17. März 2012 / Christoph Pelzl

Tour de Joanneum: Landwirtschaftsmuseum in Schloss Stainz

Jagd und Landwirtschaft

Zugegeben, die Pause zwischen erster und zweiter Etappe unserer Tour de Joanneum war unverhältnismäßig lange, liegen die beiden Etappen doch im selben Ort, im selben Gebäude: im Schloss Stainz.

Doch gut Ding braucht Weile und ohne Eile sind wir inzwischen die Strecke einer weiteren Stainzer Attraktion abgegangen, nämlich jene des Stainzer Flascherlzugs. Wer jemals Stainz in den Monaten Mai bis Oktober besuchen sollte, muss unbedingt eine Runde mit der Schmalspurbahn drehen, ehe man sich ins Jagdmuseum und ins Landwirtschaftsmuseum Schloss Stainz begibt. Aber nun Details zur zweiten Etappe:

Am 22. Juli 1968 entschloss sich die Steiermärkische Landesregierung, ein Museum mit den Schwerpunkten Wirtschaft, Arbeit und Nahrung ins Leben zu rufen. Grundlage dafür war die 1966 in Graz gezeigte Landesausstellung Der steirische Bauer. Leistung und Schicksal von der Steinzeit bis zur Gegenwart.

Anni Gamerith, die sich vor allem auf dem Gebiet der Nahrungsforschung verdient gemacht hat, widmete sich in der Folge gezielt der Aufbauarbeit für dieses neue Museum, das ab 1974 zunächst eine Außenstelle des Volkskundemuseums war. 1986 wurde die Landwirtschaftliche Sammlung schließlich ein eigenständiges Referat des damaligen Landesmuseums Joanneum.

Die rund 16.700 Objekte umfassende Sammlung repräsentiert die Entwicklung der Land- und Forstwirtschaft in der Steiermark in den Bereichen landwirtschaftliche Geräte, hauswirtschaftliche Geräte, Objekte zu den unterschiedlichen Handwerken, Möbelsammlung, Erzherzog-Johann-Modellsammlung und Anni-Gamerith-Archiv. Dazu zählt eine Vielzahl landwirtschaftlicher Geräte aus der Zeit vor der Industrialisierung, insbesondere zu den Bereichen Ackerbau, Viehzucht, Almwirtschaft, Brandwirtschaft, Transport, Bienenzucht, Gartenbearbeitung, Weinbau und Ölgewinnung.

Darüber hinaus finden sich hier hauswirtschaftliche Geräte, Küchengeräte des bäuerlichen Haushalts, Hilfsmittel für historische Kochtechniken sowie Kochgeschirr für unterschiedliche Feuerstätten.

Landwirtschaftliche Geräte, Ausstellungsansicht, Foto: UMJ, Nicolas Lackner

Objekte zu unterschiedlichen Handwerken vor der Industrialisierung – wie zum Beispiel zur Seilerei und zum Schusterhandwerk – geben eindrucksvolle Beispiele für die Vielfalt ländlicher Arbeitsbereiche. Eine umfangreiche Möbelsammlung und originale Stubeneinrichtungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert erweitern den kulturhistorischen Blick auf das bäuerliche Wohnen in der Steiermark.

Die Ergebnisse der Pionierarbeit von Anni Gamerith werden in einem nach ihr benannten Archiv bewahrt, das Aufzeichnungen ihrer Feldforschungen sowie zahlreiche Archivalien zum Thema Nahrung beinhaltet. Eine umfangreiche Fachbibliothek mit den Themenschwerpunkten Landwirtschaft, Ernährung und Bauen rundet das inhaltliche Spektrum der Landwirtschaftlichen Sammlung ab.

Schloss Stainz mit Feld, Foto: UMJ, Nicolas Lackner

Im September 2009 wurde nach zweijährigen Vorbereitungsarbeiten ein neues Landwirtschaftsmuseum in Schloss Stainz präsentiert, das die wesentlichen Schwerpunkte der Landwirtschaftlichen Sammlung in einer modernen Dauerausstellung vorstellt.

Auch die Interessen und Leidenschaften Erzherzog Johanns finden an diesem Ort Beachtung: Seiner Initiative folgend, hielten im frühen 19. Jahrhundert moderne landwirtschaftliche Maschinen Einzug in steirische Bauernhöfe und revolutionierten die bis dahin nur mit einfachsten Hilfsmitteln durchgeführte landwirtschaftliche Produktion.

Die von Johann gegründete „k.k. Landwirtschaftsgesellschaft“ dokumentierte die gebräuchlichen landwirtschaftlichen Geräte und Maschinen und fertigte Modelle davon an. Der Großteil dieser historischen Modelle befindet sich heute in der Landwirtschaftlichen Sammlung.

Das Landwirtschaftsmuseum richtet seinen Blick aber auch auf aktuelle Herausforderungen, denen sich Bäuerinnen und Bauern im 21. Jahrhundert stellen. Regionale Schwerpunkte werden dabei in einen internationalen Kontext gestellt, und regelmäßige Sonderausstellungen greifen aktuelle Themen rund um Landwirtschaft und Ernährung pointiert auf.

Landwirtschaftsmuseum Schloss Stainz
Schlossplatz 1, 8510 Stainz
lws@museum-joanneum.at
T +43-3463/2772

Öffnungszeiten:
1. März bis 31. Oktober: Mi–So 10-17 Uhr
Der Besuch ist für Gruppen von Montag bis Freitag auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Voranmeldung mit Führung möglich.


Kategorie: Jagd und Landwirtschaft
Schlagworte: Landwirtschaftsmuseum | Tour de Joanneum


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