14. März 2012 / Helga Hensle-Wlasak

Mit der Alten Galerie durchs Jahr – Das Porträt Kaiser Friedrichs III. (1415–1493)

Alte Galerie

Das repräsentative Fürstenporträt ist ein alter Besitz des Stiftes Vorau und war lange Zeit als Leihgabe am Joanneum ausgestellt. 1927 fertigte der Künstler Fritz Silberbauer (Leibnitz, 1883 – Graz, 1974) eine Kopie des Porträts an, die nunmehr das eindrucksvolle Totenbildnis Kaiser Maximilians I. in der Dauerausstellung vertritt.

Dieses wird einer naturwissenschaftlichen Befundung unterzogen und anschließend zur Ausstellung Kaiser Maximilian I. (1459−1519) in die Albertina nach Wien entliehen (13. September 2012 bis 13. Jänner 2013). Somit rückt für kurze Zeit Friedrich III. an die Stelle seines Sohnes Maximilian und neben seine Schwiegertochter Maria von Burgund.

Das Porträt

Das Porträt vor dunklem Grund in strenger Büstenform ist noch der mittelalterlichen Bildnistradition verpflichtet. Die steife Hoftracht aus kostbaren Stoffen wird am Hals von unzähligen Nesteln zusammengehalten. Das Antlitz selbst weist bereits physiognomische Eigenheiten wie die dunklen hochsitzenden Augen oder die großflächige Habsburger-Nase auf. Wesentlichen Anteil an der eindringlichen Wirkung hat der schmallippige, zusammengepresste Mund, der dem Porträtierten große Entschlossenheit verleiht.

Die Goldzacken sind ein charakteristisches Merkmal des Herzoghutes. Um die Exklusivität des Hauses Österreich zu unterstreichen, hatten schon die Habsburger Rudolf IV. oder Ernst der Eiserne, der Vater Friedrichs, nicht ganz rechtmäßig den Titel eines Erzherzogs geführt. Foto: UMJ

Der hohe Kragen wird mit 26 Nesteln straff zusammengehalten. Ein kleiner Pelz liegt auf den Schultern und putzt das Brokatgewand auf. Foto: UMJ

Der Steirische Herzoghut

Das Dreiviertel-Profil wird von einer dichten Haarmähne gerahmt, auf der die herrschaftliche Kopfbedeckung sitzt. Es handelt sich dabei um eine nach oben hin geschlossene, hermelinbesetzte Krone mit Goldzinken, die von einem krabbenbesetzten Bügel mit kleinem Kreuz überspannt wird. Traditionellerweise wird die Bekrönung als Steirischer Herzogshut bezeichnet, dessen heutiges Aussehen nach Umgestaltung in der Barockzeit aber ein wesentlich anderes ist. Der um 1400 entstandene Herzogshut gehört zu den Landesinsignien der Steiermark und ist im Museum im Palais ausgestellt.

Friedrich hat jenen Habsburgern, die über die Herzogtümer Steier, Kärnten und Krain verfügten, im Jahre 1453 den Titel eines „Erzherzogs“ verliehen. Er selbst verwendete den Titel nie, wohl aber sein verfeindeter Bruder Albrecht VI.

Das Cartellino


Das weißgründige Textfeld stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Entstehungszeit des Porträts und bezeichnet Friedrich bereits als Kaiser. Foto: UMJ

Ein sogenanntes Cartellino, ein kleines gemaltes Täfelchen in der linken oberen Bildecke, gibt Aufschlüsse über die Datierung des Tafelbildes: Darin wird Friedrich, der seit 1440 als deutscher König das Reichsoberhaupt war, bereits als teitscher Kaiser bezeichnet. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Entstehungszeit des Porträts somit nach der Krönung Friedrichs zum römisch-deutschen Kaiser im Jahre 1452 anzusetzen sein. Die Umschrift auf dem Rahmen bezieht sich auf die Einverleibung der Pfarre Friedberg in den Besitz des Stiftes Vorau im Jahre 1443, die König Friedrich und der Salzburger Erzbischof veranlasst haben.

Ein autonomes Portrait

Bei dem Bildnis handelt es sich um ein sogenanntes autonomes Porträt, d.h. um eine Darstellung Friedrichs seiner selbst willen. Kennzeichnend für diese neuzeitliche Entwicklung des Porträts ist, dass die Figur nicht mehr in einen anderen Zusammenhang − etwa einen religiösen − eingebunden erscheint, wie dies bei den Kryptoporträts Friedrichs noch der Fall war. Darin wird der Herrscher in „ikonografischer Verkleidung“ öffentlich als Heiliger oder historischer Held mit seinen persönlichen Merkmalen wiedergegeben.

Kategorie: Alte Galerie
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