18. Juli 2015 / Hannah Lackner

Bild und Rahmen – eine enge Verbindung #Genauerhinsehen

Konservieren & Restaurieren

In unserer Blogserie "Genauer Hinsehen" füttert euch Chefrestaurator Paul-Bernhard Eipper Detailwissen zur Malerei und Restaurierung. Während sich der letzte Artikel ganz mit Pentimenti befasste, könnt ihr heute über die spannende Beziehung zwischen Gemälde und Zierrahmen lesen.

 

Ölfarbe am Zierrahmen weist auf eine Fertigstellung des Gemäldes im Rahmen hin; Foto: Paul-Bernhard Eipper

Ölfarbe am Zierrahmen weist auf eine Fertigstellung des Gemäldes im Rahmen hin; Foto: Paul-Bernhard Eipper

Gemälde und Zierrahmen bilden sehr oft eine untrennbare Einheit. Viele Künstler/innen haben die Rahmen für ihre Werke sehr bewusst ausgewählt. Bei nachträglichen Neurahmungen muss deswegen mit großer Sorgfalt vorgegangen werden.

Zierrahmen sind vielseitige Objekte: Sie fassen das Gemälde optisch ein, schützen seine Kanten, erlauben die Anbringung von Aufhängungen und Fixierungen und sind wahre Fundgruben für Provenienzforscher/innen, die auf den Rahmenrückseiten Hinweise auf die Herkunft eines Bildes wie Beschriftungen, Stempel oder Aufkleber finden. In vielen Fällen ist der Zierrahmen aber auch ein fester Bestandteil des Kunstwerks; etwa, wenn Maler/innen ihre Bilder im Rahmen fertigstellen, weil sie die beiden Komponenten optimal aufeinander abstimmen wollen – nicht nur Vincent van Gogh und James Abott McNeill Whistler bis hin zu Christian Ludwig Attersee gestalteten ihre Zierrahmen passend zum Bild und legten großen Wert darauf, dass diese Einheit dauerhaft erhalten bleibt. Verklebungen von Rahmen und Malkanten oder Reste festgeklebter Farbschichten im Falz weisen darauf hin, dass ein Bild im Rahmen fertiggestellt wurde.

 

Leopold Heinrich Voescher (1830–1877), „Landschaft aus dem oberen Etschtal“, um 1870, Öl/Holz, NG Inv.-Nr. I/451, Malkante rechts oben (Abb.: Autor). Das Bild wurde für den Rahmen passend gemalt. Der vom Zierrahmen abgedeckte Bereich blieb unbemalt; Foto: Paul-Bernhard Eipper

Leopold Heinrich Voescher (1830–1877), „Landschaft aus dem oberen Etschtal“, um 1870, Öl/Holz, NG Inv.-Nr. I/451, Malkante rechts oben (Abb.: Autor). Das Bild wurde für den Rahmen passend gemalt. Der vom Zierrahmen abgedeckte Bereich blieb unbemalt; Foto: Paul-Bernhard Eipper

Ein Bild ohne Rahmen ist ein Rahmen ohne Bild

Während wohl niemand auf die Idee käme, eine gotische Bildtafel von ihrem Rahmen zu trennen, wird bei Leinwandgemälden oft nicht besonders zimperlich vorgegangen: So kommt es, dass immer wieder schadhaft gewordene oder als „unpassend“ empfundene originale Zierrahmen ausgetauscht werden. Diese Praxis ist sehr lukrativ für Einrahmer, doch damit droht nicht nur eine Wertminderung, sie stört sehr oft auch die Authentizität des Kunstwerks.

Auch wenn Maler/innen erst nach der Fertigstellung eines Werkes die passenden Rahmen aussuchen, geschieht dies oft sehr überlegt: Emil Nolde rahmte seine Gemälde etwa konsequent mit schwarzen Plattenrahmen ohne Profil, während Norbertine Bresslern-Roth selbst ausgesuchte, einfache dezent profilierte bzw. Halbrundstab-Zierrahmen aus Holz bevorzugte, die sie mitunter in bildverwandten Farbtönen gestrichen hat. Originale Künstlerrahmen bzw. historische Rahmen haben deswegen als Gesamtheit (Vorder- und Rückseite) einen kulturhistorischen Wert.

 

Neuer Rahmen ist gleich neues Bild?

Werden also im Zuge von Ausstellungsgestaltungen Zierrahmen ausgetauscht oder Neurahmungen vorgenommen, kann das eine gravierende Maßnahme sein, welche die Authentizität eines Kunstwerkes stark beeinträchtigt. Die Tatsache, dass Gemälde in Kunstkatalogen sehr oft ohne Zierrahmen abgebildet sind, ignoriert leider oft jene originale Einheit von Bild und Rahmen, die ursprünglich geschaffen wurde.

 

Friedrich Gauermann (1807-1862): „Eber, von Wölfen überfallen“, 1844, Öl/Eiche, NG Inv.-Nr. I/497, Neue Galerie am Universalmuseum Joanneum, vom Zierrahmen verdeckte originale Malkante des hölzernen Bildträgers mit angrenzender Signatur; Foto: Paul-Bernhard Eipper

Friedrich Gauermann (1807-1862): „Eber, von Wölfen überfallen“, 1844, Öl/Eiche, NG Inv.-Nr. I/497, Neue Galerie am Universalmuseum Joanneum, vom Zierrahmen verdeckte originale Malkante des hölzernen Bildträgers mit angrenzender Signatur; Foto: Paul-Bernhard Eipper

Kategorie: Konservieren & Restaurieren
Schlagworte: Blogserie Genauer hinsehen


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