Das Grab vor dem Archäologiemuseum Schloss Eggenberg, v.l.n.r.: Daniel Modl, Karl Peitler, Marko Mele, Josef Kolar, Nina Heyer Foto: Universalmuseum Joanneum

17. Juni 2016 / Nina Blum

Tag der offenen Tür: Präsentation der Blockbergung aus Großklein

Archäologie und Münzkabinett | Konservieren & Restaurieren

Im südsteirischen Großklein kam es vor kurzem zu einem aufregenden Fund. Ein mehr als 2.000 Jahre altes Grab aus der Eisenzeit wurde in der Nähe des „Pommerkogels“, einem Fürstengrabhügel aus der Hallstattzeit, entdeckt und in einer spektakulären Blockbergung des Universalmuseums Joanneum geborgen. Am Tag der offenen Tür im Archäologiemuseum können Besucherinnen und Besucher live bei der Freilegung und Restaurierung des Grabes dabei sein!

Der Fund

Da in der Marktgemeinde Großklein bereits einige bedeutende archäologische Funde gemacht wurden, entschieden sich die zuständigen Personen im Frühjahr dieses Jahres für bevorstehende Bauarbeiten die Archäologen des Joanneums hinzuzuziehen. Die Erwartungen waren nicht allzu groß und umso überraschender war es als bei oberflächlichen Grabungen prähistorische Tonscherben mit ans Tageslicht befördert wurden. Grabungsleiter Marko Mele konnte diese Scherben einer vermutlich mehr als 2.000 Jahre alten Bestattungsstätte aus der Eisenzeit zuordnen. Mele berichtet hocherfreut über diesen Fund:

„Großklein ist immer für eine archäologische Überraschung gut! Es zeigt sich erneut, wie wichtig es ist, dass ein Archäologe rechtzeitig eingebunden wird, wenn Erdbauarbeiten stattfinden. So konnte ein wichtiger Baustein unseres archäologischen Erbes gerettet werden und gleichzeitig wurden größere Verzögerungen beim Bau vermieden.“

Und um eben die Bauarbeiten vor Ort nicht allzu lange aufzuhalten entschied sich Mele auch für die spektakuläre Blockbergung.

Grabung in Großklein, Foto: Universalmuseum Joanneum

Grabung in Großklein, Foto: Universalmuseum Joanneum

Was ist eine Blockbergung?

Das Erdreich um das 2,5 m lange und 1 m breite Grab wurde bis auf eine Tiefe von einem Meter abgetragen und der Block sofort mit Holzplatten gefestigt, um ein Auseinanderfallen zu verhindern. Danach wurde eine Metallplatte unter das Grab geschoben und der rund zwei Tonnen schwere Erdblock mit Hilfe eines Baggers angehoben. Somit stand dem Abtransport nach Graz nichts mehr im Wege und es konnte mit der Freilegung und Dokumentation des Fundes begonnen werden.

Live-Restaurierung am Tag der offenen Tür

Die Restaurierung ist seitdem in vollem Gange. Stück für Stück muss nun das Erdreich abgetragen werden, um mit jedem neuen Fund neue Erkenntnisse zu den Bestattungsritualen in der Eisenzeit zu gewinnen. Am 23. Juni können Besucherinnen und Besucher beim Tag der offenen Tür im Archäologiemuseum live am spannenden Archäologie-Alltag teilnehmen und der Restauratorin Nina Heyer bei Ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Außerdem gibt es ein spannendes Programm rund um die derzeit laufende Ausstellung Tieropfer. Töten in Kult und Religion, die sich generell die Frage stellt, warum Menschen im Altertum glaubten, dass sie durch Tieropfer die Götter für sich gewinnen konnten. In Workshops und Sonderführungen kann man “Gaben an die Götter” gestalten oder von einer Anthropologin erfahren, welche Informationen menschliche Skelette beinhalten und noch vieles mehr…

Restauratorin Nina Heyer bei der Freilegung des Grabes

Restauratorin Nina Heyer bei der Freilegung des Grabes

 

Tag der offenen Tür im Archäologiemuseum
Rätselhafte Opferbräuche und Bestattungen
Donnerstag, 23. Juni, 8-17 Uhr
Archäologiemuseum, Eggenberger Allee 90, 8020 Graz
www.archaeologiemuseum.at

Kategorie: Archäologie und Münzkabinett | Konservieren & Restaurieren
Schlagworte: Blockbergung | Großklein | Tag der offenen Tür


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Ein Gedanke zu “Tag der offenen Tür: Präsentation der Blockbergung aus Großklein

  1. Sven Bucher

    Interessant zu sehen was bei herkömmlichen Arbeiten im Erdbau so gefunden werden kann. Die gefundenen prähistorischen Tonscherben aus der Eisenzeit sind bemerkenswert. Anscheinend sollte ab und an ein Archäologe den Erdbauarbeiten beiwohnen. Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag!

  2. Neeltje

    Interessant zu wissen, dass auch manchmal Archäologen in Erdarbeiten miteinbezogen werden. Ich finde auch, dass das so früh, wie möglich passieren sollte, wenn sich Hinweise ergeben. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass dies in der Vergangenheit oft unterlassen wurde und so viele Fundstücke nicht gefunden wurden.

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