Besucher*innen

Die Eintrittskartenerlöse sind kontinuierlich gestiegen. Dass nicht alle Besucher*innen eine Eintrittskarte kaufen, hat folgende Gründe: Sie haben eine Jahreskarte oder eine Mitgliedschaft im Club Joanneum erworben, kommen mit der Joanneumskarte Schule ins Kunsthaus, erhalten freien Eintritt aufgrund gezielter Marketing-Kampagnen oder sind von Sponsor*innen eingeladen. Und es gibt noch einen weiteren wichtigen Grund: Menschen, die sich den Eintritt nicht leisten können, kommen über die Aktion „Hunger auf Kunst & Kultur“ kostenfrei ins Kunsthaus.

2019 hatten wir im Rahmen des Leitbildprozesses analysiert, dass das Kunsthaus Graz vor allen Institutionen in Graz, die Ausstellungen machen, die meisten Besucher*innen verbuchen kann. Und dies, obwohl wir im Bereich der modernen und zeitgenössischen Kunst tätig sind. Auch den österreichischen und internationalen Vergleich müssen wir nicht scheuen. So lagen wir mit der Kunsthalle Wien gleichauf, obwohl die Einwohner*innen- und Tourist*innen-Zahlen von Wien und Graz kaum vergleichbar sind.

Das Foyer des Kunsthaus Graz, Foto: Kunsthaus Graz/N. Lackner

Die finanzielle Ausstattung des Kunsthauses entspricht den Budgets anderer internationaler Kunstinstitutionen. Ein sehr geringer Teil wird für Kunst und Künstler*innen-Honorare ausgegeben, der Löwenanteil kommt einheimischen Firmen und Handwerker*innen zugute. Das Kunsthaus Graz ist also auch diesbezüglich ein Wirtschaftsfaktor, zusätzlich zu seiner erheblichen touristischen Anziehungskraft. Warum also stereotyp altes wieder und wieder aufwärmen?
Weil in Graz gewählt wird.

Nachtrag von Barbara Steiner

„Ich erinnere mich noch gut an ein persönliches Gespräch mit einem bekannten FPÖ-Politiker, das offen und konstruktiv geführt wurde. Nachdem ich meiner Hoffnung Ausdruck verliehen hatte, dass das Kunsthaus künftig nicht mehr Gegenstand einer Pauschalkritik sein würde, sagte er, dass ich Verständnis haben müsse, denn Wahlkampf würde nun einmal Zuspitzung bedeuten, und wenn es dienlich sei, dann finde Polarisierung eben auch auf Kosten der zeitgenössischen Kunst statt. Damit ist eigentlich alles gesagt.“

 

Kategorie: Kulturpolitik | Kunsthaus Graz
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