30. Oktober 2018 / Barbara Steiner

Achtung geschlossen! Bissiger Hund! Zu den ungewöhnlichen Absperrungen von Hannes und Herta Priesch

Kunsthaus Graz

Viele lieben sie, aber offensichtlich nicht alle: die Absperrungen im Kunsthaus haben kontroverse Diskussionen in den sozialen Netzwerken ausgelöst. Dieser Eintrag liefert einige Hintergrundinformationen zur Arbeit.

Absperrungen weisen den Weg, regeln den Zutritt, lenken Menschenmassen, sichern Gefahrenbereiche, schützen Menschen und Gegenstände.  Sie grenzen ab und mitunter auch aus, sollen in der Regel Ordnung sowie Struktur herstellen. Wer kennt nicht Metallgitter im öffentlichen Raum, Elastikbänder auf Flughäfen oder in Museen? Die Bandbreite ist enorm und reicht von Sperrzäunen, Schutzbügeln, Scheren bis hin zu Absperrgittern, Drehkreuzen, Kettenständern. Es ist ein wichtiges und auch sehr gegenwärtiges Thema, denkt man an Grenzzäune. Dabei waren Zäune einmal etwas Provisorisches, eine vorläufige Konstruktion aus natürlichen oder naturähnlichen Materialien, also eher Markierung in der Landschaft als Grenze. Heute sind sie fest und eher abriegelnd.

Ungewöhnliche Lösungen

Wir haben Hannes Priesch eingeladen, sich mit Absperrungen, d. h. mit Zugänglichkeit und Nicht-Zugänglichkeit im Kunsthaus zu befassen. Er schlug vor, mit seiner Frau Herta Kramer-Priesch zusammenzuarbeiten. Resultat ist eine Serie ungewöhnlicher Lösungen in beiden Treppenhäusern und im Foyer. Mit einem Augenzwinkern werden bekannte Absperrungen wie Straßensperren oder Verbotsschilder zitiert. Hundehalsketten mit Stacheln, die üblicherweise einschüchtern sollen, verlieren ihren Schrecken. Aus einem Absperrgitter wird ein cartoonartiger, gestrickter Zaun in strahlendem Blau, die textilen Schilder gehen spielerisch mit Verboten um, mischen Bedeutungen, wenn es etwa heißt: „Achtung geschlossen! Bissiger Hund!“ Andere Absperrungen erinnern an kleine Plüschtierchen, die abends ihr „Tagesquartier“ verlassen. Selbst jene Absperrung, die auf den allerersten Blick gefährlich aussieht, zeigt auf den zweiten, dass die Angst vor einem Stromschlag unbegründet ist, denn die Kupferdrähte führen ins Nichts.

Hannes Priesch über “Alarm”

Es gibt ein Lied von David Bowie, in dem er einem mordenden, verschnupften Gärtner seine Stimme leiht, der, über die Schaufel gestützt, sich über das neblige, regnerische britische Wetter beklagt und dass er bei solchem Wetter und noch dazu mitten in der Nacht die Leiche verscharren muss.

Ich habe für die Absperrung “Alarm” einen fiktiven, etwas paranoiden Menschen als meine Inspirationsfigur genommen. Absperrungen sind ja Grenzfälle im doppelten Sinn. Bei einem Loch in der Straße ist eine Absperrung ja sehr in Ordnung. In manchen Fällen wird das Absichern aber Ausdruck eines etwas verkrampften und überbordenden Sicherheitsbedürfnisses.

Meine Frau und ich haben eine Reihe von Absperrungen für das Kunsthaus geschaffen. Sie sind sehr unterschiedlich von der Idee, dem Material und der Umsetzung her. Dabei gehen wir auf vielfältige Aspekte von Absperrung/Aussperrung/Sicherheitsnotwendigkeit und Sicherheitsbedürfnis und eben auch Paranoia ein. Ein bisschen Ironie und Witz ist in allen drinnen.

(Hannes Priesch)

Alarm, Foto: UMJ

Alarm, Foto: UMJ

Alarm, Foto: UMJ

Freundliche Zitate

Kurzum: die Absperrungen im Kunsthaus sind skulpturale Objekte, die aufgrund ihrer haptischen Anmutung dazu verleiten, berührt zu werden. Sie zitieren spielerisch Absperrungen und verändern deren mitunter militanten Charakter. In jedem Fall lassen sie schmunzeln. Sie teilen freundlich, aber bestimmt mit, dass bestimmte Flächen zu bestimmten Zeiten nicht betreten werden sollen. Und das passt ganz gut zum „Friendly Alien“!

Achtung geschlossen! Bissiger Hund!“

Kurz nach 17 Uhr zeigen sich die performativen Qualitäten der Arbeit: Das Haus wird geschlossen und der Wachschutz beginnt die Absperrungen einzuhängen bzw. damit zu hantieren.

 

Mehr Informationen zu den Absperrungen im Kunsthaus finden Sie hier:

https://www.museum-joanneum.at/kunsthaus-graz/ausstellungen/kunstprojekte/events/event/7360/soft-interventions

Kategorie: Kunsthaus Graz
Schlagworte: Logbuch Barbara Steiner


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