20. Juli 2015 / Hannah Lackner

Plastikwelt

Naturkundemuseum

Plastik, überall wo man hinsieht. Unsere Welt ist zugemüllt. Und das, obwohl es Plastik in der Form, wie wir es kennen, erst seit einigen Jahrzehnten gibt. Was Michael Pinter bei der Führung Grüne Mitte zur Ausstellung Endstation Meer? Das Plastikmüll-Projekt im Naturkundemuseum zu erzählen hat, ist ziemlich erschreckend.

 

Ausstellungsansicht "Endstation Meer", Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Ausstellungsansicht “Endstation Meer”, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

 

Betritt man die Sonderausstellung Endstation Meer im Naturkundemuseum, sieht man sich gleich mit einer imposanten Müllkomposition konfrontiert. Sie zeigt Strandaufsammlungen, die größtenteils vom Festland angespült wurden. Da zerplatzt selbst bei ausgeprägter Urlaubssehnsucht augenblicklich der Gedanke von schneeweißen sauberen Stränden.

Riesige Müllstrudel bewegen sich unter Wasser über eine Fläche, die ein Drittel ganz Europas misst. „Sage und schreibe 6,4 Millionen Tonnen Müll“. Diese Zahl mag im Vergleich zur Weltbevölkerung nicht hoch klingen. Denkt man aber daran, wie wenig ein Plastiksackerl wiegt, wird die Dramatik der Plastikverschmutzung deutlich. Eine einfache Angelschnur braucht 600 Jahre, bis sie zersetzt wird. Einwegwindeln zerfallen erst nach 450 Jahren. Bei manchen Funden gerät man in Erklärungsnot, wie bei der unglaublichen Menge an Zahnbürsten, die in den Meeren dahinschwimmen.

 

Zahnbürsten, die aus dem Meer gefischt wurden, Ausstellungsansicht, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Zahnbürsten, die aus dem Meer gefischt wurden, Ausstellungsansicht, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Verhungern mit vollem Magen

Schildkröten, die sich im Müll verfangen. Tote Seebären. Wale, die riesige Mengen an Mikroplastik schlucken. Geöffnete Kadaver von Eissturmvögeln voll mit Plastikmüll, weil die Magensäure der Tiere den Kunststoff nicht zersetzen kann und „die Vögel mit vollem Magen verhungern“, wie es Pinter ausdrückt.

In der Führung Grüne Mitte wird überdeutlich: Problematisch sind nicht nur große Plastikteile, sondern vor allem dieses Mikroplastik. Man kann es nicht ausfiltern. Es birgt aufgrund des Schadstoffgehalts eine große Gefahr sowohl für Menschen als auch für Meerestiere, die Plastikteile fressen und daran qualvoll verenden. Das Spazieren durch die Räumlichkeiten wird begleitet von Kopfschütteln und der Frage, wieso nichts dagegen getan wird.

 

Ausstellungsansicht "Endstation Meer", Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Ausstellungsansicht “Endstation Meer”, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Plastik im Gesicht ist vermeidbar

Verstecktes Plastik findet sich in vielen Dingen, die einem nie in den Sinn kommen würden. Zum Beispiel in Hautpeelings oder Zahnpasta. Ein Leben ganz ohne Plastik funktioniert nicht, aber „wenn jeder ein wenig bewusster leben würde, so wär‘ schon ein bisschen was getan“. Alternativen sind nämlich nicht nur umweltschonend, sondern sehen auch noch toll aus. Wie zum Beispiel Stofftaschen statt Plastiksackerln oder Besteck und Geschirr aus Holz statt aus Wegwerfplastik. Frei nach dem Motto „Wenn schon Plastik, dann wenigstens Wiederverwendung“ ist Upcycling ein Trend, den Marken wie heidenspass, Freitag und tagwerk betreiben und z. B. aus alten Plastikplanen Taschen kreieren.

 

Recycling: Taschen aus alten Planen, Ausstellungsansicht, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Upcycling: Taschen aus alten Planen, Ausstellungsansicht, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

 

Spätestens, wenn man das Resultat der heutigen Wegwerfgesellschaft vorgeführt bekommt, gilt das Motto „Aus den Augen aus dem Sinn“ nicht mehr. Unsere Welt steht vor einem unleugbaren Umweltproblem. Unser ökologischer Fußabdruck ist gewaltig, sodass man am Ende der spannenden Führung ins Grübeln kommt: „Was wäre, wenn es Plastik schon immer gegeben hätte? Wie sähe unsere Welt dann heute aus?“

Kategorie: Naturkundemuseum
Schlagworte: Endstation Meer


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